Sunderfolk: Ehemalige Blizzard-Mitarbeiter bringen gemütliches Tabletop-Feeling auf den digitalen Tisch

Special Marlin Nixdorf Stefan Wilhelm
Sunderfolk: Ehemalige Blizzard-Mitarbeiter bringen gemütliches Tabletop-Feeling auf den digitalen Tisch
Quelle: Secret Door

Würfel und Charakterbögen sind von gestern - mit Sunderfolk überholen Secret Door das etablierte Rezept für Tabletop-Rollenspiele. Doch ist dieses Wagnis der Firma unter Ex-Blizzard-CEO Michael Morhaime ein Satz nach vorn?

Eine Runde in einem Tabletop-Rollenspiel auf die Beine zu stellen, ist gar nicht so einfach. Neben dem Spiel, seinem Regelwerk und etwaiger Bastelarbeit muss man sich schließlich auch noch damit auseinandersetzen, willige Mitspieler im heimischen Hobbyraum zu versammeln. Hier will Sunderfolk eingreifen: Es soll den Spaß einer Tabletop-Session bieten, aber ohne den ganzen Orga-Aufwand!

Gedacht als Couch-Koop-Erlebnis verzichtet Sunderfolk (jetzt kaufen 22,85 € ) auf die meisten physischen Komponenten, nicht aber auf das persönliche Zusammentreffen. Wir durften die Alpha-Version schon anspielen und liefern euch hier unsere Eindrücke daraus.

Tag der offenen Secret Door

Secret Door? Ihr habt vermutlich noch nie was davon gehört! Zumindest noch nichts großes, denn Sunderfolk ist der erste Titel des Studios nach seiner Gründung.

Secret Door ist eines der zwei Game-Studios unter der Firma Dreamhaven, die Blizzard-Mitgründer Michael Morhaime aus dem Boden stampfte, nachdem er seine Position als CEO von Activision Blizzard 2018 verlassen hatte.

Das Studio erblickte 2020 das Licht der Welt und hatte direkt zu Beginn mit der Pandemie zu kämpfen. Doch nach kurzer Akklimatisierung nahm das Team aus rund 20 Angestellten seine neugewonnene Freiheit in die Hand und setzte sich wortwörtlich an den Tisch.

Chris Sigaty & Erin Marek von Secret Door. Quelle: Secret Door Chris Sigaty, Studio Head von Secret Door, erklärte das Konzept des jungen Studios als Carte Blanche (zu dt. "Blankoscheck"), also im übertragenen Sinne eine freie Verfügung über die Ressourcen des Studios. "We had total freedom to do whatever we wanted, so we had to ask ourselves: What did we want to do?"

Während Morhaimes anderes Studio, Moonshot Games, sich auf Triple-A-Produktionen und den wenig risikofreudigen Mainstream-Markt konzentrieren möchte, hat Secret Door die Möglichkeit, sich weitgehend frei und unkonventionell zu entfalten. Unter diesem Modus Operandi ist es dann auch wenig verwunderlich, dass sie mit ihrem ersten Titel gleich ihre Kerbe in eine wenig ausgetretene Ecke des Gaming-Marktes treiben möchten.

Tabletop im digitalen Gewand

Die Idee von Sunderfolk ist recht einfach erklärt: Ein Tabletop-Rollenspiel soll digital nutzbar werden. Das Gefühl von Einheit, wenn man zusammen an einem Tisch sitzt, wird in Form des Couch-Koop hervorgehoben. Secret Door möchten alte Tabletop-Hasen und neue Spieler zusammenbringen, und die Liebe für Koop-Rollenspiele anstacheln. Dafür muss das Studio sich den bekannten Schwächen der Tabletops annehmen:

Die meisten Anhänger von Titeln wie Dungeons & Dragons oder Das schwarze Auge, das speziell im deutschen Sprachraum beliebt ist, werden sich an ihre Anfänge mit einer zwiegespaltenen Nostalgie erinnern. Zum einen lockt uns das Versprechen eines Abenteuers, in dem wir selbst die Handlung mitbestimmen können, zum anderen schreckt die umfassende Vorarbeit, die wir für die meisten Rollenspiele leisten müssen, doch etwas ab. Gerade für Titel, die auf mehrere Sitzungen ausgelegt sind, muss sich nicht nur der Dungeon Master oder Spielleiter in die vorbeschriebene Welt einlesen.

Die Kampfsysteme sind oft komplexe, ineinander verschlungene Netze aus Aktionen, Reaktionen und Nebeneffekten, die uns erst dann Spaß machen, wenn wir auch verstehen, was wir tun können. Für viele von uns wiegt der anfängliche Zeitaufwand nicht den folgenden Spielspaß auf, auch wenn wir von Rollenspielen an sich angetan sind.

Ein Tabletop-Setup. Quelle: buffed / Carmen Schatz Das nächste Hindernis ist ein rein physikalisches: Haben wir uns für ein Tabletop-Spiel entschieden und das anhängende Preisschild geschluckt, müssen wir uns mit dem Setup vieler, kleiner Teilchen herumschlagen, die beim Zusammenstecken schon so manche vulgäre Wortneuschöpfung zu verantworten haben. Die unbezahlte Bastelstunde verlangt uns sowohl handwerkliches Geschick, als auch Zeit ab, die viele von uns nicht aufbringen können oder wollen.

Außerdem scheitert die Zusammenkunft oft an unseren vollen und selten synchronen Terminkalendern. Viele TTRPGs leiden, wenn nicht alle Teammitglieder mitspielen können, an zu schweren Bossen oder beinahe unmöglich zu lösenden Rätseln. Online-Sitzungen sind zwar inzwischen, gerade vor dem Hintergrund der Pandemie-Zeit, durch Tools wie Play Role bequem zu organisieren geworden, aber die kleinen Fenster auf dem Bildschirm verblassen einfach im Kontrast zu dem Gefühl, das nur aufkommt, wenn man den Mitspielern beim Streiten ins Gesicht sehen kann.

Um alles nochmal kurz zusammenzufassen: Secret Door hat es sich zum Ziel gesetzt, die Lernkurve beim Einstieg etwas abzuschleifen, das aufwendige Setup und die Zugänglichkeit von Tabletop-RPGs zu verbessern, und so die Hemmschwelle, die viele Interessierte noch vom Spielen abhält, zu senken.

  1. Seite 1 Sunderfolk: Das Revival des Tabletops
  2. Seite 2 Sunderfolk: Die Sunderlands und ihre Bewohner
  3. Seite 3 Sunderfolk: Diplomatie auf und vor dem Bildschirm
  4. Seite 4 Sunderfolk: Zieh' eine Karte
  5. Seite 5 Sunderfolk: Tabletop mit Smartphones, kann das gut gehen?
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