Elex-Test: Story, Quests und Dialoge
Test 26,99 €
Auf Seite 2 des Elex-Tests klären wir, ob es Piranha Bytes schafft, eine durchgehend spannende Geschichte zu erzählen und was die Quests taugen - gerade im Vergleich mit Rollenspiel-Schwergewichten wie The Witcher 3.
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Elex im Test: Eine packende Erzählung?
Die Story von Elex fängt nichtssagend an: Held Jax, ein Kriegsherr der emotionslosen Albs, wird mit seinem Gleiter abgeschossen und anschließend von einstigen Verbündeten verraten. Er landet in einer Schlucht, schwach und seiner schicken Ausrüstung beraubt. In der Folge müssen sich er und der Spieler all die Spielzeuge erst wieder verdienen, indem Jax einer von drei Gilden (Berserker, Outlaws, Kleriker) beitritt.
Dazu gilt es jede Menge Botengänge zu erledigen, die nur in Ausnahmefällen mit interessanten Geschichten verknüpft sind - die meisten Quests folgen einem ganz simplen Schema und bleiben nicht länger im Gedächtnis, zumindest zu Beginn des Spiels. Eine Ausnahme stellen die persönlichen Missionen der Begleiter dar. Im Spielverlauf trefft ihr mehrere Verbündete, aus deren Kreis ihr einen als Unterstützung im Kampf mitschleppt. Trotz knapper Dialoge besitzen diese Figuren alle einen interessanten Hintergrund und ragen damit aus der Masse an NPCs heraus, von denen viele das Gesicht/die Stimme mit anderen Charakteren teilen.
In den Gesprächen kommt immer wieder der Piranha-Bytes-typische Humor zum Vorschein; die Multiple-Choice-Dialoge erlauben Jax, auch mal etwas schnippischer zu agieren und sich den ein oder anderen Spaß mit den NPCs zu erlauben. Sehr schön!
Quelle: PC Games
Held Jax (rechts) steht im Zentrum einer überraschend persönlichen Story. Doch bis die in die Gänge kommt, vergehen in Elex viele Stunden Spielzeit.
Coole Entscheidungen
Dazu gibt es jede Menge Entscheidungsmomente, die sich auf Details im Storyverlauf, Questbelohnungen und den Epilog am Ende von Elex auswirken. So bestimmt ihr auch die (emotionale) Kälte des Helden: Statt ein simples Gut/Böse-Schema zu verwenden, beurteilt Elex eure Taten nach der Leidenschaft, mit der Jax seine Überzeugungen vertritt. Wer als Reaktion auf einen Verrat förmlich explodiert und dem Gegenüber mit Mord und Totschlag droht, dessen Menschlichkeit steigt paradoxerweise - wer die Lage dagegen ruhig analysiert, wird emotional kälter und gleicht sich damit auf lange Sicht den ebenso emotionslosen wie rücksichtslosen Albs an. Das System ist durchdacht und kommt oft zum Einsatz; die im Dialog aufploppenden Textnachrichten über die Auswirkungen einer Entscheidung lassen sich im Menü abschalten.
Bei den ausgefeilteren Aufträgen gibt es oft mehrere Lösungsmöglichkeiten. Zusammen mit der Gildenwahl (jede Fraktion besitzt eigene Skills, Ausrüstungsgegenstände und Quest-Reihen) sorgt das bei Elex für einen gehörige Wiederspielwert. Dennoch: Von The Witcher 3 verwöhnte Rollenspieler erwarten bei Elex besser nicht zu viel, die Mittel der deutschen Entwickler sind begrenzt. Im Rahmen seiner Möglichkeiten liefert Piranha Bytes mit Elex aber wieder ordentliches Futter für Fans der Quasivorgänger ab, richtig gelangweilt haben wir uns in der Review-Phase nie.
Quelle: PC Games
Minispiele kommen beim Hacken und Schlösserknacken zum Einsatz; ihre Schwierigkeit lässt sich im Menü separat von der Härte der Kämpfe einstellen.
Die Geschichte nimmt gegen Ende des Spiels noch mal Fahrt auf und entwickelt sich zu einer überraschend persönlichen Erzählung - deren emotionale Tragweite der blasse Protagonist Jax aber nur unzureichend vermittelt. Dabei gibt sich Piranha Bytes wirklich Mühe: Rückblenden illustrieren die Vergangenheit des Helden und nach der Wahl einer Gilde spitzen sich die Ereignisse immer weiter zu. Wer jedoch allzu lange mit der Entscheidung für eine der drei Fraktionen wartet, der kriegt viel zu lange praktisch nichts vom Hauptstrang der Elex-Geschichte mit. Dafür stehen zum Schluss etliche Gefechte gegen die ewig gleichen Bösewichte an, das riecht nach Spielzeitstreckung.
Im Test benötigten wir gut 40 Stunden, um Elex mit 99 Prozent aller Nebenquests durchzuspielen. D er Umfang kann sich sehen lassen; erkundungsfreudigen Entdeckern ist es möglich, die Spielzeit nahezu beliebig verlängern. Denn auch nach dem Story-Ende könnt ihr in Elex noch weiterspielen und etwa Teile einer gut versteckten Schatzkarte suchen.
Bildergalerie
Eine neue Heimat: Euer eigenes Lager
Quelle: PC Games
Das von euch im Spielverlauf übernommene Lager der Mitte passt ihr mit genügend Gold an. Die Individualisierungsoptionen sind aber begrenzt.
In Risen 2 hattet ihr euer eigenes Schiff, für Elex übergibt euch Piranha Bytes die Kontrolle über ein viertes Lager abseits der Städte von Klerikern, Outlaws und Berserkern. Im einfallsreich "Lager der Mitte" genannten Dorf mimt ihr den Bürgermeister und dürft in begrenztem Umfang neue Dekorationen kaufen.
Viel wichtiger ist aber der exklusive Händler, der sich hier gegen die Zahlung von 1.000 Elexsplittern niederlässt: Der Markttender hat einen unerschöpflichen Vorrat an Crafting-Materialien und Munition im Angebot. Neben einem garantierten Platz zum Schlafen für Held Jax bietet das Lager der Mitte auch einen Ort, an dem sich die im Spielverlauf um euch gescharten Gefährten einfinden. Schade: Spezielle Quests, die sich etwa mit der Rechtssprechung im Lager oder anderen interessanten Szenarien beschäftigen, gibt es nicht. So bleibt dieses Feature von Elex hinter den Möglichkeiten zurück, ähnlich wie der letztlich bedeutungslose Festungsbau in Pillars of Eternity.
