STALKER: Clear Sky im Gamezone-Test

Test Sandro Odak

Obwohl in Clear Sky wirklich einiges an Potential schlummert, schreckt der unfertige Zustand des Spiels ein wenig ab.

Als hätte man aus S.T.A.L.K.E.R. seinerzeit nicht gelernt, dass es sich durchaus lohnen kann mit der Entwicklung eines Spieles so lange zu warten, bis das fertige Produkt auch wirklich als fertig zu betrachten ist. Das hat man bei S.T.A.L.K.E.R. Clear Sky, welches die Geschichte vor den Geschehnissen aus "Shadow of Tschernobyl" erzählt, wohl leider vergessen und warf, wie es heute wohl Gang und Gebe in der Industrie ist, ein vollkommen unfertiges Produkt auf den Markt. Schon am Tag des Release stand daher ein Patch, der mit 55,5MB schon recht groß ausfiel, zur Verfügung, der zumindest die schlimmsten Fehler ausbügeln sollte. Doch weit gefehlt: Immer noch gab es schwere Abstürze, Bugs, nicht komplettierbare Quests und allerhand Fehler, die durchgehenden Spielspaß fast unmöglich machten. Nur wenige Tage nach dem Release veröffentlichte man daher den zweiten Patch, der das Programm auf Version 1.5.0.4. aktualisiert. Weitere 55 MB sind notwendig, um das Spiel halbwegs spielbar zu gestalten und auf einigen Rechnern erstmals zum Laufen zu bringen. Wir testeten S.T.A.L.K.E.R. daher auf eben dieser Version und verzichten ganz bewusst auf eine Bewertung der Verkaufsfassung, die gelinde gesagt katastrophal ausfallen würde. Übrigens: Ein dritter Patch ist mittlerweile auch schon da. Und zum nächsten ist es sicher nicht mehr weit...

Um vorweg noch auf unsere Testversion 1.5.0.4. einzugehen möchten wir erwähnen, dass Spielstände von vorigen Versionen, egal ob und wie weit man schon in der Welt von Clear Sky vordringen konnte, nicht kompatibel mit dem Patch sind. Auch wir mussten nach der Installation des zweiten Verbesserungsprogramms das Spiel komplett von vorn beginnen, was uns gelinde gesagt auch ein wenig verärgerte.

Willkommen in der Zone

STALKER: Clear Sky STALKER: Clear Sky Wir schreiben das Jahr 2011. Eine Gruppe von Stalkern und Wissenschaftlern dringt erstmals in das Zentrum Tschernobyls vor. Dieser Vorstoß führt jedoch zu einer massiven Emission in der Zone und verändert alles: Riesige Wellen von anomalen Energien fegen über das Sperrgebiet rund um den zerstörten Reaktor hinweg und verändern dieses für immer. Ganze Gebiete verschwinden in tödlichen Anomalien, manche sind erstmals wieder betretbar und wiederum andere Bereiche werden komplett eingeschlossen, sodass ein Kampf ums Überleben in der Zone beginnt. Unser Charakter war Teil einer Erkundungsmission in der Zone und fiel mit seinem Team einer Emission zum Opfer. Als einziger Überlebender wacht er in der Clear Sky-Basis, wohl behütet und gepflegt von deren Einwohnern, wieder auf, nur um wenig später ein weiteres Mal Opfer einer Emission zu werden. Doch das Glück bleibt einem treu, ein weiteres mal überlebt unser Stalker als einziger die Strahlen-Anomalie, weswegen schon bald Mutmaßungen über uns und die damit einhergehenden Abwehrmaßnahmen gegen die Emissionen getroffen werden. Wieso man gegen die Emissionen einigermaßen immun ist, gilt es fortan für uns rauszufinden.

STALKER: Clear Sky STALKER: Clear Sky Mit wem wir dabei zusammenarbeiteten, bleibt wie im Vorgänger uns überlassen. Anfangs scheint es am klügsten zu sein, sich der Clear Sky Fraktion anzuschließen und für die Retter in der Not Aufträge abzuschließen. Diese kriegt man entweder direkt von Quest-Gebern aus Gesprächen, oder aber als Notruf auf dem PDA angezeigt. Dabei senden umliegende Fraktionsmitglieder Hilferufe ab, wenn sie in Gefechte verwickelt werden und hoffen auf unsere Hilfe. Je nach Bedrohungslage sind sie danach sehr ergiebig was Belohnungen angeht, weiterhin verbessert sich auch der Ruf und die Beziehung zur geschützten Fraktion. Hinterlistige Spieler können hier aber auch mit den Feinden anbandeln und den eigenen Leuten in den Rücken fallen, wobei selbstredend der Ruf bei der anderen Fraktion wächst. Wem man sich im weiteren Verlauf anschließt, kann so ein jeder selbst entscheiden. Während dieses System interessant und toll klingt, hapert es wie so häufig an einer akkuraten Umsetzung: Vor allem die Hilfe- und Notrufe sind meist derart kurz terminiert, dass man kaum Zeit hat um zu den Hilfesuchenden vorzudringen. Dies wertet das Spiel am Ende womöglich als unterlassene Hilfeleistung, weswegen der Ruf bei einer Fraktion teils rapide sinken kann, obwohl man gar nicht damit rechnet.

STALKER: Clear Sky STALKER: Clear Sky Misslungen ist an diesem Part des Spieles eigentlich nur eines: Die Umsetzung. Hätte man Clear Sky noch ein oder zwei Monate QA und Beta-Phase gegeben, würde sich uns hier sicherlich ein einzigartiger Shooter präsentieren, der nicht nur durch seine dichte Atmosphäre sondern auch durch tolle KI, ein schönes Questsystem und eine repräsentative Umwelt überzeugen könnte. Leider ist dem nicht so, Quest sind nicht vollendbar, Questgegner oder -geber sind wie vom Erdboden verschluckt und auch die Richtungspfeile stimmen irgendwie nicht immer. Die KI: Ein Graus! Während an der einen Stelle massig Feinde auf einen zurennen ohne zu schießen und sich dumm wie Stroh reihenweise von der Schrotflinte umnieten lassen, ohne darauf zu reagieren, überraschen sie an anderer Stellen jedoch mit überlegener Zielgenauigkeit. So kommt es zu Situationen, in denen uns die computergesteuerten und weniger freundlich gesinnten Stalker auf eine Entfernung hinweg mit ein oder zwei Schüssen niederstrecken, auf die wir selbst nicht mal ein Haus, geschweige den Körperteile treffen würden. Und das ganze auch noch in dunkelster Nacht und trotz Büschen und weiterem Sichtschutz im Weg... Loot-Menüs sowie das eigene Inventar wirken auch noch nicht zur Gänze finalisiert, wie oben erwähnt hätte ein wenig mehr Zeit von Seiten der Entwicklung her wirklich einiges bewirken können.

PDA an und los geht's!

STALKER: Clear Sky STALKER: Clear Sky Erfreulich offen gestaltet zeigt sich die Umwelt von Clear Sky. Wie bereits im Vorgänger, der geschichtlich eigentlich der Nachfolger ist, spielt sich das Geschehen in einer offenen Welt mit nur wenigen Grenzen ab. Als störend empfanden wir jedoch die offensichtlichen Levelbegrenzungen wie undurchdringbare Zäune oder nichterklimmbare Hügel, während andere davon eben doch überschreitbar sind. Zwischen zwei Gebieten wechseln kann man so nur an bestimmten Stellen, wobei hier ein Ladebildschirm erscheint und somit die dichte "Eine-Welt-Atmosphäre" zerstört. Erkunden können wir die Zone jedoch vollkommen selbst, Missionen antreten oder mit Fraktionen verbünden müssen wir nur dann, wenn wir auch wirklich interessiert am Story-Fortgang sind. Ansonsten bietet uns der Titel allerhand Action und eine Art Rollenspielsystem, mit dessen Hilfe man die Ausrüstung seines Charakters immer weiter aufzuwerten hat. Geleitet wird man dabei von einem PDA-System, dass uns neben einer Karte der Umgebung und allen Quest-Daten, auch unsere Beziehungen zu den unterschiedlichen Fraktionen aufzeigt. Leicht fällt es so, bei einem einkommenden Hilferuf zu entscheiden, ob die Fraktion ohne uns auskommt, oder ob der Weg sich lohnen kann.

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