Content-Fatigue: Warum sich manche Spiele wie Arbeit anfühlen

Special Manuel Zippl Tobias Meyer
Assassin’s Creed Odyssey gilt als erschöpfender Zeitfresser, da einige Hauptquests an ein Mindestlevel gebunden sind, das man durch das Erledigen der vorherigen Hauptquests allein nicht erhält.
Quelle: Ubisoft

Viele Spiele fühlen sich heute mehr nach Arbeit als nach Freizeit an. Warum Gaming immer öfter ermüdet, welche Designfehler dahinterstecken und was Entwickler und Spieler dagegen tun können.

Manche mögen es vielleicht nicht glauben, aber die allermeisten Gamer kennen tatsächlich ein Leben außerhalb der Konsolen und Computer. Wir gehen raus, machen Sport, studieren oder haben andere Verpflichtungen. Gaming ist für viele eben "nur" ein Hobby von mehreren. Angesichts dessen, dass die allermeisten Menschen darüber hinaus noch durch Studium oder Beruf eingespannt sind, wird schnell deutlich: Freizeit ist ein knappes Gut, das mit Bedacht verbraucht werden will.

Far Cry 6 steht als eines von diversen Ubisoft-Spielen wegen vielen sich ähnelnden Aufgaben in der Kritik. Quelle: Ubisoft Far Cry 6 steht als eines von diversen Ubisoft-Spielen wegen vielen sich ähnelnden Aufgaben in der Kritik.

Mehr Spielzeit - Fluch oder Segen?

Deshalb erwarten Spieler, dass ihre Games diese Kostbarkeit respektieren. Inwieweit die Gaming-Industrie das nach aktuellem Stand tut, ist allerdings ein komplexes Thema.

Wie in einem früheren Artikel bereits festgestellt, tendieren Spiele seit geraumer Zeit dazu, länger zu werden und damit immer mehr Freizeit der Konsumenten zu fordern. In vielen erfolgreichen und bekannten Spielen unserer Zeit kann man teilweise weit über 100 Stunden Spielzeit stecken. Persona 5, Baldur's Gate 3, Horizon Forbidden West, The Witcher 3 oder Assassin's Creed Odyssey sind nur einige Beispiele dieser Zeitfresser.

Dass sich die Länge dieser Spiele nicht negativ auf ihre Qualität auswirken muss, zeigen die Verkaufszahlen und die guten Bewertungen einiger der gerade genannten Spiele allemal - immerhin haben mehrere von ihnen einen Score von über 90 bei Metacritic. Aber auf die Länge kommt es eben nicht an: Während Portal den Spieler schon nach kurzer Zeit zum Abspann führt, kann auch ein gigantisches Abenteuer wie Baldur's Gate 3 zum Spiel des Jahres gekürt werden.

Der entscheidende Faktor ist, wie die Spielzeit eines Titels gefüllt wird, womit wir wieder beim Thema der kostbaren Freizeit sind.

Unvollkommene und unerfüllte Gaming-Erfahrungen führen zur Erschöpfung und schließlich zu Desinteresse an einem Spiel. Quelle: Pexels Unvollkommene und unerfüllte Gaming-Erfahrungen führen zur Erschöpfung und schließlich zu Desinteresse an einem Spiel. Hier findet sich ein häufig diskutiertes und kritisiertes Phänomen in der aktuellen Gaming-Industrie: die sogenannte "Content-Fatigue". Worum es sich dabei genau handelt, was der Grund für ihre Existenz ist und wo sie besonders häufig auftritt, werden wir uns im Folgenden genauer ansehen.

Was ist "Content-Fatigue"?

Um das Phänomen der Content-Fatigue analysieren und diskutieren zu können, ist zunächst einmal ein genaues Verständnis dieses Begriffs essenziell.

Der englische Begriff "fatigue" lässt sich mit "Erschöpfung" oder "Ermüdung" übersetzen - also ein Zustand, der aus Überanstrengung resultiert. Im Gaming-Kontext beschreibt er daher die "Erschöpfung", die sich aus unvollkommenen und unerfüllten Gaming-Erfahrungen ergibt und sich hauptsächlich in Form von Langeweile zeigt. Diese entsteht etwa aus monotonen, repetitiven oder nicht spaßigen Elementen der Spiele und führt mit der Zeit zu Desinteresse.

Content-Fatigue ist folglich ein häufiger Grund, warum Spiele links liegen gelassen werden. Um es mit den anfänglichen Worten zu sagen: Man hat das Gefühl, das Spiel respektiere die Kostbarkeit der eigenen Zeit nicht. Es geht hier also nicht darum, Spiele nach ihrer Länge zu bewerten, sondern um die Frage, warum bestimmte Spiele als demotivierend oder langweilig empfunden werden.

  1. Seite 1 Seite 1: Einstieg & Begriffsklärung
  2. Seite 2 Seite 2: Wie kommt es zur Content-Fatigue
  3. Seite 3 Seite 3: Wenn Open Worlds gesund sind - Design, Freiheit, Flow
  4. Seite 4 Seite 4: Jenseits der Open Worlds - Genres, Grind & Wiederholung
  5. Seite 5 Seite 5: Ursachen, Gegenmittel & Fazit - Wege aus der Müdigkeit
  6. Seite 6 Seite 6: Die Zukunft der Freizeit - Wie gegen Content-Fatigue vorgegangen wird
  7. Seite 7 Seite 7: Die Lösung gegen Content-Fatigue
  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 07/2026 play5 07/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk