Zwischen Traumhaus und Langeweile: Solarpunk begeistert und frustriert gleichermaßen im Test

Test Vivien Ziermann
Zwischen Traumhaus und Langeweile: Solarpunk begeistert und frustriert gleichermaßen im Test
Quelle: Cyberwave

Solarpunk setzt auf Natur, Kreativität und Entschleunigung und möchte einen entspannten Alltag mit Survival-Aspekten vereinen. Unser Test zeigt, ob das Konzept funktioniert und warum es nicht jeden begeistern wird.

Das Genre der Cozy-Survival-Spiele scheint in der letzten Zeit auf dem aufsteigenden Ast zu sein. Während sowohl Survival- als auch Cozy-Liebhaber der Kombination zunächst skeptisch gegenüberstanden - inwiefern sollte Überlebenskampf auch schon gemütlich sein? - finden inzwischen immer mehr Genrevertreter ihren Weg auf verschiedene Plattformen und in die Herzen der Spieler.

Erst kürzlich konnte der Cozy-Survival-Roadtrip Outbound trotz kleiner Schwächen in unserer Redaktion überzeugen. Und nur wenige Wochen später klopft das nächste entspannte Überlebensabenteuer an unsere Tür, diesmal direkt aus Deutschland.

Wie in einigen anderen Survival-Titeln der letzten Monate setzt Solarpunk (jetzt kaufen 20,69 € ) auf eine Himmelswelt voll schwebender Inseln. Neben dem klassischen Survival-Aspekt möchte der Titel außerdem auf Nachhaltigkeit und ein friedliches Zusammenleben zwischen Mensch und Tier aufmerksam machen. Wie gut das funktioniert, verraten wir euch jetzt.

Überleben auf einer fliegenden Insel

Als namenlose Protagonistin erwachen wir auf einer einsamen Insel. Die befindet sich allerdings nicht irgendwo im Meer, sondern schwebt frei im Himmel herum. Zum Start haben wir etwas Nahrung und Wasser in unserem Inventar. Doch sollten wir uns schnell um Nachschub kümmern.

Also gilt es, die Insel zu erkunden, Ressourcen abzubauen und Nahrung zu sammeln. Nachdem wir das Tutorial und damit die ersten Grundlagen abgearbeitet haben, steht es uns frei, ob wir unsere Zeit mit dem Bau eines möglichst schicken Hauses oder mit der Erkundung der Welt verbringen wollen. Schließlich warten weitere schwebende Inseln darauf, gründlich erforscht zu werden.

Zwischen Ackerbau und Frust über das liebe Vieh

Da es sich bei Solarpunk um ein Cozy-Survival-Spiel handelt, erwartet uns auf keiner der Inseln eine große Gefahr oder irgendwelche Gegner. Wir müssen uns lediglich bei schlimmen Unwettern vor Blitzen in Acht nehmen, da wir Schaden erleiden, sollten wir von einem der Blitze getroffen werden.

Die einzigen Überlebensaspekte, auf die wir in Solarpunk achten müssen, sind Hunger und Durst. Doch auch hier bedeutet es nicht sofort den Tod, sollten wir einmal kein Wasser oder keine Nahrung zur Verfügung haben. Im Kern dreht sich Solarpunk also darum, friedlich Feldfrüchte anzubauen, Tiere zu halten und sich ein paradiesisches Zuhause auf der Insel zu errichten.

Ein Steinbrunnen auf einer Wiese. Im Hintergrund sind Beete mit Sonnenblumen und Himbeersträuchern zu sehen. Quelle: PC Games Ein Brunnen in der Nähe der Felder vereinfacht das manuelle Gießen. Trinkwasser spendet er allerdings nicht. Die Samen, die wir für den Anbau benötigen, bekommen wir beim Ernten der Wildsträucher, die wir beim Erkunden entdecken. Auf der Startinsel wachsen allerdings nur Himbeeren und Baumwolle. Für mehr Vielfalt unter den Feldfrüchten müssen wir auf andere Inseln reisen, um dort zunächst die Wildsamen einzusammeln.

Für einen Großteil des Spiels erhalten wir pro Pflanze auch nur einen Samen, sodass unser Anbau begrenzt ist. Erst im Lategame, nachdem wir schon fast alles freigeschaltet haben, können wir am Forschungstisch die Samengewinnung erforschen, um weiteres Saatgut herzustellen. Diese Möglichkeit steht unserer Meinung nach etwas zu spät zur Verfügung.

Ansonsten läuft der Nahrungsanbau aber problemlos und wie gewohnt: Ackerfläche anlegen, Samen aussäen, regelmäßig bewässern und irgendwann ernten. Doch keine Sorge: Wird eine Pflanze nicht regelmäßig gegossen, vertrocknet sie nicht. Die Aussaat wächst einfach so lange nicht weiter, bis wieder ausreichend Wasser auf dem Feld landet.

Beete mit Gemüse und Baumwolle, die von Sprinklern bewässert werden. Die Sprinkler werden von Solarpanels betrieben. Quelle: PC Games Dank der Sprinkler haben wir kaum noch Arbeit mit den bestellten Feldern. Nur die starken Blitze können unter Umständen unsere Pflanzen zerstören. Doch auch hier erhalten wir den Samen zurück und pflanzen ihn einfach aufs Neue. Wirklich Sorge, dass wir nicht ausreichend Nahrung anbauen können, hatten wir demnach nie. Ob man das nun als besonders entspannend oder als wenig anspruchsvoll empfindet, ist jedem selbst überlassen.

Auch die Tierhaltung läuft friedlich und ohne Ausbeutung oder Schlachtungen. Auf der Startinsel befindet sich bereits ein Huhn, das nur auf einen passenden Hühnerstall wartet. Sobald Stall und Futtertrog freigeschaltet, hergestellt und platziert sind, hält sich das Tier immer in der Nähe seines Futters auf. Zumindest in der Theorie.

Denn unser Huhn hat sich schon vor dem Aufstellen eines Stalls an einer Felskante festgebuggt, die es auch durch Umbenennung und Neustarts partout nicht mehr verlassen konnte. Und das blieb kein Einzelfall. Sobald wir den Tiertransport erforscht hatten, konnten wir Tiere, die sich auf anderen Inseln befanden, auf unsere Heimatinsel ausfliegen.

Zwei Schweine und ein Huhn bewegen sich frei über eine Wiese. Im Hintergrund sieht man Hühnerställe und einen Wassertrog. Quelle: PC Games Unsere Hoftiere bewegen sich frei über die Insel, halten sich aber immer in der Nähe ihres Futters auf - sofern sie nicht verbuggt sind. Das Ausfliegen selbst klappte sowohl bei Hühnern als auch bei Schweinen ohne Probleme. Allerdings hat sich erneut eines der Hühner festgebuggt. Diesmal auf der Veranda unseres Hauses. Auch hier blieb uns, nach mehreren fehlgeschlagenen Versuchen, den Fehler zu fixen, nichts anderes übrig, als damit zu leben.

Natürlich hat sich die Bewegungsunfähigkeit der Tiere auf deren Wohlbefinden ausgewirkt, immerhin kamen sie ja nicht mehr zum Futter. Daran sind sie zwar nicht gestorben, allerdings bekommen wir von unglücklichen Tieren keine Ressourcen oder Nachwuchs.

Die Schweine waren zum Glück weniger Bug-anfällig, sodass wir das Nachwuchssystem testen und tatsächlich nach wenigen Tagen ein kleines Ferkel zu unserer Tierfamilie zählen konnten. Und das hat sich direkt am nahegelegenen Felsen festgebuggt. Insgesamt fehlt es der Tierhaltung also eindeutig noch an Feinschliff.

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