Es ist nur eine 1:1 Portierung, aber irgendetwas ging schief dabei. Trotzdem ist und bleibt es ein astreines Grand Theft Auto!
Bereits seit Oktober 2005 sind Sony PSP-Spieler in der Welt von Liberty City versunken bzw. partiell haben sie diese bestimmt schon erfolgreich hinter sich gebracht. Schauten bis dato PlayStation 2 only Besitzer etwas neidisch zur Handheld-Fraktion, brauchen sie das ab sofort nicht mehr zu tun. Inzwischen auch auf der Sony Konsole released, kann man nun auch bequem zu Hause am TV-Schirm seiner bösen Karriere nacheifern und sich zu einem gemachten Mann im Milieu hoch arbeiten. Während GTA-Jünger wohl unbesehen kopfüber eintauchen werden und sich zu Hause fühlen, sollten andere lieber überlegen. Es nicht alles golden, was glänzt! Oder anders: Nicht überall wo GTA drauf steht, bietet sich auch GTA-mäßiger Spaß.
Die Familie ist alles
GTA Liberty City Stories
In Liberty City herrscht das Chaos und die Korruption. Recht und Ordnung haben keine Chance und sind schlicht fehl am Platz. Streitlustige Mafiosi gehen über Leichen um die Vorherrschaft in Liberty City zu erlangen. Und in mitten dieser Umbruchstimmung befindet sich Toni, der ebenfalls ein Stück vom großen Kuchen abhaben mag. Doch er darf niemandem trauen - außer vielleicht seinen Auftraggebern - die Leones Familie, in der Toni einen Platz beansprucht. Und um diesen Platz zu bekommen, schreckt er auch nicht davor zurück seiner eigene Mutter das gleiche Schicksal zu bescheren wie all den anderen, die ihn bei diesem Vorhaben aufhalten könnten.
Damit willkommen in Sodom und Gomorra und willkommen in Liberty City. Ab sofort dürft ihr euch - ca. sechs Jahre vor den Ereignissen des berühmt-berüchtigten "Grand Theft Auto III" - in sehr vertrauter Umgebung - zumindest für die GTA III Veteranen - eine neue Existenz aufbauen. In der Haut des guten Toni wartet die große Karriere auf euch und damit ein Platz in der Leones Familie. Aber bis ihr euren Platz sicher habt, gibt es eine Menge zu tun - also am besten gleich mal auf die Socken machen.
Die Aufträge warten
GTA Liberty City Stories
Egal ob Einsteiger oder Wiederholungstäter, beide werden es leicht haben die Karriereleiter des Toni ganz fix nach oben zu kraxeln. Wahlweise könnt ihr euch erst einmal in aller Ruhe umschauen oder gleich dafür sorgen, dass sich eure familiären Bande festigen. An entsprechenden Stellen werdet ihr die richtigen Leute finden, mit denen ihr dann ganz fix ins Gespräch kommt. Vitamin B ist bekanntlich das A und O und schneller als ihr denkt, habt ihr dann die richtigen Einsätze parat. So gilt es dann im Auftrag der Familie bestimmte Personen mal unauffällig um die Ecke zu bringen oder aber ihr müsst eure Gangsterkumpanen aus der Patsche helfen, wenn sie mal einen Raubzug vermasselt haben. Gern genommen auch der Escortservice, bei dem ihr z.T. wichtige Leute sicher von A nach B chauffieren sollt. Manches Mal reicht es aber auch einfach nur ein Auto, ein Päckchen, einen Brief oder ähnliches an einem bestimmten Treffpunkt abzuholen und der Familie zuzuspielen. Für alle Aktionen gilt natürlich das berühmte "nicht erwischen lassen". Wenn doch, bleibt es natürlich - wie der GTA-Spieler weiß - nicht aus, dass ihr alle bis dahin ergaunerten, erbeuteten und erhaltenen Waffen, usw. nicht mehr in eurem Repertoire habt. Alles muss nach einer Hopsnahme neu ergattert werden.
Reichen euch die Karriereoptionen noch nicht aus bzw. fühlt ihr euch damit nicht ausgelastet, habt ihr - wie bei den bisherigen Konsolenablegern auch - die Möglichkeit die obligatorischen Sammelpäckchen zu finden. 100 Stück sind es, die sich in Liberty City versteckt halten und gefunden werden wollen. Bekanntlich schalten die Packerl hilfreiche und nützliche Goodies wie z.B. Bonuswaffen frei.
GTA Liberty City Stories
Habt ihr keine Lust alle Aufträge und Aufgaben zu Fuß zu erledigen, steht natürlich auch das Autofahren als Option zur Verfügung. Einfach mal flink auf die Straße gehopst, ein Wagen eurer Wahl angehalten, den Fahrer bzw. die Fahrerin raus gezogen und selbst ans Steuer gesetzt. Gleiches geht im Übrigen auch mit Zweirädern, die ihr in Liberty City ebenfalls erobern könnt. Im Übrigen eine Veränderung gegenüber dem dritten GTA-Teil, da man dort keine Möglichkeit hatte sich ein Motorrad unter den Hintern zu klemmen. Selbstverständlich sollte es dann bei der Fahrzeugnutzung für euch sein, wie im echten Leben eben auch, mit dem Vehikel sorgsam umgehen. Sehr viele oder gar intensive Crashs oder mitgenommene Bordsteine; Passanten & Co. nagen an der Substanz. Aber am Ende sollte auch das kein wirkliches Problem darstellen: Dann stellt man die verbeulte und rauchende Karre einfach an beliebiger Stelle ab und kapert sich ein neues Auto.
Kurz und knapp
GTA Liberty City Stories
Hinlänglich bekannt stehen die GTA-Spiele ja eher für lange und andauernde Unterhaltung. Das liegt nicht zuletzt daran, das man gern und oft Missionen und ihre Ziele mit allerlei Herausforderungen spickt. Sei es die Komplexität oder auch mal der Anspruch oder einfach eine Vielzahl an Aneinanderreihungen von Ereignissen, die erst im Zusammenspiel das gewünschte Ergebnis liefern. Wer solche Kost auch in Liberty City erwartet, der hat seine Ziele definitiv zu hoch gesteckt. Die Missionen und Aufgaben sind äußert kurz ausgefallen und besitzen so gut wie keine Herausforderung. Innerhalb weniger Minuten sind die meisten Aufträge erledigt. Anstelle des Erfolgsgefühls tritt viel eher die Enttäuschung und die innerliche Frage "war's das schon?". Die zahlreich vorhandenen aber eher nichtssagenden Zwischensequenzen - in Ingame Grafik gehalten - machen das Ganze nicht besser. Zumal mit jeder Sequenz ein wenig mehr auffällt, dass man allein die Komplexität der Story - für die ja GTA u.a. auch steht - nicht bietet. Flach und bisweilen dümmliche Abfolgen machen nicht gerade Spaß und stehen am Ende auch nicht für den GTA-Standard. Überaus deutlich wird dieser Umstand auch, wenn man direkte Vergleiche zum quasi Vorgänger "GTA San Andreas" zieht. So wird offensichtlich, dass Möglichkeiten und Abwechslungen einfach nur drastisch reduziert worden sind.
Amorphe Masse
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Grafikfans - das sei gleich gesagt - sollten tunlichst Abstand halten und selbst hartgesottene Naturen werden sich fragen, was das sein soll? Leider leider hat Rockstar Games eine schlichte 1:1 Portierung vorgenommen. Somit wurde das PSP Spielchen einfach nur aufgezoomt und schaut entsprechend aus. Keine Korrekturen, keine Nachbesserungen - nichts. Was auf dem Handheld dann noch ansehnlich ist, erscheint auf dem TV-Bildschirm alles andere als nett. Bei genauerer Betrachtung fällt dann auf, dass die gesamte Optik furchtbar grob ist. Selbst ein Laie ist der Lage zu sehen, dass ein paar mehr Texturen dem Erscheinungsbild gut getan hätten. Das hat man aber konsequent versäumt und so wirken Häuserschluchten und Straßenzüge sehr verwaschen. Dazu kommt noch das nicht vorhanden sein bestimmter Details, die zumindest unter den gegebenen Umständen am Aussehen was hätten retten können. Aber nein, auch hier war man eisern und hat konstant verweigert. Details, was ist das? Immer wieder erscheinende und damit auch sehr störende Clipping-Fehler, dazu ebenfalls auftretende Pop-Ups und heftiges Flimmern runden das Bild perfekt ab - und zwar in gänzlich negativer Weise.
Darauf hoffen, dass es sich vielleicht bei den vielen Charakteren - inklusive Toni und der Leones Familie - anders darstellt, darf man getrost das Klo runter spülen. Ungelenk, steif und wenig agil staksen die Protagonisten in Liberty City umher. Die Menschen wirken einfach nur eckig, klumpig und zeigen alles andere als humanoide Züge. Die Bewegungen wirken so agil wie nach dem Verschlucken eines Kleiderständers und die Gesichter sehen oft aus wie nachträglich verschmierte Aquarelle Zeichnung.
Und leider kommen auch die Fahrzeuge und Vehikel nicht gut weg. Selbstredend das Blech - vor allem zu vierrädrigen Kästen verbaut - nicht wirklich die Anmut einer Primaballerina besitzt. Aber so steif und eckig, wie man mit diesen Gefährten um Kurven fährt ist schon fernab jeglicher Vorstellungskraft. Dass sich die Dinger beim Einparken noch bockiger als ein Esel anstellen, ist nur das Tüpfelchen auf dem i. Last but not lest führen einige Fahrzeuge ein merkwürdiges Eigenleben. So sollte man tunlichst drauf achten, nicht mal von einem Suizid-LKW über den Haufen gefahren zu werden. Plötzlich tauchen sie auf, rammen parkende Wagen, drehen eine Runde im Grünen, holzen Bäume und Zäune nieder bevor sie zurück auf die Straße kehren. Und da fahren sie, als gäbe es keinen anderen Verkehr - Schlangenlinien im Bestform. Da bleibt nur zu sagen: "Rette sich wer kann".