Elex-Test für PC mit Video-Review: Knackt Piranha Bytes neues Science-Fiction-RPG alte Wertungsrekorde der Gothic-Serie?
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Zum Release von Elex wird im Test endlich Klartext geredet: Was taugen Gameplay, Quest-Design, Grafik und Story von Piranha Bytes neuestem Rollenspiel mit Science-Fiction-Szenario? Knüpfen die deutschen Entwickler erfolgreich an alte Erfolge an - oder übertrumpfen sie diese sogar noch?
Elex , das zeigt der Test, hat keine Bugs.
Jedenfalls keine schlimmen, keine Plotstopper oder KI-Totalaussetzer wie zu Zeiten von Gothic 3. Das hat auch niemand mehr befürchtet; dieses Kapitel seiner Geschichte hat Entwickler Piranha Bytes abgeschlossen, die nahezu fehlerfreie Risen-Serie hat das bereits gezeigt. Elex schlägt ein neues Kapitel auf: Science-Fiction statt klassischer Fantasy, Jetpack statt Drachenflug, das sind die Stichworte zu Elex (jetzt kaufen / 26,99 € ), die auch in unserem Review eine Rolle spielen.
Doch was zeichnet Elex abseits des Szenarios sonst noch aus? PC Games hat den Test gemacht - mit der PC-Version, rechtzeitig zum Release am 17. Oktober 2017. Das Ergebnis: Piranha Bytes liefert wieder typisch deutsche RPG-Hausmannskost ab. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger.
In diesem Artikel
Elex-Review: Postapokalypse auf deutsche Art
Quelle: PC Games
Elex im Test: Die Dialoge sind gut geschrieben und es gibt sehr viele davon. Oftmals dürft ihr darin weitreichende Entscheidungen über den Helden, das Schicksal von NPCs und die Spielwelt treffen.
Ein Meteoriteneinschlag hat die Welt Magalan verwüstet: Von der einst blühenden, technologisch weit fortgeschrittenen Zivilisation sind nur noch kümmerliche Reste übrig. Einzelne Strukturen haben die Katastrophe überdauert. Graue Fabriken mit leer stehenden Parkplätzen und windschiefen Laternen. Oder Autobahnen, auf denen rostige Wracks langsam, aber sicher von Sträuchen und Baumwurzeln überwuchert werden. Doch es gibt auch noch funktionale Artefakte des einstigen glorreichen Zeitalters: Drohnen fliegen über Wälder, Wüsten, Sümpfe, Eisfelder und Vulkanlandschaften. Kraftfelder aus purer Energie versperren Wege. Manche Überlebende wagen sich nur in schwer gepanzerten Exo-Suits in die freie Wildbahn, tragen fette Laserwummen mit sich herum oder schützen ihre Basen mit automatischen Geschützen.
Derweil hat der mysteriöse Rohstoff Elex die Tierwelt verändert. Ähnlich wie das Tiberium in Command & Conquer kam Elex mit dem apokalyptischen Meteoriten auf die Erde und sorgt für Mutationen. Elex verleiht beim Konsum aber auch übernatürliche Eigenschaften; zulasten der eigenen Menschlichkeit. Deshalb wenden sich viele Bewohner Magellans von der Wunderdroge ab, nur harmlose Elexsplitter werden als universell gültige Währung von allen Fraktionen geduldet.
Die Spielwelt ist als wilder Mix aus Science-Fiction und Fantasy angelegt; eben noch kämpfen wir mit Pfeil und Bogen, dann finden wir einen Flammenwerfer, brutzeln erst Riesenskorpione, dann Riesenroboter. Die wohl erstaunlichste Feststellung im Elex-Test: Der Szenario-Mix funktioniert! Besser als erwartet sogar! Das liegt vor allem an der handgemachten Spielwelt, deren einzelne Bestandteile auf natürliche Weise ineinander übergehen. Entwickler Piranha Bytes nutzt hier die Erfahrung von gut zwei Jahrzehnten beim Gestalten interessanter Open-World-Strukturen; das Ergebnis ist ein riesiges Spielgebiet, in dem wir während des Elex-Reviews nur zu gerne nach versteckten Schätzen und nützlichen Gegenständen stöberten. Die zuweilen sehr großen Distanzen überbrückten wir dabei mit einem Schnellreisesystem, dessen Wegpunkte nach dem einmaligen Entdecken jederzeit angesteuert werden können.
Quelle: PC Games
Das Ausdauersystem von Elex ist gewöhnungsbedürftig, die Kampfsteuerung hakelig.
Elex-Test mit Video: Dark Souls lässt grüßen
Neben der postapokalyptischen Spielwelt, die Schwerter und Schießeisen, Magie und Maschinen kombiniert, weist Elex inhaltlich noch zwei große Unterschiede zu den Fantasy- und Piraten-Spielen auf, die Piranha Bytes bislang entwickelt hat. Da wäre das Kampfsystem, das dank Ausdauerbalken mit einer Prise Dark Souls gewürzt wurde. Im Nahkampf kosten jeder Schlag, jede Parade und jede Ausweichrolle Ausdauer. Die regeneriert sich nach ein paar Sekunden automatisch, doch bis dahin seid ihr bei leerer Energieanzeige schutzlos. Das sorgt für eine sehr hohe Einstiegshürde, auch weil sich die Gefechte letztlich nicht so elegant steuern lassen wie beim großen Vorbild aus dem Hause From Software.
Quelle: PC Games
Berserker nutzen Zaubersprüche und archaische Waffen wie Bögen. Im Nahkampf werden Axt und Schild bevorzugt.
Statt Freude über das Meistern der Moves herrscht auf den unteren XP-Stufen Frust vor, besonders wenn mehrere Gegner gleichzeitig angreifen. Die Vielfalt an menschlichen Feinden und wilden Bestien ist erfreulich, auch wenn viele Widersacher nur stärkere Varianten mit einem anderen Skin sind. Nervig: Nahezu alle Gegner haben die Eigenart, im Kampf sehr schnell auf den Avatar zustürmen. Das verschärft die Probleme mit dem Kampfsystem nur noch, denn so können euch mehrere Bösewichte in Windeseile umstellen und Schläge auf euch regnen lassen. Die Paradefunktion hilft hier nur bedingt und wer zu diesem Zeitpunkt noch nicht seinen Ausdauerwert gesteigert hat, der kann noch nicht einmal effektiv wegrennen, bevor ihm die Puste ausgeht.
In solchen Situationen helfen oft nur Granaten, denn Schusswaffen sind anfangs zu schwach; für dickere Knarren braucht es höhere Charakterwerte. So gestaltet sich die Anfangsphase zäh, selbst wenn man den Schwierigkeitsgrad im Menü heruntersetzt. Manch ein Hardcore-Fan von Spielen wie dem ersten Gothic mag freilich in dieser Tatsache etwas Positives sehen: In Elex startet man wirklich als armes Würmchen und bekommt von jedem daher gelaufenen Monster volles Pfund aufs Maul. Die Stärke der Gegner passt sich nicht ans Charakterlevel an, das dürfte RPG-Puristen freuen. Vor allem weil sich jeder Levelaufstieg hart erarbeitet anfühlt, jeder im simplen Skillsystem bei gegen Gold engagierten Lehrern ausgegebene Talentpunkt direkte und teils drastische Auswirkungen hat.
Dank umfangreicher Crafting-Optionen könnt ihr eure Waffen in mehreren Stufen verbessern, Tränke für Gesundheit oder Mana herstellen sowie Juwelen in Slots einsetzen. Allerdings bringen euch gerade die Waffen-Upgrades anfangs nur wenig: Denn sobald ihr beispielsweise eine Axt aufrüstet, steigen nicht nur deren Schadenswerte - sondern auch die Attributsanforderungen. Das wird zwar vorher angezeigt, die kleine Texteinblendung ist aber leicht zu übersehen. Im ungünstigsten Fall schmiedet ihr euch also das Mörder-Kettensägenschwert der Schärfe +3, nur um anschließend festzustellen, dass euch zum Tragen plötzlich 20 Stärkepunkte fehlen. Spätestens jetzt freut man sich über die Quicksave-Funktion und das freie Speichern in Elex.
Quelle: PC Games
Tipp für Elex-Spieler: Granaten sind ein billiges und effektives Mittel, um starke Feinde und Gegnergruppen in Schach zu halten.
Test über den Wolken
Die zweite große Neuerung von Elex ist das Jetpack des vordefinierten, männlichen Protagonisten. Egal ob man im Schwebemodus Pfeile und Lasersalven auf die Feinde herabregnen lässt oder per Sprungangriff aus großer Höhe mit gezücktem Schwert zu Boden stürzt und den Widersachern so die Lebensenergie entzieht: Das Jetpack ist im Gefecht extrem nützlich.
Doch nicht nur da, denn die Möglichkeit, eventuellen Fallschaden durch einen kurzen Boost zu vermeiden, ist ebenso wertvoll wie die Fähigkeit, steile Felswände in Sekundenschnelle zu überwinden. Dabei passt die Balance: Die Jetpack-Energie ist nach einigen Augenblicken aufgebraucht und muss sich aufladen; wer den Boost sparsam dosiert, legt längere Strecken in der Luft zurück. Sehr nützlich! Doch Obacht: Der Raketenrucksack ist kein Gottmodus, viele Gegner besitzen einen alternativen Fernkampfangriff. Oft erwischen die von Mutanten geschleuderten Plasmabälle und von Banditen abgeschossenen Armbrustbolzen den Helden im Flug.
Trotz der teils unheimlichen (und unfairen) Zielgenauigkeit solcher Angriffe: Schon nach wenigen Minuten mit Elex wollten wir (und unsere Leser) das Jetpack nicht mehr missen.
