Nioh 3 im Test: Ihr habt's eigentlich schon gespielt, aber sollte euch das aufhalten?
Test
Der dritte Teil der Samurai-Soulslike-Reihe setzt wieder voll auf seine altbekannte Formel, aber ergänzt sie um offene Spielwelten und die Möglichkeit, jederzeit zum Ninja-Meister zu werden. Ist das genug für ein neues Spiel, oder werden die Katanas langsam stumpf?
Team Ninja haut wieder einen raus: Mit dem Erscheinen des ersten Nioh hat der japanische Traditionsentwickler seine neue Nische gefunden und sie seitdem mit ganzen fünf Spielen ausgefüllt.
Nach Ausflügen in den Final-Fantasy-Kosmos und das alte China geht's nun zurück in die Samurai-Rüstung, um wieder mit allerlei Yokai und ihren Meistern die Klingen zu kreuzen. Diesmal allerdings mit frei begehbaren Spielwelten und auf Knopfdruck auch als Ninja.
Wir haben uns in Nioh 3 (jetzt kaufen 59,50 € / 49,85 € ) gestürzt und klären, warum das neue Werk garantiert keine Innovationspreise gewinnt, aber auch, wie es uns trotzdem dutzende Stunden lang motiviert hat!
In diesem Artikel
Wer oder was ist ein Nioh?
Zuerst einmal die Basics, falls ihr mit der Reihe nicht vertraut sein solltet: Nioh 3 ist ein Action-Rollenspiel mit Soulslike-Flavor, das sich vor allem durch sein hochkomplexes Kampfsystem, ein Fantasy-Setting im historischen Japan und eine endlose Loot-Flut von der Konkurrenz unterscheidet. Daran hat sich in Teil 3 erst mal nichts verändert, und auch die Story fackelt nicht lange, bevor sie das Geschnetzel beginnen lässt.
Ihr spielt Tokugawa Takechiyo, einen wahlweise männlichen oder weiblichen Anwärter auf den Thron des Shoguns im Japan des frühen 17. Jahrhunderts. Trotz der vorgeschriebenen Rolle dürft ihr eure Figur wieder mit einem sehr detaillierten Charaktereditor gestalten, der keine Wünsche offenlässt. Besonders nett ist hier die Möglichkeit, eure Frisur aus verschiedenen Bestandteilen zusammenzustellen. Ein zukünftiger Shogun will schließlich auch gut gestylt sein.
Quelle: PC Games
Eure Figur hat eine feste Rolle in der Story, aber sprechen möchte sie nur etwa einen Satz alle zehn Spielstunden. Stoisch nicken und grimmig dreinschauen reicht für die Story ohnehin.
Allerdings läuft die Machtübergabe ungeachtet eurer Frise alles andere als reibungslos: Euer Bruder Kunimatsu greift, neidisch auf eure Wahl zum Shogun, nach der Macht und überrennt das Herrschaftsgebiet im heutigen Tokio mit einer Armee aus Dämonen. Er benutzt dafür einen Kristall namens Infernit, der ganze Landstriche in höllische Schlachtfelder verwandelt.
Auf der Suche nach einem Gegenmittel reist ihr durch die Zeit in verschiedene Epochen der japanischen Geschichte. Dort finden auch höllische Invasionen statt, alles scheint zusammenzuhängen, aber wie genau, das gilt es erst herauszufinden.
In den verschiedenen Epochen begegnet ihr zwar immer wieder historischen Figuren, aber die Fantasy-Elemente stehen klar im Fokus der Geschichte - und die ist, typisch Nioh, sowieso eher Mittel zum Zweck. Ihr bekommt jede Menge Namen vor den Latz geknallt, aber recht wenige Hintergründe. Markante Persönlichkeiten sind auch Mangelware. Mit zu langen Cutscenes oder Dialogen hält euch das Spiel aber ohnehin nicht auf. Hier stehen weiterhin Gameplay und Charakterentwicklung im Vordergrund.
Auf offenem Feld schlachten
Spielerisch hat Nioh 3 dabei zwei große Veränderungen durchgemacht. Die erste davon betrifft die Spielstruktur: Üblicherweise seid ihr in Team Ninjas Soulslikes nämlich in abgetrennten Missionsgebieten unterwegs, die für Haupt- und Nebenquests verwendet werden.
Diesmal findet der Löwenanteil des Spiels allerdings auf verschiedenen Weltkarten statt, die abseits von Passagen, die bestimmte Fähigkeiten erfordern, frei Schnauze begehbar sind. Dabei serviert man euch zum Glück auch nicht einfach riesige, offene Flächen, die mit Symbolen zugekleistert sind. Stattdessen werden klassische Nioh-Leveldesign-Strukturen ins Großformat übertragen.
Quelle: PC Games
Viele der Schutzgeister, die ihr im Story-Verlauf einsackt, eröffnen mal kleine, mal große Gebiete auf den Weltkarten. Dadurch lohnt sich auch der Besuch in früheren Zonen.
Ihr müsst oft erst nach Zugängen suchen, könnt viele alternative Wege gehen und schaltet Abkürzungen zum letzten Rastplatz frei. Dabei lauft ihr natürlich reihenweise Gegnern in die Arme, mal klein, mal mit Bossleiste, findet etliche Geheimnisse (auch die gelegentlich mit Bossleiste) und sammelt alles ein, was nicht bei drei auf der Pagode ist.
Der Einfluss der dämonischen Horden macht sich in den Welten natürlich auch breit. Wichtige Hauptmissionen absolviert ihr oft im Fegefeuer, also in Gebieten, wo die Yokai besonders stark und zahlreich sind. Die Fegefeuer-Abschnitte sind dann wie klassische Dungeons aufgebaut und traktieren euch je nach Epoche mit verschiedenen Bonuseffekten und viel Feindmaterial. Dort macht sich auch häufig der Doppelsprung nützlich, mit dem euch Nioh 3 ausstattet.
Nun müssen wir unsere Aussage von weiter oben noch mal ergänzen: Ja, die Karten sind am Schluss dann doch ganz ordentlich mit Symbolen gesprenkelt. Allerdings erst, wenn ihr die meisten davon auf eigene Faust gefunden habt.
Nioh 3 setzt auf ein sehr motivierendes System zum Abgrasen seiner Welten. Ihr steigt in jedem Teilgebiet nach und nach in einem separaten Erkundungsrang auf, indem ihr die Inhalte dort findet und abschließt. Ein Rangaufstieg beschert euch passive, dauerhafte Boni und markiert zunehmend viel Content im jeweiligen Gebiet. Die vielen kleinen Sammelitems, die ihr auf unterschiedliche Arten einsackt, seht ihr dabei erst auf der letzten Stufe.
Dadurch setzt das Spiel zuerst auf den eigenen Erkundungsdrang und erspart euch am Schluss nerviges Gesuche im Internet, wenn ihr wirklich alles erledigen wollt. Zudem lässt man euch jederzeit zwischen allen offenen Weltkarten reisen, um vorher unerreichbare Gebiete zu erkunden. Verpassbar ist dabei unserer Erfahrung nach nichts, und dank der respektablen Abwechslung bei den Inhalten, die es zu finden gibt, haben wir uns beim Erkunden auch nie gelangweilt.
Eine Win-Win-Situation also, und die Boni, mit denen ihr die vielen Fortschrittssysteme vorantreibt, werdet ihr auch haben wollen. Nioh 3 gehört zwar nicht unbedingt zu den schwierigen Soulslikes, aber auch nur, weil die Zahlen eurer Figur hier mindestens genauso über Sieg und Niederlage entscheiden wie euer Skill am Controller.
