Rue Valley kombiniert Storytelling und Ermittlungen zu einem einzigartigen Rollenspiel-Erlebnis. Hier erfährst du, wie das funktioniert.
In diesem Artikel
47 Minuten bis zum Weltuntergang
Was vielleicht ein guter Zeitpunkt ist, um zu erklären, worum es in Rue Valley eigentlich genau geht: Ihr spielt Eugene Harrow, einen abgehalfterten Schreiberling, der für eine psychologische Behandlung in die namensgebende Tal-Region reist. Statt mit seinem Therapeuten über den Vorfall zu reden, der ihn aus der Bahn geworfen hat, kommen aber nur noch mehr Probleme dazu.
Denn gerade als sich Eugene durch seine erste gerichtlich verordnete Therapiesitzung gequält und seinen müden Körper endlich ins Motelzimmer geschleppt hat, färbt sich der Himmel über ihm blutrot: Um Punkt 20:47 Uhr donnert eine gewaltige Explosion über den Horizont und ein loderndes Inferno reißt Eugene ins Leere - nur damit er wenig später wieder auf der Couch seines Psychiaters aufwacht. Schnell ist die Sache klar: Er steckt in einer Zeitschleife fest.
Was es mit der auf sich hat und wie man aus ihr entkommt? Das herauszufinden, ist über die kommenden 12 bis 15 Stunden eure Aufgabe.
Quelle: PC Games
Vor dem Weltuntergang kann man nicht davonfahren. Das muss auch Eugene schmerzlich erfahren.
Mehr Adventure als Rollenspiel
Das Ganze funktioniert so ein wenig in Point-&Click-Manier. Per Mauszeiger oder Richtungstasten scheucht ihr Eugene durch die isometrische Spielwelt, interagiert mit Objekten und führt Gespräche. Viele Gespräche. Ihr solltet also nicht lesefaul sein - oder ordentliche Sprachkenntnisse mitbringen. Die gelungene Vertonung gibt's nämlich nur auf Englisch.
Die 47 Ingame-Minuten, die ihr pro Loop zur Verfügung habt, vergehen übrigens nur in Dialogen (oder wenn ihr sie bewusst am Handy verplempert). Beim Erkunden dürft ihr euch dagegen so viel Zeit lassen, wie ihr wollt. Was praktisch ist, denn Rue Valley setzt euch eine kleine, aber lebendige Spielwelt vor, deren Bewohner dynamisch ihrem Tagwerk nachgehen. Manche Dinge passieren nur an bestimmten Zeitpunkten. Charaktere befinden sich je nach Uhrzeit an anderen Orten. Gerade zu Beginn kann es daher sogar ganz sinnvoll sein, sich einfach mal nur auf eine Bank zu setzen, zu beobachten und zu verstehen, was eigentlich vor sich geht.
Eure Erkenntnisse könnt ihr dann in einer Art Gedankenpalast miteinander verknüpfen und Schlussfolgerungen ziehen. Aus diesen Kombinationen entstehen dann sogenannte Intentionen: quasi In-Game-Missionen, mit denen ihr die Handlung vorantreibt. Vorausgesetzt ihr bringt die nötige Motivation mit! Die gibt's in Form von Inspirationspunkten, die ihr durch Aktionen im Spiel verdienen könnt. Wenn Eugene etwa ein Katzenposter mit der Botschaft "Hang in there" entdeckt, ist er plötzlich wieder voller Tatendrang.
Quelle: PC Games
Die "Mindmap" enthält auch Informationen zu allen wichtigen Charakteren, Orten und Geschichten der Spielwelt.
Der Eisberg von Rue Valley
Das verhindert, dass ihr euch zu viel auf einmal aufhalst und sorgt für ein natürliches, befriedigendes Fortschrittsgefühl: Stück für Stück dringt ihr tiefer in das Geflecht rund um Rue Valley, die Explosion, die Zeitschleife und die mysteriöse Behörde Coral Destiny ein. Ihr legt neue Ebenen frei und arbeitet euch immer weiter zum wahren Kern der Dinge vor.
Einige Irrungen und Wendungen halten euch dabei brav bei der Stange. Aber auch die schrulligen, wenngleich liebenswerten Tal-Bewohner mit ihren ganz persönlichen Schicksalen kennenzulernen, bleibt durchweg motivierend: Die ganze Stadt scheint irgendwie miteinander verbunden, jeder verbirgt sein eigenes kleines Geheimnis, das ihr in optionalen Nebenhandlungssträngen beleuchten könnt. In denen scheuen sich die Entwickler auch nicht davor, mal ein paar gesellschaftskritische Töne anzuschlagen.
