Die Evolution der Koop-Spiele: Von den späten 1970ern bis heute - Seite 2
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Koop-Spiele haben eine lange Tradition. Doch welche Entwickler legten eigentlich die Grundsteine für diesen bis heute anhaltenden Trend? In welchen Genres kam das Phänomen in den 80er- und 90er-Jahren so richtig ins Rollen? Welches waren die allerersten 6-Spieler-Koop-Erlebnisse? Und wer hat eigentlich den dynamischen Splitscreen erfunden? All das und mehr verraten wir euch in unserem großen Report zur Evolution des Koop-Gaming.
Koop in der 16-Bit-Ära: Bessere Optik, innovative Features
Während viele Entwickler in den späten 80er-Jahren noch mit ihren Koop-Ideen experimentieren, werden die Teammechaniken mit dem Aufkommen der 16-Bit-Systeme zunehmend verfeinert, während gleichzeitig die grafische Präsentation einen spürbaren Sprung nach vorne macht. Gute Beispiele hierfür sind das bildgewaltige Sunset Riders (1992), das einsteigerfreundliche Teenage Mutant Ninja Turtles: Turtles in Times (1992), das phänomenale Contra 3: The Alien Wars (dessen zwei Chef-Programmierer kurz darauf Konami verlassen, Treasure gründen und 1993 Konkurrent Gunstar Heroes etablieren), Segas audiovisuell umwerfender Mega-Drive-Brawler Streets of Rage 2 (1993) sowie das blutige Super Smash TV (1992), das die Twin-Stick-Mechanik des Spielautomaten-Originals gekonnt auf das SNES-Pad überträgt.
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Der Popularität von Drop-In/Drop-Out-Koop hilft dagegen Secret of Mana (August 1993) auf die Sprünge. Der Clou bei Squares Action-Rollenspiel-Hit: Nach Erreichen bestimmter Story-Abschnitte können sich ein zweiter und später auch ein dritter Spieler auf Knopfdruck ins Geschehen einklinken. Letzteres klappt allerdings nur, wenn man sich das von Hudson Soft (Bomberman) entworfene Super Multitap oder einen anderen 4-Spieler-Adapters besitzt.
Quelle: Square Enix
Secret of Mana (1993) für das Super Nintendo gilt als eines der ersten SNES-Rollenspiele mit komfortablem Drop-In-/Drop-Out-Koop-Modus. Drei Spieler können einen Großteil der ca. 25-stündige Story gemeinsam bewältigen.
Wohlwollende Worte finden Fans und Fachpresse in der 16-Bit-Ära außerdem für Koop-Klassiker wie Natsumes Scrolling-Shooter Pocky & Rocky (1992), LucasArts' humorvolles Iso-Run-and-Gun Zombies Ate My Neighbors (1993), das von Shinji Mikami entwickelte SNES-Action-Abenteuer Goof Troop (1993), den von den Bitmap Brothers designten Amiga-Hit The Chaos Engine (1993), Natsumes Western-Run-and-Gun Wild Guns (1994) und natürlich das bereits 1992 von Blizzard veröffentliche The Lost Vikings - um nur einige der vielen Beispiele zu nennen. Apropos The Lost Vikings: Letzteres sticht aus Koop-Perspektive insbesondere deshalb heraus, weil die drei Wikinger Erik, Baleog und Olaf tatsächlich nur dann weiterkommen, wenn sie ihre unterschiedlichen Fähigkeiten ständig kombinieren.
Koop-Trends der frühen 90er-Jahre
Gesondert hervorheben möchten wir darüber hinaus Segas hippes Alien-Action-Abenteuer ToeJam & Earl. Zwar gab es die Darstellungstechnik
Quelle: Moby Games
Segas ToeJam & Earl punktet 1991 mit einem innovativen Splitscreen-Modus, der sich immer nur dann zuschaltet, wenn sich die Helden zu weit voneinander entfernen.
Splitscreen damals schon; Bally Midways Xenophobe etwa bot eine 3-Spieler-Splitscreen-Ansicht. Dass sich ein Splitscreen-Modus dynamisch zuschaltet, wenn sich die Hauptfiguren zu weit auseinander bewegen, ist jedoch ein echtes Novum und ein pfiffiges Feature, das in späteren Konsolengenerationen unter anderem von zahlreichen Lego-Spielen (los geht's mit Lego Indiana Jones 2 im Jahr 2009) immer wieder aufgegriffen wird.
Mit EAs John Madden Football (1990) und NHL Hockey (1991) festigt sich der Koop-Gedanke zudem bei Sportspielen. Denn genau wie bei einigen vorangegangenen Tennis-Titeln (etwa Namcos Pro Tennis: World Court) können hier nun erstmals auch zwei Spieler ein Team formen und zusammen gegen computergesteuerte Gegner antreten.
Die frühen 90er-Jahre sorgen aber nicht nur im Konsolensektor für viele packende Koop-Erfahrungen, sondern auch an der PC-Spiele-Front. Als wahrer Durchbruch sei dabei vor allem der Shooter-Meilenstein Doom von id Software zu nennen, dessen komplette Story-Kampagne sich im Netzwerk-Modus mit bis zu drei weiteren Personen durchspielen lässt.
Quelle: Konami
Als eines der ersten Arcade-Spiele überhaupt bot Konamis X-Men (1992) einen 6-Spieler-Koop-Modus. Um den Widescreen-Effekt zu erzielen, nutzte das Gerät zwei CRT-Bildschirme. 2010 erschienen Umsetzungen für PSN und Xbox Live Arcade – inklusive 6-Spieler-Modus.
Bedingt durch die überaus Modding-freundliche Engine aus der Feder von Entwicklerlegende John Carmack wird Doom zudem mit einer Fülle von nutzergenerierten Inhalten bedacht, darunter auch unzählige Koop-Mods. Die Folge: Jede Menge Shooter-Entwickler ziehen nach und statten die Kampagnen ihrer Games ebenfalls mit einem Koop-Modus aus. Zu den Vorläufern dieses Trends zählen unter anderem Heretic (1994), Hexen (1995) und Heretic 2 (1998) von Raven Software, Duke Nukem 3D von 3D Realms und Descent 1 und 2 von Parallax Software.
Nintendo 64: Vier Controller-Anschlüsse ab Werk
Der nächste Paradigmenwechsel in Sachen Koop erfolgt mit dem Erscheinen des Nintendo 64 im Jahr 1996. Hintergrund: Im Gegensatz zu den Konkurrenzkonsolen Sony Playstation und Sega Saturn sind beim Nintendo 64 bereits ab Werk vier Controller-Ports verbaut - ideale Voraussetzungen also für zünftige Mehrspieler- und Koop-Action an einem Bildschirm. Sega übernimmt die 4-Controller-Anschlüsse-Konfiguration später für das Dreamcast (1998), Microsoft dagegen für die erste Xbox (2001). Und auch Nintendo bleibt der Idee mit dem ebenfalls 2001 erscheinenden Gamecube treu. Lediglich Sony geht mit der Playstation 2 (2000) einen anderen Weg und setzt auf ein separat zu erwerbendes Multitap.
Quelle: Wikipedia / Evan Amos
Das 1996 veröffentlichte Nintendo 64 war die erste 3D-fähige Konsole mit vier eingebauten Controller-Steckplätzen. Im Laufe des N64-Lebenszyklus machten zahlreiche Entwickler davon Gebrauch – auch im Hinblick auf Koop-Erlebnisse. Paradebeispiel: Perfect Dark.
Wichtige Teamplay-Titel aus dieser meist von Splitscreen-Modi geprägten Ära sind breit gestreut und in einer Vielzahl von Genres zu finden.
Quelle: Harmonix
Gemeinsam abrocken! Im Koop-Modus von Guitar Hero 2 (2006) beeinflusst das Gitarren-Geschick beider Spieler direkt den oben eingeblendeten Punktestand. Die Star-Power-Funktion sowie das Rock Meter werden ebenfalls geteilt.
Shooter-Fans etwa können sich unter anderem mit Tom Clancy's Rainbow Six (1999) von Red Storm Entertainment, Perfect Dark (2000) von Rare, Half-Life: Decay (2001) von Gearbox Software, TimeSplitters 2 von Free Radical Design (2002), Medal of Honor: Rising Sun (2003) und James Bond 007: Everything or Nothing (2004) von Electronic Arts oder der PS2-Fassung von Darkwatch (2005) von den High Moon Studios austoben. Der absolute Überflieger mit grandiosem Splitscreen-Koop-Modus bleibt nach der Jahrtausendwende jedoch Bungies Halo für die erste Xbox, das nicht nur Shooter-Action auf Konsole auf ein neues Level hievt, sondern auch Microsoft endgültig den Weg in den Konsolenmarkt ebnet.
Einen Stein im Brett bei Koop-Konsoleros haben ferner Musikspiele wie Guitar Hero 2 (2006) und Rock Band (2007), diverse Lightgun-Shooter wie etwa Time Crisis 2 (2001) sowie Action-Rollenspiele à la Baldur's Gate: Dark Alliance (2001) und Champions of Norath (2004), die die Kernprinzipien aus Blizzards 1996 veröffentlichtem PC-Bestseller Diablo übernehmen. Typisch für sämtliche Diablo-Klons und wichtiger Motivationsfaktor beim Koop-Gameplay: Es stehen in der Regel mehrere Klassen zur Verfügung, die jeweils mit ganz
Quelle: Moby Games
Im Rollenspiel-Hit Icewind Dale (2000) für den PC erlebten bis zu sechs Spieler die Geschichte via LAN oder Internet gemeinsam. 2014 erschien die hier abgebildete, in vielen Punkten verbesserte Enhanced Edition für Windows, Mac, Linux sowie Android.
unterschiedlichen Talenten aufwarten und oft auch taktisch sinnvoll miteinander kombiniert werden können.
Ein Paradebeispiel für clever designtes Koop-Gameplay aus dieser Epoche ist darüber hinaus The Legend of Zelda: Four Swords Adventures (2004). In dem in Kooperation von Shigeru Miyamoto und Eiji Aonuma produzierten Gamecube-Action-Adventure haben bis zu vier Link-Charaktere die Aufgabe, sich gemeinsam durch acht Levels mit je drei Abschnitten zu kämpfen und zu knobeln. Vor allem die Teamwork-Puzzles sind dabei ziemlich innovativ gemacht und drehen erst dann so richtig auf, wenn alle Teilnehmer jeweils einen eigenen Game Boy Advance via Linkkabel mit dem Gamecube verbinden.
Der Online-Boom im Koop-Sektor
Während sich Koop-Erlebnisse auf Konsole Ende der 90er-Jahre häufig noch auf einem Bildschirm abspielen (Ausnahmen bestätigen die Regel!), kosten PC-Teamspieler die Vorteile von lokalen Netzwerk- und später auch Internet-Verbindungen zunehmend voll aus. Resultat dieser Entwicklung sind nicht nur jede Menge Titel, die versuchen, in die Fußstapfen von Doom und Diablo zu treten, sondern auch erste Online-Rollenspiele. Zu Vorreitern dieser Art Gattung zählen dabei Titel wie Meridian 59 (1996) von The 3DO Company, Ultima Online (1997) von Ultima-Erfinder Richard Garriott und Everquest (1999) von Sony Online Entertainment.
Quelle: LucasArts / Traveller’s Tales
Der Koop-Modus von Lego Indiana Jones 2: Die neuen Abenteuer (2009) setzt erstmals auf einen dynamischen Splitscreen-Modus, der sich situationsbedingt zuschaltet und den Bildschirm streckenweise auch diagonal teilt, um für mehr Übersicht zu sorgen.
So richtig massenmarkttauglich werden MMOs allerdings erst im Jahr 2004, als Blizzard World of Warcraft an den Start bringt - eine Marke, die bekanntlich bis heute Bestand hat, kontinuierlich mit Erweiterungen versorgt wird und schon damals großen Wert darauf legt, dass Spieler Quests gemeinsam in Angriff nehmen.
Etwa ein Jahr nach dem Start des MMO-Booms heißt es dann Bühne frei für die siebte Konsolengeneration. Los geht's mit der Xbox 360. Die zweite, mit viel Hardware-Power ausgestattete Microsoft-Konsole führt die ersten Online-Gehversuche des Vorgängermodells erfolgreich fort und beflügelt damit letztendlich auch das Koop-Gaming. Die Gründe dafür sind vielfältig und reichen von neuen Spielvarianten wie dem vielfach kopierten Horde-Modus (eingeführt in Gears of War 2) über kabelloses Splitscreen-Gaming (da Wireless-Controller zum Standard werden) bis hin zu Download-Inhalten, die die Halbwertszeit von Koop-tauglichen Hit-Serien wie Borderlands, Left 4 Dead, Halo, Gears of War oder Call of Duty: Black Ops spürbar erhöhen.
Konkurrent Sony wiederum kann mit dem Release der PlayStation 3 in vielen Bereichen rasch aufholen und sorgt in Sachen Koop-Gaming insbesondere durch einige zugkräftige Exklusiventwicklungen wie Little Big Planet 1 und 2, Resistance 1 bis 3, Dead Nation, Helldivers oder Killzone 3 für Aufsehen.
Koop neu gedacht
Die PS3-Ära ist zudem Nährboden für einige bis heute denkwürdige und zugleich ungewöhnliche Koop-Ideen. From Softwares Demon's Souls (2009) zum Bespiel erlaubt es, dass man anderen Online-Spielern Nachrichten Hinweise hinterlässt und auf diese Weise indirekt
Quelle: Team 17 / Ghost Town Games
Die Kampagnen von Overcooked! (2016) und Overcooked! 2 (2018) wurden von Anfang an als Koop-Erfahrung entworfen und laufen auch erst mit einem oder mehreren anderen Spielern zu Hochform auf.
mit ihnen zusammenarbeitet. Obendrein ist es möglich, andere Spieler zur Hilfe zu holen. In eine ähnliche Kerbe schlägt Journey (2012) von thatgamecompany. Der Twist: Beim Spielen trifft man immer wieder auf andere Online-Spieler. Wer mag, kann ihnen helfen, verbale Kommunikation via Text oder Sprache ist allerdings nicht erlaubt.
Und welche Koop-Meilensteine und -Innovationen hat die Zeit nach Xbox 360, PS3 und Wii hervorgebracht? Prominent zu erwähnen sei auf jeden Fall die Nintendo Switch, die durch ihr geniales Controller-Konzept bereits in ihrer Grundkonfiguration stets zwei Eingabegeräte mitbringt. Resultat: Seit dem Siegeszug der Hybridkonsole sprießen Switch-Spiele mit Koop-Modus für unterwegs wie Pilze aus dem Boden. Snipperclips, Luigi's Mansion 3, Rayman Legends: Definitive Edition, Hyrule Warriors: Age of Calamity, Moving Out, Overcooked 2!, New Super Mario Bros. U Deluxe, Cuphead, Animal Crossing: New Horizons, Diablo 3, Castle Crashers Remastered - die Liste ließe sich noch eine ganze Weile fortführen und zeigt, dass Koop-Gaming nicht zuletzt dank der Switch eine neue Blütezeit erlebt.
Ein weiterer, zuletzt vor allem von den Hazelight Studios befeuerter Ansatz sind Koop-only-Spiele, also Abenteuer, die man tatsächlich ausschließlich gemeinsam mit einem weiteren menschlichen Mitstreiter angehen kann. Mit dem Gefängnisausbruch-Thriller A Way Out zeigten die Schweden 2018 erstmals, wie so etwas aussieht. "Offensichtlich glaubte niemand an A Way Out. Nicht einmal EA dachte, dass es sich verkaufen würde. Aber sie glaubten weiterhin an mich", erinnerte sich Studiochef Joe Fares erst kürzlich in einem Interview mit The Gamer. Eben dieser
Quelle: Electronic Arts
Kann nur zu zweit durchgespielt werden: Das seit dem 26. März 2021 erhältliche It Takes Two wurde von Kopf bis Fuß auf Online- beziehungsweise Splitscreen-Koop getrimmt.
Glaube an neue Ideen scheint sich mittlerweile ausgezahlt zu haben - A Way Out verkaufte sich bereits über 3,5 Millionen Mal. Rechnet man den jeweiligen Koop-Spieler dazu, haben sogar schon knapp sieben Millionen Gamer die dramatische Flucht von Vincent Moratti und Leonard Caruso miterlebt.
Kein Wunder also, dass Hazelight auch mit dem am 26. März 2021 veröffentlichten It Takes Two voll und ganz auf Koop setzt und damit erneut einen echten Volltreffer landet. Sollte sich das charmante Jump'n'Run-Abenteuer rund um ein kurz vor der Scheidung stehendes Ehepaar ähnlich gut oder gar besser verkaufen, dürfte sich "Koop only" als der nächste große Teamwork-Trend etablieren.
Und wie ist eure Einschätzung? Welche Koop-Entwicklungen waren in den letzten 40 Jahren prägend? Welche vergangenen und moderne Koop-Spiele haben euch am meisten beeindruckt? Welche technischen oder spielerischen Innovationen könnten Koop-Gaming auf das nächste Level hieven? Wir freuen uns auf eure Meinungen in den Kommentaren!
