Fast bis zur Perfektion geschliffen, offeriert uns Blizzard mit diesem Titel den neuen Genre-König in Sachen RTS.
Der Kampf beginnt
Quelle: Blizzard
Starcraft 2: Wings of Liberty
Hat man das kurze und recht triviale Tutorial hinter sich gelassen, darf man sofort in die erste Missionen starten. Hier bewegt man sich mit einer Gruppe von Space-Marine durch eine Kolonie und kämpft gegen die Terranische Liga. Schnell ist ersichtlich, dass Blizzard Entertainment im Vergleich zum 12 Jahre alten Vorgänger nicht zu viel geändert hat. Das übersichtliche Interface hat sich kaum gewandelt und bietet neben den animierten Einheiten-Portraits, die immer wieder für einen witzigen Spruch zu haben sind, auf der rechten Seite die einzelnen Befehle und Spezialaktionen sowie auf der linken Seite die Übersichtskarte an. In der Mitte werden die ausgewählten Einheiten angezeigt. Im späteren Verlauf wird der erste Eindruck bestärkt, da sich am Kerngameplay kaum etwas getan hat. Zwar sind einige Einheiten weggefallen, andere sind währenddessen dazu gekommen und einiges an bekanntem Kampfgerät wurde ebenfalls im Detail verändert, Spieler des ersten StarCraft fühlen sich dennoch von der ersten Sekunden an heimisch.
Starcraft 2: Wings of Liberty
In mindestens 80 Prozent der Missionen muss man eine Basis hochziehen, was auf die bekannte Art geschieht. Um Gebäude, Verteidigungsanlagen und Armeen zu bauen, benötigen wir Kristalle und Vespin-Gas. Beide Ressourcen werden von den WBFs abgebaut und in die Kommandozentrale gebracht. Die WBFs sind auch dafür zuständig, dass Gebäude errichtet und Einheiten repariert werden. Wie immer setzt man Marines in Bunker, Belagerungspanzer greifen Feinde bereits auf die Entfernung an, während Flugabwehrtürme den Rest erledigen. Die Terraner sind Meister der Basisverteidigung. Da man zu Beginn einer Mission fast immer einige Strukturen zur Verfügung hat, fällt der Basisaufbau zum Glück nicht all zu langwierig aus. Zudem können alle wichtigen Gebäude abheben und an anderer Position wieder landen. Dies ist nötig, wenn am aktuellen Standort die Ressourcen verbraucht sind. Freunde der terranischen Kriegsführung erwarten viele alte und neue Einheiten, die zu Luft und zu Boden gegen den Feind angehen. Da gibt es zum Beispiel einen schicken Mech, der sich blitzschnell in einen Kampfjet verwandelt und auf diese Weise auch Lufteinheiten angreifen kann. Der Goliath ist ein bekannter Kampfwalker, der sich Angriffen aus der Luft und dem Boden erwehren kann. Ansonsten darf man sich noch auf flinke Raumgleiter, die mächtigen Kreuzer, Marines in gepanzerter Kampfanzügen mit Flammenwerfern oder den mächtigen Thor freuen, der am Boden wirklich alles und jeden in Schutt und Asche legt.
Starcraft 2: Wings of Liberty
Doof: Die Größenverhältnisse sind mal wieder katastrophal, aber daran hat man sich bei Blizzard schon längst gewöhnt. Wenn ein angeblich riesiges Mutterschiff der Protoss in etwas so groß ist wie zwei Belagerungspanzer, untertreibt da jemand gewaltig. Aber weiter im Programm: Jede Einheit hat natürlich ihre Stärken und Schwächen und sollte nie alleine unterwegs sein. Ein guter Mix ist wichtig, da die Entwickler ohnehin sehr großen Wert auf das Balancing gelegt haben. In den ersten beiden der vier Schwierigkeitsgrade klappt der Tank-Rush noch prima, da man den Feind mit riesigen Armeen komplett überrennen kann. In den schweren Stufen lässt sich das nicht so einfach bewerkstelligen. Man bekommt es mit größeren Armeen zu tun, die ihre Spezialfähigkeiten gekonnt einsetzen. Dennoch zeigt sich die KI leicht berechenbar und greift oft auf ähnliche Weise an, obwohl man das eine oder andere Mal auch gerne überrumpelt wird. Um eine möglichst große Truppe auf die Beine zu stellen, müssen die Terraner so genannte Depots bauen, die das Einheitenlimit erhöhen. Irgendwann ist der ganze Stützpunkt mit den Teilen vollgeballert, Platzmangel macht sich breit. Um die Armee auf dem Schlachtfeld zusätzlich zu unterstützen, können in entsprechenden Gebäuden bessere Panzerungen oder Waffen erforscht werden, die allerdings nur während dieser einen Mission Bestand haben, ganz im Gegensatz zu den Upgrades, die dauerhaft auf der Hyperion durchgeführt werden.
Abwechslung satt
Starcraft 2: Wings of Liberty
Auch wenn sich das Gameplay kaum verändert hat, was im Grunde nicht schlimm ist, schließlich funktioniert es ja wunderbar, hat sich Blizzard Entertainment beim Missionsdesign extrem viel Mühe gegeben. Wenn man sich so die Konkurrenz anschaut, läuft das Geschehen immer nach dem gleichen Prinzip ab: Basisverteidigung aufziehen, Armee ausheben und mit dieser dann den Feind besiegen und gleichzeitig irgendwie das Missionsziel erfüllen. Das geschieht in StarCraft 2 so gesehen nicht unbedingt anders, doch Blizzard stellt uns vor immer wieder neue und abwechslungsreiche Ziele, die ein schnelles und überlegtes Handeln mit bestimmten Einheiten voraussetzen. Oft sind Missionen für einen bestimmten Typ von Kriegsspielzeug prädestiniert. Zudem wird man immer wieder vor Zeitlimits gestellt, die es nicht erlauben, in aller Ruhe einen Stützpunkt zu errichten. So muss man beispielsweise vor einer herannahenden Feuerwand entkommen und die Basis immer wieder verlegen. An anderer Stelle müssen wir verhindern, dass Kerrigan, die sich langsam durch die Karte arbeitet, zu bestimmten Gebäuden gelangt, bevor wir sie selbst zerstören. Einige Missionen vorher muss man als fähiger Commander mehr Ressourcen sammeln als die gegnerische KI oder Züge überfallen. Dies funktioniert natürlich in beiden Fällen nicht, wenn man dicke Verteidigungsanlagen und große Armeen baut, die zu viel kosten. Kleine Sabotageangriffe mit kostengünstigen Einheiten führen hier eher zum Erfolg.
Starcraft 2: Wings of Liberty
Und es geht weiter, denn Zombieplagen gibt es auch. Während einer Mission müssen wir uns nachts vor wahren Mutantenhorden in unserer Basis verschanzen, während am Tag die infizierten Gebäude zerstört werden, da der mutierte Abschaum von der Sonne verbrannt wird und sich deswegen unter die Erde zurückzieht. Ich könnte noch weitere Beispiele nennen, doch was ich eigentlich damit sagen will, ist, dass sich keine Mission wie die andere spielt, und genau das befördert StarCraft 2 zur Genrespitze. Blizzard hat es geschafft, die Missionen einzigartig zu gestalten, während man von geskripteten Ereignissen immer wieder auf Trab gehalten wird. OK, ich muss zugeben, das Blizzard Entertainment einige Ideen und Einsatzziele aus dem Vorgänger in abgewandelter Form ein wenig übernommen hat, doch das tut der Abwechslung keinen Abbruch. Unterstützt wird dies natürlich auch von den vielfältigen Einheitentypen. Während man bei der Konkurrenz meist mit zwei oder drei verschiedenen Panzer- oder Flugzeug-Arten in den Kampf zieht, weil sie schlicht am stärksten sind, macht bei StarCraft 2 unter gegebenen Umständen jede Einheit einen Sinn. Die Aufträge fesseln, auch wenn das ganz große taktische Vorgehen nicht gefragt ist. Bei all der Perfektion von Blizzard fallen dann doch kleinere Wegfindungsprobleme auf, die jedoch kaum der Rede wert sind. Etwas ernster ist da schon der Umstand, dass es keine Formationsbefehle gibt und schnellere Einheiten nicht das Tempo der langsameren Truppen gehen. So ist es zum Beispiel sehr schwierig, die Medivacs oder MBFs hinter der Armee zu halten.
