Mein erstes Mal Age of Empires: Wie spielt sich der Strategieklassiker heute?
Special
Egal, ob Actionspiele, RPGs oder Adventures: Das Interesse an Games aus verschiedenen Genres ist bei unserem Autor Benedikt breit gefächert. Nur Strategiespiele blieben bei ihm ab den 1990er-Jahren auf der Strecke - so auch der Echtzeit-Hit Age of Empires von 1997. Nun hat er den Klassiker endlich zum ersten Mal gespielt.
Legendäre Konsolen-Meilensteine wie Final Fantasy 7, Castlevania: Symphony of the Night und ein leider nach wie vor indizierter Ego-Shooter rund um einen britischen Geheimagenten - 1997 zählte ganz klar zu den stärksten Jahren der Spielegeschichte. Allerdings blätterte meine Faszination für tolle PC-Titel zu dieser Zeit etwas ab, was primär an der für mich ungünstigen Genre-Gewichtung lag. Denn abseits von Technikgranaten wie MDK oder Jedi Knight oder dem Point'n'Click-Hit The Curse of Monkey Island, den ich jedoch erst 2019 nachgeholt habe, dominierten auf dem Rechenknecht vornehmlich Strategiespiele wie Dark Reign, Incubation und eben Age of Empires. Mit Spielen dieser Art anders konnte ich damals jedoch persönlich wenig anfangen. Zwar habe ich mir einen Großteil davon zumindest mal angeschaut, mich mangels Zeit und Muße aber nie wirklich intensiv damit beschäftigt.
Nun ist es gerade bei Strategiespielen höchst problematisch, ein Urteil nach ein bis zwei Stunden Anspielzeit zu fällen. Das gilt ganz besonders für Age of Empires (jetzt kaufen 39,00 € ), das nicht einfach nur die damalige Genre-Konkurrenz kopierte. Der texanische Entwickler Ensemble Studios mixte vielmehr Echtzeitelemente aus Warcraft mit einer Art Mini-Civilization, in der man sein Volk von der Altstein- zur Eisenzeit aufsteigen sah.
Quelle: Ensemble Studios / Medienagentur plassma
Wer eine Kampagnenmission startet, der erhält dank Karte und Beschreibungstext viele nützliche Tipps.
Meine Erinnerungen an den Titel beschränken sich jedenfalls auf zwei Knotenpunkte: Mit gefielen auf Anhieb die tollen Animationen, und es gab insbesondere in der deutschen Fachpresse recht hohe Wertungen, wohingegen die Amerikaner deutlich kritischer waren. Viel mehr verbinde ich mit Age of Empires nicht. Doch weil ein solch oberflächlicher Eindruck dem Klassiker kaum gerecht wird, möchte ich nach über 23 Jahren endlich Versäumtes nachlegen. Auf in die Schlacht!
CD einlegen, installieren... läuft!
Ehrlich gesagt hatte ich etwas Angst, mich nach der langen Zeit einem Oldie wie Age of Empires zu stellen - schon allein wegen der Technik. Schließlich erschien das Spiel nur wenige Jahre, nachdem sich erstmals ein Betriebssystem mit grafischer Oberfläche am PC durchgesetzt hatte: Windows 95. Die guten alten und vor allem ungeheuer umständlichen DOS-Zeiten waren vorbei, was jedoch aus heutiger Sicht mitunter ein Problem ist. Denn während für das alte System ein exzellenter Emulator namens DOSBox existiert, gibt es kein passendes, allumfassendes Gegenstück zu Windows 95.
Deshalb bin ich der Gnade der modernen Technik - oder genauer gesagt Windows 10 - ausgesetzt, unter dem beileibe nicht alle alten Spiele auf Anhieb funktionieren (siehe beispielsweise No One Lives Forever 2 oder die Originalversion von Grim Fandango). Im schlimmsten Fall müsste ich einen alten PC-Rechner aus dem Keller in mein Büro schleppen, in der Hoffnung, dass dieser noch funktioniert.
Quelle: Ensemble Studios / Medienagentur plassma
Simpel, aber effektiv: Sollte ein Steinbruch zu weit vom Dorf entfernt sein, dann reicht der Bau eines zusätzlichen Lagers, und die Arbeiter müssen zum Abliefern der abgebauten Ressourcen nicht mehr quer über die gesamte Spielfeldkarte marschieren.
Zum Glück ist meine Sorge unbegründet: Mein alte CD-Version von Age of Empires, die ich mir seinerzeit im Sammelrausch zugelegt hatte und die seither ungespielt in meinem Archiv schlummert, lässt sich tadellos auf Windows 10 installieren, starten und spielen! Da soll noch einer mal sagen, Laufwerke lohnen sich nicht mehr.
Auch registriere ich keinerlei technische Holprigkeiten und mein 42-Zoll-Bildschirm stellt die Grafik automatisch in 4:3-Auflösung und mit einem dicken schwarzen Rand dar. Gut so, denn ich habe keine Lust auf aufgeblähte Pixel und möchte ungern irgendeinen antiquierten Röhrenmonitor aufstellen.
Nebenbei bemerkt hätte ich mir natürlich die Age of Empires: Definitive Edition bei Steam gönnen können, allerdings habe ich diese Option von Anfang an ausgeschlossen. Zum einen soll die Neuauflage ihre eigenen Probleme haben und zum anderen würde dies den Sinn der Artikelreihe "Mein erstes Mal" völlig verfälschen. Wenn ich mir Alfred Hitchcocks Psycho anschauen möchte, greife ich schließlich auch nicht zur grässlichen Neuverfilmung von Gus Van Sant!
Quelle: Ensemble Studios / Medienagentur plassma
Diese schlichte Grafik zeigt am Ende einer Mission, wann welches Volk am stärksten dominierte oder ganz im Gegenteil ausgerottet wurde.
Fabelhafter Einstieg
Auch sonst verläuft mein Erstkontakt mit Age of Empires sehr positiv. Das Startmenü lässt keine Fragen offen und gibt mir mehrere Spieloptionen, darunter eine Zufallskarte, ein paar Kampagnen und gar ein Editor. Ich entscheide mich direkt für die Kampagne der Ägypter, in der Hoffnung, eher langsam und behutsam in das Geschehen von Age of Empires eingeführt zu werden.
Und was soll ich sagen: Alter Schwede, äh, Ägypter, was ist das für eine gelungene Steuerung! Nachdem ich vor einigen Monaten leichte Probleme mit ein paar kryptischen Icons des ansonsten fantastischen UFO: Enemy Unknown hatte, ist die Benutzerführung von Age of Empires absolut vorbildlich. Die Symbole sind groß, unmissverständlich gestaltet und bieten sogar eine Textbeschreibung, sobald ich mit dem Cursor darüberfahre. Die Zusatzinfos sind allerdings auch bitter notwendig, weil sich die gedruckte Anleitung für ein Spiel von 1997 als erstaunlich dünn entpuppt.
Ich habe jedenfalls in den ersten Missionen keine Probleme und gewöhne mich schnell an wichtige Mechanismen wie die Jagd nach Tieren zum Sammeln von Nahrung, dem Fällen von Bäumen für den Holzvorrat und dem Bauen von Gebäuden, um Kampfeinheiten zu rekrutieren oder meine Ressourcen zu bunkern.
Seltsam mutet in meinen Augen nur die Spielweltlogik an: Während Holz sinnigerweise zum Bauen von Gebäuden benötigt wird, ist die Nahrung das primäre Zahlungsmittel für neue Einheiten meines doch recht kleinen Volkes. So erscheint beim Einsatz von 50 Lebensmitteln ein ausgewachsener Mann vor meinem Dorfzentrum, der per Mausklick allerlei Arbeiten verrichtet. Okay ...
Noch mehr Nahrung kostet mich der Wechsel zwischen den verschiedenen Zeitaltern, was wiederum die Technologie sowie die Bauoptionen meines Volkes dramatisch verbessert. Ebenso schick wie unrealistisch: Mit dem Aufstieg werden automatisch sämtliche bereits von mir gebauten Gebäude auf den neuesten Stand gesetzt. All das fühlt sich in der Tat wie ein "Civilization light" an, eingebettet in eine Echtzeit-Engine und mit einem erstaunlichen Schuss Die Siedler. Es ist hier nämlich ähnlich befriedigend wie beim Blue-Byte-Kollegen, meinen Männern entspannt bei der Verrichtung ihrer Arbeit zuzusehen.
Erst bei der Begegnung mit einem anderen Volk verschiebt sich Age of Empires radikal in Richtung Warcraft, weil ich meist direkt beim ersten Kontakt attackiert werde. Zwar bietet das Spiel auch eine Diplomatie-Option, über die ich meinen Feind durch das Zukommen eines Tributs in Form von Holz, Nahrung, Stein oder Gold friedlich stimmen könnte. Allerdings scheitert jeglicher Einschleim-Versuch. Also lasse ich davon ab und baue lieber eine kleine Armee auf.
Der Schwierigkeitsgrad zieht an
Sind die ersten vier Missionen der Ägypter-Kampagne leicht und flockig, so führt mich der fünfte Auftrag erstmals an meine Grenzen. Ich soll 800
Quelle: Ensemble Studios / Medienagentur plassma
Der Priester ist eine der coolsten Einheiten in Age of Empires und kann mit etwas Beschwörungsgesang feindliche Einheiten rekrutieren.
Nahrung bunkern, die ich zum Aufstieg ins Bronzezeitalter benötige, sowie einige Ruinen besetzen. Diese befinden sich auf der anderen Seite eines schmalen Flusses, wo es sich unter anderem Ramses IV. mit seinem mir feindlich gesinnten Volk gemütlich gemacht hat.
Mir fällt auf Anhieb auf: Weit und breit ist kein Tier zum Schlachten zu sehen, sodass ich keine Nahrung produzieren kann. Zwar stehen mir bereits ein Kornspeicher sowie eine Kaserne zur Verfügung, allerdings hilft mir beides auf Dauer wenig zum Rekrutieren weiterer Einheiten.
Die Missionsbeschreibung verrät mir zum Glück den Kniff, mit dem ich mich aus der Misere herausbringe: Bauernhöfe! Die darf ich jedoch erst nach der Errichtung eines Marktes bauen. Und in dem Zusammenhang benötige ich richtig viel Holz, wofür ich meine wenigen Arbeiter im wahrsten Sinne des Wortes in den Wald schicke. In dieser Zeit fühle ich mich hilflos, weil ich eben mangels Nahrung nur ein paar Knüppelschläger aufstellen kann. Zynischerweise könnte ich sie in der Kaserne zu Axtkämpfern erweitern lassen - was mich aber doppelt so viel Lebensmittel wie das Rekrutieren eines Soldaten kostet!
Als endlich der erste Bauernhof steht, scheint es zu spät zu sein: Mein Dorf wird kurz darauf von Ramses IV. überfallen und ich kann mich mangels Einheiten nicht wehren. Wie zum Geier soll ich das denn schaffen? War ich einfach nur langsam? Oder habe ich etwas übersehen ...?
Quelle: Ensemble Studios / Medienagentur plassma
Eine Seeschlacht, die ist nicht lustig: Kämpfe zu Wasser entpuppen sich als zähe Angelegenheit, weil der Computer seine Schiffe immer wieder zurück und außerhalb der eigenen Angriffsreichweite verschiebt.
Zu meiner Schande ist Letzteres der Fall. Erst beim zweiten Versuch realisiere ich die drei Beerenbüsche mit ihren winzig kleinen, roten Früchten, die direkt neben meinem Lager stehen. Ich habe sie vorher schlicht und ergreifend übersehen; sie gehen optisch komplett in der Landschaft unter. Es ist der erste Moment, bei dem ich dem Spiel einen Vorwurf machen möchte.
Auch sonst fühle ich mich dezent überfordert: Meine Baumöglichkeiten haben sich im Vergleich zur Mission davor radikal erhöht; obendrein beschleicht mich das Gefühl, dass ich all die Optionen auch irgendwie benötige. Mit der Bogenschießanlage kann ich Fernkämpfer rekrutieren, über einen Hafen baue ich Erkundungsschiffe und per Stall könnte ich einen Späher ausbilden. Weil mir Rames IV. in unregelmäßigen Abständen seine Schergen auf den Hals hetzt, muss ich zudem fleißig neue Arbeiter und Soldaten kaufen.
Andersherum ist es auch nicht gerade einfach, ins Feindland einzudringen. Bereits beim Überqueren des Flusses mähen mich ständig gegnerische Erkundungsschiffe nieder. Sie mit meinen Fußsoldaten zu zerstören, ist nahezu unmöglich: Sobald ich mich mit einem Schritt nähere, fährt der Gegner einfach einen Meter zurück und schießt munter weiter. Meine Bogenschützen benötigen ebenfalls stets ein paar Sekunden, um sich gescheit zu positionieren - bis es soweit ist, sind einige meiner Einheiten futsch. Nur mit etwas Glück verkeilt sich mal ein Schiff in einer Ecke. Aber mir ist nicht klar, warum dies passiert oder wie ich es absichtlich provozieren könnte.
Quelle: Ensemble Studios / Medienagentur plassma
… seht ihr auf diesem Screenshot eine Stadt der Perser.
(1)
Wo ich schon mal beim Motzen bin, möchte ich mich allgemein über die Wegfindungsroutine beschweren, in meinen Augen der dickste Klops von Age of Empires. Die Unberechenbarkeit der Widersacher kann ich noch als kalkulierbares Zufallsrisiko abstempeln. Doch das meine eigenen Leute teilweise Probleme haben, sich selbst aus dem Weg zu gehen, ist nicht wirklich okay.
Richtig ärgerlich: So mancher Arbeiter, der minutenlang korrekt zwischen Bauernhof und Lager hin und herläuft, bleibt plötzlich und ohne mir ersichtlichen Grund an einer Ecke hängen. Allein diese Schwäche nötigt mich dazu, regelmäßig meine Ländereien zu überblicken und eben solche Missstände per Hand zu korrigieren.
Nun, jammern bringt mich erst recht nicht weiter. Fakt ist: Meine Armee kann zwar ein paar Gebäude am Flussrand sowie die meisten Infanterie-Einheiten zerstören, jedoch hält sie den besagten Schiffen nicht stand. Ich muss also nochmal von vorne anfangen... Aber wie gehe ich diesmal anders vor?
Ganz einfach: mit Geduld.
Von klugen Taktiken und dem Aushebeln der Computer-KI
Ich konzentriere mich zunächst auf mein eigenes Reich und sehe zu, dass ich schnellstmöglich die 800 Nahrungseinheiten zusammenhabe. Also setze ich alles auf die Bauernhöfe und erzeuge nur tröpfchenweise neue Soldaten, die zur Abwehr von Ramses IV. spärlichen Angriffen ausreichen.
Nach einer Weile bemerke ich, wie mein Gegner in meinen Gefilden wildert, ein Lager errichtet und Bäume fällt. Das lasse ich natürlich nicht zu und wehre mich - diesmal mit Erfolg, weil das Flussufer weit entfernt ist. Um genau zu sein, stelle ich fest, dass die Fußsoldaten von Ramses IV. keine Chance gegen mich haben. Daraufhin kommt mir eine wagemutige Idee: Was, wenn ich blind über den Fluss marschiere, dabei die Schiffe ignoriere und mich um das Dorfzentrum tief im Feindland kümmere?
Quelle: Ensemble Studios / Medienagentur plassma
Aller Anfang ist schwer: In der Altsteinzeit sind die Entwicklungsmöglichkeiten begrenzt und die Nahrungsaufnahme findet durch das Jagen nach Tieren sowie Pflücken von Beeren statt.
Nein, das klingt zu einfach! Bevor ich das Wagnis eingehe, speichere ich sicherheitshalber ab. Doch in der Tat, die plumpe Taktik geht auf: Der Gegner besitzt zwar bedeutend mehr Gebäude als ich, jedoch kaum Soldaten. Die wenigen, die sich auf mich stürzen, sind für meine Armee absolut kein Problem.
Spätestens nach dem Zerstören aller Kasernen und Bogenschussanlagen, womit ich Ramses IV. den Nachschub neuer Einheiten abschneide, ist mein Sieg sicher. Am Ende nimmt meine Zerstörungswut unbändige Ausmaße, weshalb ich frühzeitig die Mission gewinne - also ohne Aufstieg in ein neues Zeitalter.
Verhandelbar
Die nächste Mission konzentriert sich auf einen Aspekt, mit dem ich mich ohnehin näher beschäftigen wollte: dem Handel. Denn bislang erschien mir der kriegerische Weg bedeutend attraktiver, und ich frage mich durchaus, wie das Handeln in Age of Empires überhaupt funktionieren soll.
Leider macht mich die Mission nicht richtig schlauer: Ich habe gleich zu Beginn Zugriff auf einen Hafen, mit dem ich das passende Schiff baue. Damit fahre ich am Ufer entlang und stoße auf einen fremden Hafen, über den ich meine Nahrung oder mein Holz gegen Gold eintausche. Allerdings ist es mir ein Rätsel, wie das System dahinter funktioniert. Es scheint jedenfalls nicht so zu sein, dass ich damit meinem direkten Gegner etwas abnehme. Oder hat der ernsthaft unendlich viele Goldvorräte?
Ganz davon abgesehen währt meine Handelsfreude nicht lange: Ein gegnerischer Stamm erklärt mir den Krieg und versenkt kurzerhand mein Boot. Argh! Da ich mich ansonsten kaum ausgerüstet hatte, darf ich wieder von vorne anfangen.
Der nächste Versuch scheitert ebenfalls beinahe nach wenigen Minuten, weil plötzlich eine Balliste über mein Dorf herfällt und mit wenigen Schüssen meine Bauernhöfe vernichtet. Zum Glück habe ich gerade genügend Kämpfer und Schützen gebaut und kann den Angreifer im letzten Moment abwehren.
Praktisch: Am Gebietsrand steht ein riesiger Wald parat, mit dessen Holz ich meine Verluste kompensieren kann. Zudem bleibt die Balliste eine Ausnahme, ansonsten behelligen mich nur wenige gegnerische Einheiten. So kann ich in aller Ruhe alles neu aufbauen und vor allem genügend Holz für ein paar Schiffe sammeln, um mich auch auf dem Wasser erfolgreich wehren zu können. Zwar wird zwischenzeitlich mein Hafen angegriffen, jedoch kann ich dies durch einen einzelnen Bauarbeiter wieder ausgleichen. Der ist in der Tat mit dem Reparieren schneller als die Schusskraft zweier Schiffe.
Quelle: Ensemble Studios / Medienagentur plassma
Aufwändig: Jedes spielbare Reich hat seine eigenen Gebäudegrafiken und variiert leicht bei den zur Verfügung stehenden Bau- und Entwicklungsoptionen. Während ihr hier die Architektur der Minoer bestaunen könnt ...
Nach einer Weile sollte ich mich um mein eigentliches Spielziel kümmern: Sammele 1000 Gold und 1000 Steine. Nun, für Ersteres besorge ich mir einfach ein neues Handelsschiff und steuere erneut den im ersten Versuch gesichteten Hafen an. Die feindlichen Boote von vorhin sind schließlich Geschichte.
Aber wo kriege ich die Steine her? Eine Möglichkeit, sie einzuhandeln, gibt es anscheinend nicht. Ich bräuchte also Zugang zu Gestein, das ich abbauen kann - und das ich erst weit abseits meines Dorfzentrums finde. Zum Glück tummeln sich vor Ort keine weiteren Gegner, weshalb mein Erfolg nur eine Frage der Zeit ist.
Fazit: Wer hat an der Uhr gedreht?
Kinder, wie die Zeit vergeht: Dachte ich noch, ich könnte für diesen "Mein erstes Mal"-Artikel einfach so nebenbei die Kampagnen von Age of Empires durchziehen, so schaffe ich aus Zeitgründen nicht einmal jene der Ägypter - die obendrein als komplexes Tutorial verschrien ist!
Spaßeshalber schaue ich mir kurz die anderen Kampagnen an, wobei mir die erste Mission von "Stimmen aus Babylon" besonders gut gefällt: Dort besitze ich kein einziges Gebäude und darf deshalb zu Beginn auch keine Bewohner generieren. Allerdings habe ich einen Priester in meinen Reihen, der mit seinen Predigten fremde Einheiten überzeugen kann.
Quelle: Ensemble Studios / Medienagentur plassma
… seht ihr auf diesem Screenshot eine Stadt der Perser.
(1)
Ich bin nicht nur von dem Spielfluss und den vielen Möglichkeiten des Klassikers, sondern auch von seiner Präsentation mehr als angetan: Zwar sieht aufgrund der niedrigen Auflösung von 1024x768 Bildpunkten alles klein und distanziert aus, doch die äußerst lebendigen und detaillierten Animationen machen dieses Manko wieder wett. Zudem mag ich die Musik, selbst wenn sie nicht gerade vor Abwechslung strotzt und sich in allen von mir gespielten Missionen die gleichen zehn Melodien wiederholen.
Am Ende bin ich wirklich fasziniert von diesem Spiel - so sehr, dass ich mir nun am liebsten auch Age of Empires 2 und Age of Mythology anschauen möchte, die damals noch höhere Wertungen abgegriffen haben und auch in den USA beliebt waren. Rein auf dem Papier betrachtet mögen die Mechanismen eines Age of Empires sehr simpel sein und einem Europa-Universalis-Fetischisten nur ein mitleidiges Lächeln entlocken. Sprich: Wirklich realistisch ist hier rein gar nichts, und selbst das erste Civilization fühlte sich in vielen Aspekten logischer sowie komplexer an, was den Aufbau der Spielwelt anbelangt.
Dafür funktioniert Age of Empires umso mehr auf einer rein spielerischen Ebene, vergleichbar mit einem allumfassenden Brettspiel: Es ist verblüffend gut ausbalanciert, bietet zahlreiche Spielelemente und trotzdem passen alle wesentlichen Features auf ein übersichtlich gestaltetes Faltblatt, das dem Original von 1997 beilag.
Und damit ist Age of Empires ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie ein wirklich gutes Spiel aus den 1990er-Jahren funktioniert: Nämlich so, dass es auch heute noch Spaß macht.
