L.A. Noire im Gamezone-Test

Test Michael Stadler

Bitte erheben Sie sich zur Urteilsverkündung: L.A. Noire ist ein Spiel, dessen Faszination man nicht in Worte fassen kann.

Eingebung ist alles!

L.A. Noire L.A. Noire Jeder von uns kennt das: Wir bekommen von Menschen eine Geschichte serviert und wir wissen irgendwie, auf unerklärliche Weise, dass das was uns gerade erzählt wird alles andere als wahr ist. Eingebung, Bauchgefühl, Intuition sagt man dazu wohl im allgemeinen Sprachgebrauch. Auch Cole Phelps hat diese mysteriöse Vorahnung. Allerdings benötigt er dafür von euch Intuitionspunkte, welche ihr zumeist nach einem Levelaufstieg erhaltet. Diese Intuition ermöglicht es euch in unschlüssigen Situationen nach und nach falsche Aussagen und nicht brauchbare Hinweise in einem Verhör zu filtern. Doch aufgrund ihres Raritätenstatus sollte man intuitive Möglichkeiten erst dann in Erwägung ziehen, wenn man schon zwischen zwei Auswahlmöglichkeiten schwankt, da dann meist eine der beiden Alternativen wegfällt und zudem die Hinweisauswahl leichter fällt. Wisst ihr mal überhaupt nicht wie der Verdächtige zu verstehen ist, könnt ihr euch direkt in der Community umhören. Hier wird euch die meistgewählte Antwort auf dem Silbertablett serviert und das kostet dann ebenfalls einen Intuitionspunkt. Aber auch bei der Beweissammlung ist Intuition ein hilfreiches Extra im Kampf gegen das Verbrechen. Setzt ihr hier einen der maximal von euch anzusparenden fünf Punkte, werden sofort alle Hinweise offensichtlich und warten nur so darauf von euch eingesammelt zu werden.

Wer lügt schaut weg!

L.A. Noire L.A. Noire Diese Gadgets sind ja alle ganz nett, aber wie zur Hölle soll man denn nur aus dem steifen Gesicht eines Polygonmenschen herauslesen, ob er gestern zu Hause war oder doch das Verbrechen begangen hat, welches wir ihm zu Lasten legen? So viel vorweg: Das Erlebnis L.A. Noir spielt sich im Gesicht der Protagonisten ab. Einer neuen, extra für dieses Spiel entwickelten Engine sei Dank, verziehen die Spielfiguren so viele Mienen wie niemals zuvor in einem Videospiel. Und dieser Engine verdanken wir es auch, dass wir nicht hoffnungslos verloren sind wenn es darum geht einer verdächtigen Person mal gehörig auf den Zahn zu fühlen. Dem Gesicht nach zu urteilen sitzen wir zum ersten Mal Menschen mit Gefühlen gegenüber, die sich auch im Gesicht widerspiegeln. Ein Beispiel: Nach einem Leichenfund sind wir einmal mehr unterwegs zum Wohnsitz des Opfers. Wir landen in einer kleinen Pension in der das Opfer wohl ein Zimmer gemietet hatte. Das Zimmer ist verwüstet, Glasscherben liegen zu Füßen des Fensters und der Fensterrahmen weist deutliche Einbruchsspuren auf. Folglich stellen wir die Besitzerin zur Rede. Wir befragen sie über den Bezug zum Opfer, etwaige Auffälligkeiten. Nach ihrer Antwort müssen wir genau ihr Gesicht im Auge behalten. Doch sie sieht uns nach ihrer Aussage kerzengerade in die Augen, sie sagt die Wahrheit. Und bei dieser bleibt sie auch bis wir sie auf den Einbruch im Zimmer der Verstorbenen ansprechen. Auch hier bekommen wir eine Antwort, jedoch weicht sie unserem Blick danach immer wieder aus und blickt zu Boden oder links beziehungsweise rechts. Wir wissen dass sie etwas zu verbergen hat, kritisieren ihre Aussage. Schon bröckelt die Fassade und die Wahrheit kommt ans Licht. Grundsätzlich hätten wir hier mit den passenden Beweisen natürlich auch die Option der Lüge wählen können. Doch Vorsicht: Der Grat zwischen Zweifel und Lüge ist sehr schmal. Zwar führt der Zweifel meist auch zum gewünschten Ergebnis, eine gut ausgeführte Lüge bringt euch jedoch mehr Erfahrungspunkte für den Spielerlevel ein.

L.A. Noire L.A. Noire Habt ihr einmal nicht die richtigen Beweise für eine Lüge, könnt ihr eure Anschuldigungen auch revidieren, verliert dann jedoch die Antwort auf diese Frage. Wann ihr eine Antwort richtig oder falsch verwertet habt, wird euch ebenfalls wieder mit einem akustischen Signal verdeutlicht. Endet die Melodie auf einem hellen Endton liegt ihr richtig, wird sie dramatisch in den Notenkeller gezogen liegt ihr falsch. Zwischen der Auswahl der Fragen, könnt ihr jederzeit aufblicken und dem Gesprächspartner aufmerksam ins Gesicht sehen um doch noch die eine oder andere Regung feststellen zu können. Cool: Bekommt ihr falsche oder gar zu wenig Informationen und buchtet den falschen ein, zieht sich dieser Fauxpas durch eure Vita und wird in Zwischensequenzen erwähnt.

Hinter den Kulissen

L.A. Noire L.A. Noire Wie es sich für ein Videospiel ziemt muss dann und wann in einem Test auch die technische Leistungsfähigkeit geprüft werden. Mit erhobenem Haupt geht dabei allen voran die Gesichtsanimation und die dahinter steckende Grafikengine. Und mit dieser ist Team Bondi ein wahres Meisterstück gelungen. Egal, ob euch jemand einen Bären aufbinden will, euch frech ins Gesicht lügt, sich sorgt, wütend, traurig, oder hinterlistig ist, ihr bekommt es hautnah mit und erkennt es vor allem auch ohne im Pixelbrei nach Regungen in der Epidermis zu suchen. Hier erzählt jede Falte, jedes Grübchen und jede noch so kleine Zuckung einen Teil der Geschichte, die am Ende eines jeden Auftrages steht, mit. Auch die Bewegungen des restlichen Körpers gliedern sich in das naturgetreue Gesamtbild jeder Spielfigur ein und runden damit das Charakterdesign perfekt ab. Animationen für Treppen, Leitern, oder einfach nur die Fußgängerzone halten das aus Red Dead Redemption etablierte Niveau.

L.A. Noire L.A. Noire Leider fällt das Spiel in Sachen Spielgrafik im Gegensatz zum Western-Epos etwas zurück. Während unserer Testphase stießen wir nicht gerade selten auf Clipping-Fehler, Treppchenbildung, nicht auslösende Events, Pop-Ups und weitere Kleinigkeiten im Spielablauf. Wechseln sich Tag und Nacht angenehm regelmäßig ab, tritt ein Witterungswechsel nur äußerst selten ein, schließlich befinden wir uns ja im Sonnenstaat Kalifornien.

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