Marvel's Avengers im Replay: Kläglicher Rettungsversuch durch Hawkeye

Special Maci Naeem Cheema
Marvel's Avengers im Replay: Kläglicher Rettungsversuch durch Hawkeye
Quelle: Square Enix

Seit der allerersten Ankündigung im Januar 2017 waren die Erwartungen an Marvel's Avengers hoch. Eine der beliebtesten Marken der aktuellen Zeit, ein modernes und vielversprechendes Konzept und eine interessante Story sollten für eine langanhaltende und stabile Spielerflut sorgen. Nun, ein halbes Jahr nach Release, scheint es jedoch so, als wäre dem Superhelden-Epos bereits die Puste ausgegangen. Mit dem Sprung auf Next-Gen und Hawkeye soll sich das Blatt wenden. Wir geben einen Überblick, wie gut das klappt.

Comic-Gigant Marvel, das Zuhause ikonischer Superhelden wie Spider-Man, Black Panther, der Fantastischen Vier oder Captain Marvel, bleibt auch weiterhin eine der erfolgreichsten Instanzen der weltweiten Unterhaltungslandschaft - ob mit oder ohne Corona! Die anhaltende Covid-Pandemie zerstörte zwar die vielen Kino-Pläne von Mastermind Kevin Feige, dank der erfolgreichen Streaming-Serien WandaVision (unsere Podcast-Folge!) und Falcon and the Winter Soldier - ebenfalls im Marvel Cinematic Universe angesiedelt - bleiben Erfolge und Rekorde aber nicht aus. Darüber hinaus mausert sich das ehrwürdige Unternehmen mit über 100 Millionen Streaming-Abonnenten zum größten Gegner von Netflix.

Man könnte meinen, durch den eindrucksvollen Erfolg der letzten Jahre, die vielen unzähligen Comic-Geschichten seit 1939 und das kreative und abwechslungsreiche Universum ist es ein Kinderspiel, sich ebenso in der Gaming-Welt als "Big Player" zu etablieren - tja, falsch gedacht.

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Zwar gilt das 2018 von Insomniac Games entwickelte Spider-Man als eines der besten Superheldenspiele aller Zeiten und war eines der erfolgreichsten Spiele der PS4-Ära, ähnliche Marvel-Hits sucht man in den letzten Jahren aber vergeblich. Das sollte sich mit dem von Square Enix und Crystal Dynamics entwickelten Marvel's Avengers (jetzt kaufen )äändern. Die eigentlich gelungene Geschichte rund um die Teenagerin Kamala Khan und die zerstrittenen Avengers scheiterte jedoch kläglich und entpuppte sich früh als teurer Millionen-Flop für Square Enix.

<strong>Avengers-Außenseiter Clint soll die Lage retten?! </strong>Nach dem Millionendebakel versucht das Team mit Hawkeye, dem Spiel neues Leben einzuhauchen – gewagt. Quelle: Square Enix Avengers-Außenseiter Clint soll die Lage retten?! Nach dem Millionendebakel versucht das Team mit Hawkeye, dem Spiel neues Leben einzuhauchen – gewagt. Nun, einige Monate nach der Veröffentlichung im August 2020, soll sich die Lage aber endlich bessern. Crystal Dynamics möchte dem Superhelden-Blockbuster mithilfe eines kostenlosen Sprungs auf die neuen Konsolen und dem ebenso für lau erhältlichen DLC "Operation Hawkeye: Futur Imperfekt" frisches Leben einhauchen.

Wer hätte gedacht, dass die Avengers, bestehend aus Legenden wie Steve Rogers und Tony Stark, tatsächlich einmal auf die Hilfe von Clint Barton angewiesen sind? Sind wir mal realistisch: Ab-so-lut niemand. Inwieweit es Hawkeye und Crystal Dynamics gelingt, dem Superhelden-Epos aus der Patsche zu helfen, klären wir in unserem Replay-Test.

Kein Scherz: Hilf uns, Hawkeye!

Das ambitionierte Großprojekt Marvel's Avengers von Tomb-Raider -Entwickler Crystal Dynamics, welches im Januar 2017 angekündigt wurde, kreierte einen ordentlichen Hype und gab Superhelden-Fans Hoffnung auf jede Menge actionlastige Spielstunden im Marvel Universum. Kurz nach dem Release im August 2020 kam es aber zu einer desaströsen Bruchlandung, die für viel Spott im Netz sorgte. Ein viel zu seichtes Kampfsystem, wenig Abwechslung im Helden-Alltag, langweilige und leere Umgebungen und eine Vielzahl an technischen Probleme ließen Marvel's Avengers überraschend schnell wieder von der Bildfläche verschwinden - fast, als hätte jemand geschnipst.
<strong>Lichtblick Hawkeye:</strong> Tolle Kombos, viel Abwechslung und clevere Fähigkeiten ... Wer hätte gedacht, dass Hawkeye so viel Spaß aufs Schlachtfeld bringt? Wir nicht. Quelle: PC Games Lichtblick Hawkeye: Tolle Kombos, viel Abwechslung und clevere Fähigkeiten ... Wer hätte gedacht, dass Hawkeye so viel Spaß aufs Schlachtfeld bringt? Wir nicht. Dass sich ein Service-Titel selbst nach einem verhunzten Start noch mit cleveren Verbesserungen, viel Arbeit und frischem Content retten kann, zeigen prominente Beispiele wie Sea of Thieves oder Rainbow Six: Siege. Es ist natürlich klar, dass Marvel's Avengers einen ähnlich erfolgreichen Weg einschlagen möchte. Im Dezember 2020 gab es den ersten Startschuss dieses Unterfangens in Form eines kostenfreien Updates mitsamt nagelneuer Spielfigur: Kate Bishop, auch bekannt als Schülerin von Hawkeye. Ein solider Zusatzinhalt, doch nichts, was den Blockbuster aus der Vergessenheit hievte. Die Hoffnungen liegen also klar auf den Schultern von Hawkeye und dem zweiten DLC, Operation Hawkeye: Future Imperfect.

<strong>Das ewige Mysterium Fury: </strong>Egal ob in den Filmen, Comics oder Spielen, es gibt kaum einen Charakter, der so oft von der Bildfläche verschwindet wie Nick Fury. Quelle: PC Games Das ewige Mysterium Fury: Egal ob in den Filmen, Comics oder Spielen, es gibt kaum einen Charakter, der so oft von der Bildfläche verschwindet wie Nick Fury. Neben der ca. zweistündigen Handlung dürfen sich Fans auf Hawkeye als neue Spielfigur freuen. Wer jetzt Angst hat, Hawkeye würde sich nur gering oder gar nicht von Kate Bishop unterscheiden - schließlich handelt es sich um zwei ähnlich kampferprobte Figuren, die am liebsten zum Bogen greifen -, den können wir beruhigen. Während Kate stark auf ihre Teleportationsfähigkeiten und einen sehr agilen Kampfstil setzt, präsentiert sich Clint mit einer befriedigenden Mischung aus spaßigen Fern- und Nahkampfelementen. Zusätzlich schmückt sich die neue Spielfigur mit vielen spannenden Fähigkeiten, wie zum Beispiel drei verschiedenen Pfeilarten, die strategisch interessant verwendet werden können, einem Schwert und diversen Sprengpfeilen, die nach Belieben aktiviert werden können. Darüber hinaus gibt es jede Menge interessante Fertigkeiten, manche müssen erst freigeschaltet werden, andere stehen uns bereits zu Beginn zur Verfügung. Clint kann beispielsweise einen Heilpfeil in einem vorbestimmten Bereich abfeuern, der Mitglieder mit kostbaren Lebenspunkten beschenkt.

Wie spaßig sich Hawkeye in den wilden Kämpfen von Marvel's Avengers steuert, hat uns tatsächlich überrascht. Auch die Tatsache, wie mächtig Clint sich im Vergleich zu anderen Spielfiguren anfühlt. Es würde uns nicht wundern (und wäre zu empfehlen), wenn Crystal Dynamics da noch einmal etwas nachbessert, um die Kampfkraft des Bogenmeisters etwas mehr an den Rest der Gruppe anzupassen. Doch so gelungen sich Hawkeye spielt, so misslungen ist ein Großteil der kostenfreien Erweiterung. Allen voran die öde Geschichte, die sich mit den exakt selben Problemen schmückt, wie es schon beim Original-Spiel der Fall war.

Die Zukunft ist tatsächlich düster und karg

Die Geschichte der Erweiterung fokussiert sich auf die postapokalyptische Zukunftsvision des Marvel-Universums, erstmals durch den Auftritt einer alternativen Wolverine-Version namens "Old Man Logan" von Comic-Legende Mark Millar etabliert. Weltweite Berühmtheit erlang Old Man Logan jedoch erst durch die Verfilmung von James Mangold aus dem Jahre 2017 (es gab tatsächlich Pläne für ein Crossover mit Deadpool). Das Böse hat ein für alle Mal gesiegt und viele der ikonischen Superhelden sind bereits verstorben. Einer der wenigen Überlebenden ist der alte Einsiedler Clint Barton, der seit vielen Jahren alleine durch die Lande des Ödlands streift.

Zu Beginn erforscht Hawkeye die Überreste der im Hauptspiel als Antagonist etablierten Firma A.I.M. und folgt außerdem den mysteriösen Spuren von S.H.I.E.L.D.-Chef Nick Fury. Auf dem Papier klingt das recht spannend, in den virtuellen Gefilden des Superhelden-Epos könnte das aber kaum trockener umgesetzt sein. Das Ödland kommt jedem, der das Hauptspiel gespielt hat, nämlich erschreckend bekannt vor. Trotz der zerstörten Lande, den vielen Überresten der längst verstorbenen Zivilisation und der in Orange gehaltenen Farbgebung, erinnert das neue Gebiet stark an die bereits bekannten Utah-Badlands.
<strong>Style kostet: </strong>Wie auch bei den anderen Figuren gibt es eine Vielzahl an hübschen Outfits für Hawkeye, die besonders spannenden sind aber nur schwer zu erspielen. Quelle: PC Games Style kostet: Wie auch bei den anderen Figuren gibt es eine Vielzahl an hübschen Outfits für Hawkeye, die besonders spannenden sind aber nur schwer zu erspielen. Darüber hinaus gibt es keine neuen Ansätze oder frische Ideen, die Spielwelt mit mehr Leben zu füllen. Man kämpft sich durch A.I.M.-Horden, sammelt Fragmente, findet Truhen mit öder Ausrüstung und generell ist es quasi unmöglich, auch nur einen Funken Spannung zu erhaschen. Coole Kostüme wie das "Ronin-Outfit", die Fans aus den Comics kennen, gibt es natürlich, die sind aber nur schwer freizuspielen und gesellen sich zu jenem Content, den man leichter mit ein paar Echtgeld-Scheinen freischalten kann. Neben der Postapokalypse gibt es auch Spielabschnitte in der Gegenwart. Hier übernehmen wir die Rolle des jungen Clint Barton. Das heißt übersetzt, neben der abgeschwächten Wiederverwertung im Ödland gibt es jede Menge bekannte Missionsabläufe, Gebiete und Gegner aus dem Original-Spiel - sehr enttäuschend.

Nicht wirklich "Maestro"

Im Verlauf der Handlung treffen wir darüber hinaus auf den Marvel-Antagonisten Maestro, eine düstere und bösartige Version des Hulks. Die Wahl des Bösewichts ergibt natürlich Sinn, wirft man einen Blick auf die Comic-Vorlage, gegen das starke Recycling-Gefühl hilft das aber nicht. Zusätzlich wird aus den neuen Figuren kaum etwas herausgeholt, die Charaktere und ihre Absichten werden kaum erklärt und bleiben über den gesamten Spielverlauf blass. Abgerundet wird die neue Geschichte mit Altbekannten wie dem Taskmaster. Ein toller Antagonist, den wir aber auch schon mehrfach in der Kampagne rund um Kamala bezwungen haben.

Es ist wieder möglich, die Handlung mit bis zu drei Partnern zu spielen, viel zu wenige Interaktionen und uninteressante Dialoge zwischen den beliebten Figuren sorgen aber auch in diesem Bereich für wenig Spielspaß und viel monotones Abarbeiten der Aufgaben. Doch es gibt auch Dinge, die Marvel's Avengers richtig gut macht. Im Bereich der Technik hat sich Crystal Dynamics ordentlich ins Zeug gelegt.

Technisch ein guter und wichtiger Schritt

<strong>Die allerletzte Chance?</strong> Ende 2020 soll die große Erweiterung „War for Wakanda“ folgen. Wenn es einem gelingen kann, den Avengers aus der Patsche zu helfen, dann König T’Challa. Quelle: Square Enix Die allerletzte Chance? Ende 2020 soll die große Erweiterung „War for Wakanda“ folgen. Wenn es einem gelingen kann, den Avengers aus der Patsche zu helfen, dann König T’Challa. Marvel's Avengers hat zwar Momente, in denen der Superhelden-Epos eine tolle Figur macht, doch besonders die einbrechende Framerate und enorm lange Ladezeiten sorgten für schlechte Stimmung in- und außerhalb der Chimera (dem Zuhause der Avengers). Mit dem kostenfreien Sprung auf die neuen Konsolen gibt es fortan zwei Modi, zwischen denen wir wählen dürfen. Der Modus "Höchste Leistung" bietet angepeilte 60 FPS in dynamisch skalierter 4K-Auflösung, "Höchste Qualität" hingegen bietet nur 30 FPS, dafür aber in nativer 4K-Auflösung mit detaillierteren Objekten sowie hübscheren Schatten, Reflexionen und Effekten.

Auch das große Next-Gen-Feature des Dualsense-Controllers der PS5, haptisches Feedback, findet Einzug. Besonders das Spielgefühl beim Bogenschießen mit Clint und Kate profitiert hiervon, eine ähnlich eindrucksvolle Spielerfahrung wie etwa in Astro's Playroom (unser ausführlicher Check) sollte man aber nicht erwarten. Die Ladezeiten können sich ebenso sehen lassen. Musste man bei der Last-Gen-Fassung noch oftmals länger als eine Minute auf einen Missionsstart warten, geht das jetzt meist innerhalb von Sekunden. Wer eine PS5 besitzt, jedoch mit Freunden spielen möchte, die noch nicht in den Genuss der neuen Playstation-Konsole gekommen sind, der kann sich über Cross-Gen-Matchmaking freuen. Räumliches Audio, ebenfalls ein Feature der PS5, ist ebenso in Marvel's Avengers verfügbar. Technisch hat Crystal Dynamics also einiges richtig gemacht mit der neuen Next-Gen-Version der Superheldensause - nur leider nicht darüber hinaus.

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Bleibt zu sagen: Die neue Story-Erweiterung fällt mit gerade einmal zwei Stunden ziemlich kurz aus, viel schlimmer ist aber, dass es selbst bei solch einer geringen Spielzeit Crystal Dynamics nicht gelingt, sich von den oftmals kritisierten Missionsabläufen, den langweiligen Gegnertypen oder der viel zu starken Monotonie zu lösen. Hawkeye ist zwar ein kleiner Lichtblick, alles andere leidet aber unter den exakt gleichen Problemen, wie es beim restlichen Content von Marvel's Avengers der Fall ist - tendenziell sogar noch schlimmer als in der Hauptkampagne. In der Geschichte rund um Kamala gab es wenigstens einige ruhige und schöne Momente, die die Lust am Spielen angetrieben haben. Im DLC-Content ist es hingegen eine Flut an Langeweile. Natürlich sind Kapazitäten immer begrenzt und man kann keine vollkommen neue Spielerfahrung erwarten. Doch wenn das die Windrichtung ist, mit der man Marvel's Avengers aus der Patsche helfen will, dann gibt es keinen Superhelden der Welt, der das noch retten kann - nicht einmal Fan-Liebling Black Panther.

Was haltet ihr vom aktuellen Stand des Action-Adventures Marvel's Avengers? Seht ihr die Situation rosiger und wie sehr freut ihr auch auf das erste große DLC rund um Wakanda-König T'Challa, welches Ende 2021 erscheinen soll? Schreibt uns eure Meinung in die Kommentare.

Meinung

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