Half Sword im Early-Access-Check: Ein roher, unfassbar blutiger Diamant

Special Stefan Wilhelm
Half Sword im Early-Access-Check: Ein roher, unfassbar blutiger Diamant
Quelle: Half Sword Games

Stefan hat sich bis zur Lordschaft hochgeschlachtet und berichtet von seinen Erlebnissen in der Early-Access-Version des viralen Kampfsimulators. Stellt schon mal den Wischmop bereit!

Gott zum Gruße! Ich möchte mit euch gerne über Punkt Nr. 2 in den Patch-Notes zum dritten Hotfix der Early-Access-Version von Half Sword sprechen: "Blood optimization". Wer des Angelsächsischen mächtig ist, erkennt darin die Absicht der Entwickler, in ihrem soeben veröffentlichten Videospiel die Optimierung des dargestellten Blutes zu verbessern, auf dass euer Rechenknecht nicht mehr so sehr darunter ächzen möge.

Es fasst den viralen Kampf-Simulator eigentlich schon perfekt zusammen: Hier werden dermaßen große Mengen an realistischem rotem Lebenssaft vergossen, dass es schon die Performance beeinträchtigt. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Selbst mit der Optimierung bekommt Half Sword noch enorme Kreislaufprobleme, wenn es zu viel Blut verliert. Und das ist auch längst nicht die einzige Baustelle am Spiel.

Aber dennoch setzt es sein Konzept schon so gelungen um, dass ich mich bis in die höchsten Ränge vorgekämpft habe. Über welche sprichwörtlichen Stolpersteine ich da so gefallen bin, sehen wir uns jetzt einmal an.

Maust um euer Leben

Half Sword ist ein mittelalterliches PvE-Kampfspiel, bei dem alles über eine detaillierte Physik-Engine funktioniert. Der größte Unterschied zu anderen Kampfsystemen besteht darin, dass Angriff und Abwehr nicht über simple Tastendrücke und vorgebackene Animationen erfolgen, sondern über Mausbewegungen.

Die linke Maustaste aktiviert die rechte Hand, die rechte Taste die linke, und dann wird gefuchtelt ... Entschuldigung, ich meine natürlich: Dann wird elegant gefochten! Und ja, das ist hier durchaus möglich, denn das innovative Kampfsystem ist Half Swords größter Erfolg und bietet massig Raum für Techniken und Meisterung.

Das Herzstück des Spiels ist der "Progression Mode", bei dem ich mich nach und nach aus der Gosse zum Lord hochmetzle. Ich starte in einem Tavernen-Menü, wo sich verschiedene Händler und Schmiede versammeln, ich KI-Begleiter zur Unterstützung anheuere und durch Rasten meine Gesundheit wiederherstelle. Der Orchestrator des brutalen Ranglistenspiels ist ein manisch grinsender Narr, der zu jeder Tageszeit verschiedene Kämpfe für mich im Angebot hat - mal ein Eins-gegen-eins mit den Fäusten, mal ein bewaffnetes Frei-für-alle, mal ein Drei-gegen-drei.

Durch gewonnene Schlachten verdiene ich Pfennige und treibe den Fortschrittsbalken in Richtung des nächsten Rangs, der meinen Gegnern und mir bessere Waffen und Rüstungen zur Verfügung stellt. Dazu muss ich aber etliche Kämpfe überstehen und am Schluss noch ein Turnier gewinnen. Falle ich währenddessen ganz unglücklich in eine Klinge, geht's auf dem aktuellen Rang mit einer neuen Figur von vorn los - zumindest, wenn ich es nicht schaffe, im Jenseits all die, die mir auf dem Weg dahin zum Opfer gefallen sind, als Zombies noch einmal zu töten.

Haltet ihr eure Klinge im 'Halbschwert', könnt ihr sie präziser und wuchtiger in den Gegner stoßen. Quelle: PC Games Haltet ihr eure Klinge im "Halbschwert", könnt ihr sie präziser und wuchtiger in den Gegner stoßen.

Ein schmutziges Handwerk

Erste Impression: Das ist das frustrierendste Spiel der Welt! Und das, obwohl ich eigentlich schon einiges an Übung aus der Tech-Demo mitbringe. Es gibt kein HUD, kein Tutorial, kaum zweite Chancen. Nur fleischige, menschliche Körper, die auf dem Bettler-Rang mit grobschlächtigen Waffen aufeinander losgehen. Über Leben und Tod entscheidet das Spiel je nach Schweregrad einer Verletzung, denn die Figuren in Half Sword haben keine Lebenspunkte im klassischen Sinne, sondern annähernd realistische Blutkreisläufe, Organe und Gehirne.

Soll heißen: Trifft mich der Gegner auch noch so beiläufig an einer ungeschützten Stelle, liege ich wahrscheinlich kurze Zeit später im Sarg. Eine klaffende Fleischwunde am Schwertarm lässt diesen nur noch nutzlos herunterhängen, Treffer an den Beinen lassen mich stolpern und hinfallen, stumpfe Gewalteinwirkung am Kopf knipst mir schnell die Lichter aus. Da kann ich froh sein, wenn ich mich noch rechtzeitig ergeben kann, bevor der Gegner sein blutiges Werk vollendet. Dann verliere ich immerhin nur mein eingesetztes Geld, nicht meinen Rangfortschritt.

Die richtige Waffenwahl ist entscheidend. Kommt lieber nicht mit einer Schere zum Schwertkampf. Quelle: PC Games Die richtige Waffenwahl ist entscheidend. Kommt lieber nicht mit einer Schere zum Schwertkampf. Weil Rüstungen hier nicht einfach einen imaginären Verteidigungswert erhöhen, sondern Waffen physikalisch korrekt davon abhalten, meinen sensiblen Körper zu erreichen, sind die ersten Ränge ausgesprochen tödlich. Glimpflich geht hier kaum ein Kampf aus. Bettler, Bauern und gemeine Bürger tragen nämlich keine Rüstungen. Aber Äxte, Messer und Knüppel tragen sie, und die richten auf nackter Haut entsetzliche Verletzungen an.

Ich habe den Gewaltgrad auf der voreingestellten, mittleren Stufe belassen, und die ist schon mit das Gröbste, was ich in einem Spiel bisher gesehen habe. Nicht nur, weil jeder Treffer fast schon anatomisch korrekte Resultate erzielt und gruselige Soundeffekte auslöst, sondern vor allem, weil ich mich durch die Maus-Physik viel näher am Geschehen fühle, als wenn ich einfach nur per Knopfdruck angreife. Half Sword ist nichts für schwache Mägen, aber die Gewalt wirkt auf mich auch nicht aufgesetzt oder künstlich. Sie zeigt schlichtweg, was bei solchen oft romantisierten Auseinandersetzungen nun mal passieren würde, ohne es verdaulicher zu machen.

Ihr könnt eure Figur mit etlichen Rüstungsteilen und Waffen bestücken, die ihr kauft oder in den Arenen auflest. Kleiner Tipp: Haltet Ausschau nach diesem stacheligen Kriegsstab, denn wo der hinschlägt, ist meistens Schicht im Schacht. Quelle: PC Games Ihr könnt eure Figur mit etlichen Rüstungsteilen und Waffen bestücken, die ihr kauft oder in den Arenen auflest. Kleiner Tipp: Haltet Ausschau nach diesem stacheligen Kriegsstab, denn wo der hinschlägt, ist meistens Schicht im Schacht.

Tiefer Absturz

Zu meinem großen Unglück erstreckt sich die Physik auch auf den Untergrund der verschiedenen Arenen, in die ich geschickt werde. Eine davon ist ein schlammiger Pferch im Armenviertel der Stadt, in dem meine Figur gerne mal ausrutscht, sich hinlegt und dann durch herniedersausende Waffen daran gehindert wird, wieder hochzukommen.

Wieso falle ich manchmal einfach um? Gibt es einen Knopf zum Aufstehen? Kann ich irgendetwas tun, um in einer solchen Situation nicht automatisch zu sterben? Und warum muss ich im Jenseits manchmal nur einen übermächtigen Zombie töten, um eine zweite Chance zu bekommen, und mal sind es gleich zwölf? Ich habe zunächst keine Ahnung, weil das Spiel überhaupt nichts erklärt.

Nach etlichen gewonnenen Kämpfen mit einem einzigen, blöden Treffer zerhackstückelt zu werden und den Rang von vorn anfangen zu müssen, passiert anfangs ständig. Ich bin frustriert, weil ich keinen zuverlässigen Weg sehe, solche Treffer zu vermeiden. Natürlich kann ich versuchen, die Waffe des Gegners mit meiner eigenen abzufangen, aber was, wenn die Physik seine Klinge dann trotzdem irgendwie an meinem Hals entlangschlittern lässt? Verkeilen sich physikalische Objekte in einem Videospiel ineinander, dann kann die Berechnung noch so realistisch sein - da ist unvorhersehbarer Quatsch einfach vorprogrammiert. Und in Kombination mit dem Permadeath raubt mir das den letzten Nerv.

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