Ein von Sandstürmen zerstörtes Dubai, ein auf sich alleine gestelltes Squad und eine Situation die mehr als unklar ist sind die Voraussetzungen für Yagers Spec Ops: The Line. Wir haben uns in den Sand geschlagen und getestet, was der Military-Shooter aus Berlin zu bieten hat.
Man verrät kein Geheimnis mehr, wenn man sagt, dass man in Spec Ops: The Line zwar ein amerikanisches Squad spielt, dabei aber den ansonsten üblichen Hurra-Patriotismus unserer US-Freunde nicht finden wird. Ganz im Gegenteil zeichnet der Mililtary-Shooter ein eher düsteres Bild, was man schon im Hauptmenü vermuten kann, wo uns eine zerfetzte und auf dem Kopf stehende USA-Flagge im Wüstensand entgegenweht und auch die gespielte amerikanische Hymne irgendwie gar nicht hübsch klingen will. Starten wir sodann das Spiel, schwenkt die Kamera übergangslos zu unserem Alter-Ego, ein gelungener Effekt. Später dann ändert sich auch das Hauptmenü, je nachdem wie weit wir schon fortgeschritten sind.
Handwerklich ganz sauber werden die ersten Meter in der Wüste dafür benutzt uns die grundlegende Steuerung beizubringen. Sofort checken wir, wie wir sprinten, in die Knie gehen oder Deckung suchen. Sehr praktisch dabei, dass wir Hindernisse auch aus der Deckung heraus überspringen können. Sogar an das blinde Feuern über eine Deckung hinweg haben die Entwickler gedacht, einzig sich flach auf den Boden zu werfen ist nicht möglich, wir können maximal in die Hocke gehen.
Quelle: 2K Games
Spec Ops: The Line (3)
So geschult geht es dann auch gleich zur Sache, der erste Schusswechsel lässt nicht lange auf sich warten, der genutzt wird um uns das rudimentäre Befehlssystem von Spec Ops: The Line zu demonstrieren. Direkte Befehle zu geben ist nicht möglich, aber wir können unserem Squad ein bestimmtes Ziel zuweisen, auf dass sie dann ihr Feuer konzentrieren. In bestimmten Situationen wird das auch vom Spiel gefordert, um zum Beispiel mehrere Gegner auf einen Schlag auszuschalten um deren Gegenwehr zu unterbinden. Generell muss man sagen, dass das Squad recht eigenständig agiert. Es weiß immer wo es lang geht, funktioniert so also auch als Wegweiser, geht von alleine in Deckung oder gibt uns Feuerschutz und läuft uns nur selten direkt in die Schussbahn. Trotzdem aber bleibt die eigentliche "Arbeit" am Spieler selbst hängen, nicht selten geht es einfach nicht weiter, wenn nicht wir selbst das entscheidende Ereignis auslösen, einfach nur hinter den Teammates her trotten ist also nicht drin.
Das gilt ganz besonders für die Sequenzen, in denen die spektakuläre Sandmechanik des Games zum Einsatz kommt. An bestimmten Stellen gilt es meist irgendwelche Mauern oder Fensterfronten zu zerstören, damit gewaltige Sandmassen in die Gebäude eindringen können. Das sieht meist wirklich gut aus und ist toll inszeniert, wiederholt sich aber immer nach demselben Prinzip und ist auch streng gescripted. Wenn wir also darauf hingewiesen werden, etwas bestimmtes zu zerstören, kann man davon ausgehen, dass permanent neue Gegner nach strömen werden und wir so lange festgenagelt bleiben, bis wir der Anweisung folge geleistet haben.
Quelle: 2K Games
Spec Ops: The Line (6)
Generell muss man Spec Ops: The Line strenge Schlauchlevel attestieren, auch wenn sich die Designer Mühe gaben das zu verschleiern. Trotzdem gibt es grundsätzlich immer nur einen gangbaren Weg, Abweichungen davon sind nicht möglich. Auch ist immer sofort ersichtlich, wenn wir irgendwelche Vorsprünge hinabspringen oder uns abseilen müssen, dass dies nur deswegen geschieht, damit man an dieser Stelle nicht mehr zurückgehen kann. Das wirkt aber trotzdem nicht so gezwungen wie es sich anhört, denn die Level-Designer haben ganz Arbeit geleistet, all das so natürlich wie möglich aussehen zu lassen.
Ebenfalls sehr gelungen ist das Spiel mit der Tiefenunschärfe, welche den Titel recht natürlich wirken lässt. Bewegen wir uns normal durch die Gegend, wird alles unschärfer, je weiter es weg ist. Nehmen wir aber Ziel auf oder benutzen eine Optik, fokussiert sich die Schärfe auf das angepeilte Objekt. Das ist jetzt nicht revolutionär, wurde trotzdem wirklich gelungen umgesetzt. Ebenfalls sehr gelungen ist die Soundkulisse, allen voran der Einsatz der Musik im Spiel, was mich immer wieder an Apokalypse Now erinnerte, wenn man unter den Klängen amerikanischer Rockmusik die Waffen sprechen ließ.
