Nvidia Project G-Assist: Die künstliche Intelligenz, die euch beim Zocken helfen soll

Special Achim Fehrenbach Lukas Schmid
Nvidia Project G-Assist: Die künstliche Intelligenz, die euch beim Zocken helfen soll
Quelle: Nvidia

KI-Tools wie ChatGPT werden immer leistungsfähiger - und immer häufiger auch zu Helfern im Alltag. Nvidia arbeitet an einem KI-Projekt, das euch bei kniffligen Games und bei der Spielkonfiguration unterstützen soll.

Es war ein Aprilscherz - und ein sehr gelungener dazu. 2017 veröffentlichte Nvidia ein Video, das den neuen "GeForce GTX G-Assist" zeigte: einen USB-Stick, der in AFK-Pausen selbstständig für seinen Besitzer spielt - und zwar mithilfe künstlicher Intelligenz. Nvidia nannte das Ganze vollmundig "die größte Revolution in der Geschichte des PC-Gaming". Der USB-Stick sei vollgepackt mit "Deep-Learning-Algorithmen" und nutze die Rechenkraft der lokalen Grafikkarte, um Gamern einen KI-Boost zu geben.

Empfohlener redaktioneller Inhalt [EMBED_URL] An dieser Stelle findest du externe Inhalte von [PLATTFORM]. Zum Schutz deiner persönlichen Daten werden externe Einbindungen erst angezeigt, wenn du dies durch Klick auf "Alle externen Inhalte laden" bestätigst: Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit werden personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.
Externe Inhalte Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Die passenden Anwendungsbeispiele lieferte Nvidia auch gleich mit. Etwa die Funktion "Ghostplay", die das Spielerverhalten genauestens analysiere und dann täuschend echt nachahme ... man könne also getrost PvP-Matches unterbrechen, um dem Pizzaboten die Tür zu öffnen, die KI spiele derweil einfach weiter.

Ebenfalls sehr nützlich sei die Funktion "Bossboost", witzelte Nvidia: Selbst bei brutal schweren Gegnern wie dem Nameless King aus Dark Souls 3 fände die KI ruckzuck den "besten und elegantesten" Weg, um ihn zu besiegen - auf Knopfdruck auch gerne automatisch. Ein weiteres Aprilscherz-Schmankerl war "NV Nurture". Hier analysiert die KI angeblich, wann Spieler frische Kalorien brauchen - und funkt auch gerne den Essensbringdienst an.

Überraschung auf der Computex

2017 mag das noch ein gelungener Aprilscherz gewesen sein. Doch heute würde der Witz mit dem "GeForce GTX G-Assist" nicht mehr so gut funktionieren; nämlich einfach deshalb nicht, weil sich die Realität der Fiktion schon erstaunlich stark angenähert hat. Bei der diesjährigen Computex in Taiwan präsentierte Nvidia sein "Project G-Assist". Einen KI-Ratgeber, der euch einerseits bei anspruchsvollen Spielen direkt ingame unterstützt - und der andererseits das Spiel passend zur Systemleistung konfiguriert.

Ganz allein spielen oder Pizza bestellen kann (und soll) "Project G-Assist" zwar nicht, außerdem befindet sich das KI-Tool noch mitten in der Entwicklung. Aber was Nvidia von den Prototypen in den Demo-Sessions gezeigt hat, ist durchaus beeindruckend.

Hier erfahrt ihr mehr über eine der beiden Hauptfunktionen von "Project G-Assist", den In-Game-Ratgeber - und auch, was einer der führenden Forscher für Gaming-KI darüber denkt. Die zweite Hauptfunktion, die KI-gestützte Konfiguration der Spiel-Performance, stellen wir euch kommende Woche in einem zweiten Special vor.

Empfohlener redaktioneller Inhalt [EMBED_URL] An dieser Stelle findest du externe Inhalte von [PLATTFORM]. Zum Schutz deiner persönlichen Daten werden externe Einbindungen erst angezeigt, wenn du dies durch Klick auf "Alle externen Inhalte laden" bestätigst: Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit werden personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.
Externe Inhalte Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Tech-Demo in München

München, Nvidia-Zentrale. Im Dino-Gehege ist gerade so einiges los. Gleich mehrere Urzeitechsen stampfen umher, lassen sich die Sonne auf die Schuppen scheinen und snacken hier und da von den herumstehenden Riesenfarnen.

Wahrscheinlich sind das hier alles Veganer ... doch so genau weiß man das dann auch wieder nicht. Genau deshalb wäre eine solide Rüstung für den Helden von ARK: Survival Ascended eine gute Sache - auch angesichts der weniger zahmen Viecher, die jenseits der haushohen Holzmauern in der Wildnis lauern.

Lars Weinand von Nvidia tippt auf die Tastatur, beugt sich zum Mikro und fragt "What's the best armor?" Die Antwort des KI-Assistenten folgt prompt, und zwar sowohl per Sprachausgabe als auch per Textfenster am Bildschirmrand. "The best armor in ARK: Survival Ascended is Tek Armor ", sagt die Stimme.

"It provides the highest protection with an armor rating of 900, reduces damage by 90 percent and offers significant cold and heat insulation. Additionally, it has special abilities like jetpacks and underwater breathing." Okay, das klingt jetzt wirklich gut - auch wenn wir uns die High-Tech-Rüstung momentan noch gar nicht leisten können. Das Entscheidende ist aber: Wir mussten das Spiel nicht unterbrechen, um uns die Rüstungs-Info zu ergoogeln. Sie wurde uns ganz geschmeidig on the fly serviert!

Der schnelle Dino-Tipp ist Teil der Tech-Demo, die Nvidia in München zeigt. Der Grafikkartenhersteller hat Fachmedien in sein Headquarter eingeladen, um ihnen die neuesten technischen Errungenschaften zu präsentieren - zu denen auch "Project G-Assist" zählt. Lars Weinand, seines Zeichens Senior Technical Product Manager EMEA, steckt erst einmal den Erwartungsrahmen ab: "G-Assist ist ein laufendes Projekt."

Ziel sei, Spielefirmen und Medien einen frühen Eindruck von dem Tool zu vermitteln: "Wir wollen zeigen, was möglich ist - und schauen, was sich daraus entwickelt. Und wir wollen Ideen sammeln." Mit anderen Worten: Das Tool befindet sich gerade mitten in der Entwicklung - und hat auch noch keinen festen Release-Termin.

München: Nvidia sitzt in einem der Bavaria Towers Quelle: Achim Fehrenbach München: Nvidia sitzt in einem der Bavaria Towers

Im Spiel bleiben

Schon jetzt wird aber deutlich, welch großes Potenzial "Projekt G-Assist" besitzt. Ein KI-Assistent, der aus dem Spiel heraus gezielte, kontextabhängige Tipps gibt? Das könnte die Art und Weise verändern, wie wir Spiele erleben - speziell solch komplexe und tiefe Games wie Elden Ring und Baldur's Gate 3. Solche Games erfordern einen Batzen Wissen, das man sich entweder in vielen Spielstunden aneignet - oder sich punktuell im Internet draufschafft.

"Normalerweise ist es ja so", sagt Lars Weinand, "man geht dafür aus dem Spiel raus. Entweder man drückt Alt-Tab oder man beendet das Spiel. Dann schaue ich mir auf YouTube entsprechende Videos an oder lese mir eine Enzyklopädie durch, um herauszufinden, wie es weitergeht - und dann spiele ich weiter."

Der Nachteil dieses Vorgehens ist offensichtlich: Man wird dadurch aus der Spielerfahrung herausgerissen - selbst dann, wenn man die Infos parallel auf dem Smartphone recherchiert. Zwar kann es auch Spaß machen, sich detektivisch durch FAQs, Walkthroughs und Community-Foren zu wühlen, um die punktuell passende Lösung zu finden. Aber wäre es nicht angenehmer, auf diese Recherchen verzichten zu können - und sich stattdessen voll und ganz aufs Spielen zu konzentrieren?

Bei Soulslike-Spielen ist der Vorteil offensichtlich. Will man einen Bossgegner wie den Nameless King aus Dark Souls 3 besiegen, braucht man enorm viel Übung und reichlich Frustrationstoleranz.

Häufiges Scheitern, genaues Analysieren der Gegner-Moves und graduelles Verbessern der eigenen Kampfstrategie sind zentrale Bestandteile der Spielerfahrung, die man keineswegs missen möchte - schließlich sorgt genau dieses hartnäckige Dranbleiben und Weitermachen im Erfolgsfall für die größten Triumphgefühle.

Allerdings: Es kann auch vorkommen, dass Spieler in solchen Nadelöhren hängen bleiben und aufgeben - oder das Spiel zumindest für einige Zeit entnervt beiseitelegen.

Lars Weinand, Nvidia Quelle: Nvidia Lars Weinand, Nvidia In solchen Situationen könnte ein In-Game-Assistent gute Dienste leisten. Er muss ja nicht gleich - wie im Aprilscherz von 2017 - komplett die Kontrolle übernehmen und den Boss im Alleingang niederringen: Das wäre ja keine Herausforderung und brächte keinen Spaß. Stattdessen könnte der KI-Assistent den Spielverlauf beobachten und die Handlungsmuster on the fly mit bewährten Kampfstrategien abgleichen.

Merkt er, dass der Spieler nicht weiterkommt und immer wieder die gleichen Fehler macht, kann er dann wohldosierte Tipps geben, zum Beispiel: "Mit dem Donnersteinplattenring hast du deutlich bessere Chancen." Oder: "Greif den Kopf des Lindwurms an, wenn er gerade Feuer auf den Boden speit." Das würde zwar nicht den eigentlichen Kampf ersetzen, für den es viel antrainiertes Geschick braucht. Aber es könnte entscheidende Hinweise liefern, um spielerische Flaschenhälse zu bewältigen.

Bildergalerie

Im Fall von ARK: Survival Ascended liegen die Dinge etwas anders - zumindest bei der Demo-Session in München. Hier geht es (noch) nicht darum, eine hohe spielerische Hürde zu überwinden - sondern einfach darum, ein paar Tipps für das extensive Crafting abzugreifen. Besonders Einsteiger fühlen sich von den vielen Möglichkeiten in Crafting-Games häufig überfordert.

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 06/2026 play5 06/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk