25 Jahre The Elder Scrolls: Die Geschichte einer hochklassigen Rollenspielreihe [Archiv]

Special Benedikt Plass-Fleßenkämper Maria Beyer-Fistrich
25 Jahre The Elder Scrolls: Die Geschichte einer hochklassigen Rollenspielreihe
Quelle: PC Games

Egal, ob Ultima, Final Fantasy oder Mass Effect: Große Rollenspielreihen sind bei Spielern wie Kritikern oft von Anfang an beliebt. Bethesda Softworks The Elder Scrolls hat einen ungleich steinigeren Weg hinter sich und musste einige Anlaufschwierigkeiten meistern, bis es zum Synonym für hochklassige Rollenspielkost wurde. Umso spannender fällt unser Überblick aus, den wir passend zum 25. Geburtstag der Fantasy-Saga liefern.

Anmerkung: Passend zum elften Geburtstag von The Elder Scrolls 5: Skyrim haben wir den Artikel für euch aus dem Archiv geholt. Werdet ihr euch mit der Skyrim Anniversary Edition erneut nach Himmelsrand begeben?

Wir schreiben das Jahr 1990: Bethesda Softworks, ein nahezu unbekanntes Entwicklerstudio aus Rockville im US-Bundesstaat Maryland, sichert sich die Lizenz zum Kinohit Terminator von 1984. Doch anstatt ein stupides Actionspiel zu programmieren, erschaffen die Kreativköpfe lieber ein virtuelles Abbild von Los Angeles, worin Spieler wahlweise der Geschichte des Films folgen oder die kalifornische Millionenmetropole erkunden. Damit ist The Terminator für MS-DOS-PCs eines der ersten dreidimensionalen Open-World-Spiele - und ein wichtiger Vorbote für The Elder Scrolls: Arena, das im März 1994 das Licht der Welt erblickt. Wobei Bethesda diesmal eine "mickrige" Stadt längst nicht reicht...

Arena: Ganz Tamriel auf acht Disketten

Die Rede ist von einem Fantasy-Rollenspiel mit einer acht Millionen Quadratkilometer großen Welt. Acht Millionen Quadratkilometer! Allein diese Zahl klingt unfassbar hoch. Arena beinhaltet bereits den kompletten Kontinent Tamriel, weshalb wir sowohl die Sommersend-Inseln, als auch das sumpfige The Elder Scrolls: Arena ist der älteste Teil der Serie. Die unterschiedlichen Wettereffekte versprühen einen unwiderstehlichen Retro-Charme. Quelle: PC Games The Elder Scrolls: Arena ist der älteste Teil der Serie. Die unterschiedlichen Wettereffekte versprühen einen unwiderstehlichen Retro-Charme. Gelände von Schwarzmarsch oder die Wüste von Hammerfall bereisen. Doch wie ist das möglich, wenn das Spiel eine Datenmenge von lediglich 29,4 Megabyte umfasst und auf acht 3,5-Zoll-Disketten passt? Ganz einfach: Praktisch nichts davon ist echt - und das meiste vom Computer berechnet. Die Welt von Arena besteht aus Hunderten von Städten, die sich allesamt ähneln und zwischen denen wir uns nur per Schnellreisefunktion bewegen dürfen. Zwar könnt ihr außerhalb der Stadtmauern frei durchs Feld laufen, kommt jedoch auf diese Weise nicht wirklich voran. Jahre Später haben diverse YouTuber jedenfalls versucht, zu Fuß von einer Stadt zur nächsten zu reisen - ohne Erfolg.

Die Geschichte von Arena ist ebenso wenig prickelnd: Der ruchlose Magier Jagar Tharn überwältigt Imperator Uriel Septim VII - im Intro übrigens fälschlicherweise als Uriel IV bezeichnet - und verbannt ihn in eine fremde Dimension, um selbst den Thron zu besteigen. Nebenbei tötet er die Magierin Ria Silmane, die dem Spieler fortan in seinen Träumen begegnet und ihn spontan zum Retter des Königreichs ernennt. Leider befindet ihr euch zunächst im Knast. Genauer gesagt: in einem labyrinthartigen Dungeon, in dem ihr Ratten, Diebe sowie Goblins schnetzelt. Schnell erlernt ihr das simple Kampfsystem, schwingt in Echtzeit euer Schwert per Mausbewegung und werdet mit etwas Pech von einem viel zu starken Zufallsgegner in Grund und Boden gestampft - woraufhin nur das Laden eines alten Spielstandes hilft. Während sich die meisten Teile der Rollenspielreihe auf ein bis zwei Gebiete beschränken, bereist ihr in Arena das gesamte Reich des Fantasy-Kontinents Tamriel. Quelle: PC Games Während sich die meisten Teile der Rollenspielreihe auf ein bis zwei Gebiete beschränken, bereist ihr in Arena das gesamte Reich des Fantasy-Kontinents Tamriel.

Sobald ihr den Ausgang findet, steht euch bereits die gesamte Welt von Arena offen. Nun habt ihr die Wahl: Wollt ihr die Teile eines mächtigen Zauberstabes suchen, um Tharn zu Fall zu bringen? Oder vertreibt ihr euch lieber die Zeit mit zufallsgenerierten Quests? Technisch tritt Arena in die Fußstapfen des legendären Ultima Underworld: The Stygian Abyss von 1992 und beeindruckt mit einer vollständig texturierten 3D-Welt. Deren Design erreicht jedoch bei weitem nicht den Detailgrad des Vorbilds und beschränkt sich auf quaderförmige Blöcke, die Gebäude, Wände oder Böden darstellen. Dafür klotzt Bethesda mit einem Tag-/Nachtzyklus und unterschiedlichen Jahreszeiten, was zumindest für grafische Abwechslung sorgt.

Unterm Strich ist Arena ein äußerst ambitioniertes Werk, das jedoch über die technischen Hardware-Limits sowie den Größenwahn seiner Macher stolpert. Warum mussten es gleich acht Millionen Quadratkilometer sein? Julian LeFay, seines Zeichens Projektleiter des Nachfolgers, stellt sich dieselbe Frage und begnügt sich für The Elder Scrolls 2: Daggerfall mit schlappen 161.600 Quadratkilometern - was immer noch einem Dreiviertel von ganz Großbritannien entspricht!

Daggerfall: Spielwiese für geduldige Rollenspiel-Cracks

Die beste Nachricht vorweg: In Daggerfall können wir tatsächlich zu Fuß von Stadt A nach Höhle B reisen. Freilich trickst Bethesda erneut und Die Höhlen von The Elder Scrolls 2: Daggerfall sind dreidimensional, worunter allerdings die Übersicht der hässlichen Automap leidet. Quelle: PC Games Die Höhlen von The Elder Scrolls 2: Daggerfall sind dreidimensional, worunter allerdings die Übersicht der hässlichen Automap leidet. generiert abermals einen Großteil der Landstriche per Algorithmen, weshalb sich große Teile der Welt gleichen. Die Programmierleistung verdient dennoch große Anerkennung, weil die Spielwelt von Daggerfall in puncto Größe bis heute (!) ungeschlagen ist.Ebenfalls positiv: Die noch recht frische XnGine-Engine stemmt bunte Polygone in allen Formen und lässt das langweilige Blockdesign des ersten Teils locker hinter sich. Somit haben Gebäude schiefe Dächer, die Höhlen bestehen aus mehreren Ebenen und Schlösser sind bereits von weitem als solche erkennbar.

Das äußerst vielschichte Charakter- und Klassensystem ist laut Fans gar das Beste der Serie. Ihr könnt nicht nur einen von 18 vorgefertigten Berufen wählen, sondern durch eine beliebige Kombination aller verfügbaren Fertigkeiten - vom simplen Laufen über geschicktes Stehlen bis hin zur Nutzung einer bestimmten Waffengattung - einen eigenen erstellen. Weil ihr die Fertigkeiten zum Aufleveln stetig anwenden müsst, beeinflusst eure Wahl direkt euer Spielverhalten. Das System erinnert entfernt an das umstrittene Final Fantasy 2, wo man ebenfalls seine Helden durch aktives Kämpfen, Zaubern oder Heilen trainiert. Allerdings ist die Umsetzung im Falle von Daggerfall deutlich durchdachter und motivierender.

Während euch Uriel Septim VII diesmal persönlich einige Aufträge erteilt und durch die Hauptstory schleust, erweisen sich die Questreihen der Fraktionen - darunter eine Kämpfergilde oder die Dunkle Bruderschaft - als gehaltvoller. Jede Fraktion beurteilt euch nach eurem Ruf, den ihr wiederum durch das Abschließen von Quests erhöht oder senkt - je nachdem, ob ihr Erfolg hattet oder nicht. Leider geht die enorme spielerische Vielfalt zu Lasten der Technik: Die Welt ist flächendeckend braun und langweilig; die kleinen Charakterbildchen, die bei Gesprächen eingeblendet werden, erinnern an Kindergarten-Zeichnungen. Die Handhabung des Inventars fällt zudem sehr unübersichtlich aus. Plus: Das ganze Programm strotzt nur so vor Bugs - egal, ob Gegner halb in der Wand stecken oder kaputte Speicherstände nicht mehr geladen werden können. Die Spielweltlogik ist ebenso voller Fehler: Seid ihr auf der Suche nach einer Person und befragt hierfür einen Stadtbewohner, dann schickt er euch gerne mal in das Gebäude, in dem ihr euch bereits befindet. Nervig!

Trotz all seiner Probleme heimst The Elder Scrolls 2: Daggerfall ordentlich Kritikerlob ein und vereint aufgrund seiner schieren Größe sowie den vielen Möglichkeiten eine treue Fangemeinde. Bethesda scheffelt demzufolge genügend Kohle und kündigt gleich drei The-Elder-Scrolls-Spiele auf einen Schlag an, anstatt sich auf einen Titel nach dem anderen zu konzentrieren.

Battlespire und Redguard: Ungeliebte Nebenschauplätze

1997 erscheint mit An Elder Scrolls Legend: Battlespire das erste Spin-off, das ursprünglich als Add-on für Daggerfall gedacht war. Darin konzentriert ihr euch auf das Erkunden eines siebenstöckigen Dungeons, der komplett von menschlichen Designern gestaltet ist. Ergo wird hier nichts vom Computer berechnet. Allerdings fehlt das markante Verkaufsargument der bisherigen Teile: die riesige Oberwelt. Stattdessen prügelt ihr euch reihenweise mit anonymen Gegnern und löst ein paar kryptische Rätsel. An Elder Scrolls Legend: Battlespire bietet leider nur ein paar Dungeons, wenige Mini-Rätsel und einen ganzen Sack voller Gegner zum Verprügeln. Quelle: PC Games An Elder Scrolls Legend: Battlespire bietet leider nur ein paar Dungeons, wenige Mini-Rätsel und einen ganzen Sack voller Gegner zum Verprügeln.

Ein Jahr später folgt mit The Elder Scrolls Adventures: Redguard gleich das nächste Spin-off. Es entpuppt sich als der große Außenseiter der Serie, weil es komplett auf Rollenspielelemente verzichtet und gar einen vorgefertigten Helden namens Cyrus bietet. Mit ihm reist ihr zur Karibikinsel Stros M'Kai, trefft auf fechtende Piraten und besucht orientalische Paläste. Grafik und Spielprinzip erinnern an Action-Adventures wie Tomb Raider oder Prince of Persia 3D. Die Steuerung fühlt sich entsprechend hölzern und verkrampft an, während die grässlich programmierte 3D-Engine selbst auf heutigen PCs ruckelt. Trotzdem ist Redguard durchaus bemerkenswert, weil die offene Spielwelt in diesem Genre ein Novum darstellt. Genau genommen kommt der Titel ähnlichen Action-Rollenspiel -Hybriden wie Ultima 9: Ascension (1999) oder Gothic (2001) zuvor.

Beide Spin-offs können allerdings weder die Fans bei Laune halten, noch neue Spieler hinzugewinnen. Das ändert sich schlagartig mit der nächsten, echten Fortsetzung, die 2002 erscheint und Bethesda Softworks vom Entwickler ambitionierter Projekte hin zum Hit-Produzenten aufsteigen lässt: The Elder Scrolls 3: Morrowind.

Morrowind: Der Beginn von etwas wahrlich Großem

In Morrowind startet ihr erneut als ein Gefangener, der auf die Vulkaninsel Vvardenfell verfrachtet wird. Dort sollt ihr dem Mönch Caius Cosades eine Botschaft überbringen und im Anschluss seinen Befehlen folgen. Natürlich bleibt es nicht bei solchen Botengängen: Es wird gemunkelt, dass ihr die Reinkarnation des Helden Indoril Nerevar seid und laut Prophezeiung als Einziger den niederträchtigen Gott Dagoth Ur bezwingen könnt.

Der dritte Teil der Rollenspielreihe, der dank einer Umsetzung für die erste Xbox erstmals auch Konsolenspieler erreicht, ist laut Projektleiter Todd

Wusstet ihr schon, dass ...?
… der generische Untertitel Arena ursprünglich für ein actionlastiges Gladiatoren-Kampfspiel gedacht war? Bethesda Softworks behielt den Namen nur deshalb für das fertige Rollenspiel, weil das Artdesign der Verpackung bereits fix war.
… aufgrund des kommerziellen Misserfolgs von Battlespire und Redguard sowie der langen Entwicklungszeit von Morrowind Bethesda Softworks beinahe Konkurs hätte anmelden müssen?
… The Terminator nicht der einzige Ego-Shooter rund um den Science-Fiction-Filmhit ist, den Bethesda veröffentlicht hat? Besonders interessant ist der zweite Nachfolger Future Shock, der als erstes auf der XnGine läuft und somit einen wichtigen Grundstein für The Elder Scrolls 2: Daggerfall legt.
…der YouTube-Kanal How Big is the Map? einen fast 70 Stunden langen Fußmarsch von der Südost- zur Nordwestecke der Daggerfall-Welt in Echtzeit dokumentiert?
…Ted Peterson, Designer und Autor von Arena bis Oblivion, seinen Job bei Bethesda bekam, weil ihm laut Bewerbung bei Vollmond ein drittes Auge und Schmetterlingsflügel wachsen? Das behauptete er jedenfalls in einem Interview mit dem Magazin PC Player.
…ihr euch in den meisten The-Elder-Scrolls-Titeln von einem Vampir oder einem Werwolf beißen lassen könnt, um deren Fähigkeiten und weitere Quests zu erlangen? In Daggerfall ist obendrein eine Verwandlung in einen Wereber (!) möglich.
...Uriel Septim VII der Regent von Tamriel in allen Hauptspielen vor Skyrim ist? Auch wenn die Serie sehr weitreichend konzipiert ist, umfassen die Geschichten von Arena bis Oblivion demnach weniger als 50 Spieljahre.
...Elsweyr, die Heimat der katzenartigen Khajiit, die einzige Provinz von Tamriel ist, die nur in The Elder Scrolls: Arena vorkommt und somit nirgends zu Fuß erforscht werden kann? Diese Lücke wird allerdings Mitte 2019 in Form eins neuen Kapitels für The Elder Scrolls Online geschlossen.
…der Planet Nirn, auf dem sämtliche The-Elder-Scrolls-Titel spielen, vermutlich aus sechs Kontinenten besteht? So mancher Fan hofft, dass er für den nächsten Teil erstmals Tamriel verlassen und entweder das zerklüftete Akavir oder das angeblich versunkene Yokuda bereisen darf.
 

Howard "nur" ein Zehntausendstel so groß wie Daggerfall. Dafür kreiert Bethesda endlich eine stattliche, lebendige und einfach schöne Spielwelt: Städte, Höhlen und Festungen wirken real anstatt austauschbar; die Vegetation fasziniert aufgrund ihrer riesigen, organischen Pilzbäume. Und die Wetterkapriolen vom Gewitter bis zum Sandsturm machen selbst heute noch was her.

Die kleinere Spielwelt spiegelt sich vor allem in der tollen Grafik wider, mit der Morrowind die damalige Konkurrenz von Gothic 2 bis Neverwinter Nights deklassiert. Hinzu kommt ein fantastischer Soundtrack aus der Feder von US-Komponist Jeremy Soule, dessen melancholischer Tonfall perfekt zur verträumten Umgebung passt und in seinen bombastischen Momenten Gänsehaut pur erzeugt.

All diese Vorzüge sorgen für eine deutlich bessere Zugänglichkeit: Morrowind macht aufgrund seiner Attraktivität spontan Lust aufs Spielen, der Schwierigkeitsgrad steigt im Vergleich zu den Vorgängern deutlich sanfter an, und man lernt gemächlich all die Vorzüge und Features des Spiels kennen.

Doch beinharte Daggerfall-Fans haben genau damit ein Problem: Das Klassen- und Fertigkeitensystem von Morrowind funktioniert zwar ähnlich wie im zweiten Teil, ist insgesamt aber deutlich simpler. Es ist relativ leicht, einen Charakter zu einem praktisch unbesiegbaren Überhelden zu leveln. Zudem fehlen einige lieb gewonnene Funktionen - darunter der optionale Kauf von Häusern oder das Reiten auf Pferden.

Ungeachtet dessen gibt der kommerzielle Erfolg den Entwicklern Recht, den Kurs zwischen Zugänglichkeit und Komplexität beizubehalten. Zunächst schieben sie zwischen Ende 2002 und Mitte 2003 die beiden Add-ons Tribunal und Bloodmoon hinterher. Anschließend drückt die Erwartungslast auf The Elder Scrolls 4: Oblivion, das im Frühjahr 2006 auf PC und Xbox 360 debütiert.

Oblivion: Der kommerzielle Hit, der die Fangemeinde spaltet

Erneut ist es Uriel Septim VII, der euch während seiner Flucht vor den Attentätern der mythischen Morgenröte aus dem Kerker befreit. Dabei kommt der Monarch zwar ums Leben, vertraut euch aber rechtzeitig ein wertvolles Familienamulett an. Mit dem sollt ihr seinen einzigen noch lebenden Sohn Martin aufsuchen und ihm beim Kampf gegen die dämonischen Daedra helfen, die ganz Tamriel überfallen. Die Kämpfe tragt ihr auch in The Elder Scrolls 4: Oblivion am besten in der Ego-Perspektive aus. Quelle: PC Games Die Kämpfe tragt ihr auch in The Elder Scrolls 4: Oblivion am besten in der Ego-Perspektive aus.

Sobald ihr aus dem Kerker steigt, erschlägt euch der protzige Landstrich von Cyrodiil mit seinen saftig grünen Wiesen und der gigantischen Kaiserstadt. Im Gegensatz dazu steht die düstere Welt der Daedra, die ihr alle Nase lang beim Durchschreiten der sogenannten Oblivion-Tore besucht. Somit wechselt ihr ständig zwischen blühender Natur und schwarz-roter Hölle.

Abermals ist der Inhalt der Geschichte zweitrangig, während die Aufmachung weiter an Gewicht erhält. Erstmals sind sämtliche Dialoge vertont, was den NPCs deutlich mehr Persönlichkeit verleiht. Darüber hinaus optimiert Bethesda die Einsteigerfreundlichkeit, wovon am meisten Konsolenspieler profitieren. Die Gamepad-Steuerung ist rasch erlernt und sorgt für ein erstaunlich flott spielbares Abenteuer. Dank Kompass sowie Zielmarkierung wisst ihr sofort, wohin ihr euch als Nächstes begeben müssen. Und Minispiele wie das Aufknacken von Schlössern sind so simpel wie clever umgesetzt. Auf der anderen Seite wirkt die Welt von Oblivion austauschbarer als jene in Morrowind. Höchst umstritten ist indes das Skalierungssystem, aufgrund dessen die Gegner mit dem eigenen Spielcharakter leveln. Hinter den glutroten Toren von Oblivion wartet die düstere Welt der Daedra, die einer Hölle gleicht. Quelle: PC Games Hinter den glutroten Toren von Oblivion wartet die düstere Welt der Daedra, die einer Hölle gleicht. Einerseits möchte Bethesda so den übermächtigen Abenteurer verhindern, der sich irgendwann gelangweilt durch Cyrodiil kämpft. Andererseits stellt die Idee das Konzept des Rollenspiels in Frage: Wozu sollte man überhaupt noch trainieren, wenn die Feinde eh stetig mitziehen?

Diese Probleme machen The Elder Scrolls 4: Oblivion im Nachhinein zu einem relativ unliebsamen Kind der Serie - vor allem, wenn man die Fans der Vorgänger befragt. Nichtsdestotrotz veröffentlicht Bethesda erneut zwei Add-ons (Knights of the Nine sowie Shivering Isles) und räumt sogar einige wichtige große Spiel-des-Jahres-Preise ab, allen voran den Spike Video Game Award (Vorläufer der prestigeträchtigen Game Awards). Passend dazu besucht Todd Howard Ende 2010 persönlich die gleichnamige Award-Show und stellt exklusiv den ersten Trailer von The Elder Scrolls 5: Skyrim (jetzt kaufen ) vor. Das Rollenspiel erscheint bereits ein Jahr später - und entwickelt sich zum Mega-Hit.

Skyrim: Die Spieler im Sturm erobert

Zunächst vollzieht die Story einen satten Sprung von 200 Jahren in die Zukunft. Die Provinz Himmelsrand befindet sich mitten in einem Bürgerkrieg Die Drachenkämpfe von The Elder Scrolls 5: Skyrim gehören zu den Highlights des nordisch angehauchten Rollenspiel-Meisterwerks. Quelle: PC Games Die Drachenkämpfe von The Elder Scrolls 5: Skyrim gehören zu den Highlights des nordisch angehauchten Rollenspiel-Meisterwerks. zwischen der Kaiserlichen Legion und den Rebellen der Sturmmäntel. Ihr seid - mal wieder - ein Gefangener, der seine letzte Reise zu seiner Exekution antritt. Kurz bevor das Beil euren Kopf vom Körper trennen soll, platzt der mächtige Drache Alduin in die Szenerie und legt das umliegende Dorf Helgen in Schutt und Asche. Ihr könnt in dem Chaos fliehen und sollt nun bei der Bekämpfung des Feuerspeiers behilflich sein. Schnell erfahrt ihr, dass ihr der letzte Dovahkiin (übersetzt: "Drachenblut") seid und mit den Seelen der Drachen die Macht der Drachenschreie nutzen könnt.

Besonders viel Anerkennung erhält das Skyrim-Setting für seine riesige, verschneiten Berge und das neblig-graue Ambiente. Die Landschaft erinnert an das hiesige Skandinavien und sorgt für eine unverbrauchte Wikinger-Atmosphäre, wozu auch die vielen Hütten und markanten Rüstungen beitragen. Ferner ist Jeremy Soules neuer Soundtrack mit großem Abstand der beste, den der Mann je komponiert hat. Allein das Hauptthema gewinnt gewaltig an Substanz, weil Soule einen tief dröhnenden Männerchor beordert und ihn mit aller Kraft "Dovahkiin! Dovahkiin!" posaunen lässt.

In Sachen Spielmechanik hört Bethesda auf seine Fans und wirft das ungeliebte Skalierungssystem des Vorgängers in die Tonne. Stattdessen einigt man sich auf Gegner mit verschiedenen Stärketypen, die in Abhängigkeit eures aktuellen Levels erscheinen. Das klassische Klassensystem ist Dank der grafisch aufgebohrten Special Edition sehen die verschneiten Berge in Skyrim auch nach über acht Jahren immer noch grandios aus. Quelle: PC Games Dank der grafisch aufgebohrten Special Edition sehen die verschneiten Berge in Skyrim auch nach über acht Jahren immer noch grandios aus. ebenfalls Vergangenheit, weshalb ihr nicht mehr zwischen Magier, Krieger oder Dieb wählen müsst. Stattdessen konzentriert ihr euch einfach auf die Fertigkeiten, die euch wichtig erscheinen, und schaltet erstmals Perks frei, mit denen ihr besondere Fähigkeiten - beispielsweise zum Blocken, Bogenschießen oder Waffenschmieden - verbessert. Die Veränderungen erweisen sich als genialer Schachzug: Skyrim fühlt sich gekonnt entschlackt an, während Rollenspiel-Junkies weiterhin gezielt ihren individuellen Recken formen.

Die Kämpfe sind gewohnt einfach, weshalb viele Gegner in Sekundenschnelle am Boden liegen. Umso mehr Anspruch steckt im Erforschen der fantastischen Spielwelt, die mit viel Liebe zum Detail begeistert. Bethesda verzichtet fast vollständig auf Copy-&-Paste-Elemente, jeder Ort fühlt sich wie etwas Einmaliges an. Kombiniert mit den serientypischen Fraktionen, die euch erneut spannende Questreihen anbieten, entsteht ein Monster von einem Rollenspiel, das sowohl riesig als auch vielschichtig bis ins Mark ist.

Special Edition und VR: Fan-Service oder Gelddruckmaschine?

Der Aufwand hat sich letztlich gelohnt, Bethesda sammelt einen Game-of-the-Year-Preis nach dem anderen ein. The Elder Scrolls 5: Skyrim verkauft sich überdies auch Jahre nach seiner Veröffentlichung blendend, was die Umsetzungen für PlayStation 4, Xbox One und Nintendo Switch beweisen. Elder Scrolls V: Skyrim Quelle: PC Games Mittelalter-Idylle: Weißlauf ist die erste, große Stadt, die ihr in Skyrim ansteuert. Für diese wird die Grafik aufgemöbelt und in Form einer Special Edition auch für PC-Spieler angeboten. So gut das Ergebnis aber auch ist, Bethesdas Preispolitik wirkt gierig: Konsolenbesitzer müssen schließlich stolze 60 Euro für einen über fünf Jahre alten Titel zahlen.

Ähnliches Unverständnis erntet die VR-Version, die 2017 für PS4 und 2018 für PC erscheint: Auch hier verlangt Bethesda erneut den vollen Preis, obwohl die Anpassung an die Virtual-Reality-Technologie lieblos wirkt. Im Prinzip hat man das Spiel eins zu eins übernommen und weder die Zwischensequenzen - beispielsweise das dramatische Intro - noch die komplexe Steuerung an die VR-Vorzüge angepasst. Und doch möchte man den Entwicklern vor Freude um den Hals fallen, weil die Spielwelt aus Sicht der eigenen Augen noch stimmiger rüberkommt. Dank VR-Brille steigt die Immersion ein gewaltiges Stückchen nach oben, weshalb man gar nicht mehr zur normalen Version zurückkehren möchte.

The Elder Scrolls Online: Für Solo- und Multiplayer geeignet

Der nächste große Wurf gehört zwar offiziell nicht zur Hauptserie, kann jedoch beim Umfang locker mit den Solo-Titeln mithalten. Das Online-Rollenspiel The Elder Scrolls Online (kurz: TESO) ist dabei der erste wichtige Teil der Serie, der nicht von Bethesda Softworks, sondern von ZeniMax Studios Online stammt. Wie so viele MMORPGs wird die Urversion aus dem Jahr 2014 von den Spielern mit gemischten Gefühlen aufgenommen: Fans des alten Morrowind fühlen sich im gleichnamigen Online-Pendant sofort heimisch, sobald sie ihre geliebte Stadt Balmora erreichen. Quelle: PC Games Fans des alten Morrowind fühlen sich im gleichnamigen Online-Pendant sofort heimisch, sobald sie ihre geliebte Stadt Balmora erreichen. Einerseits könnt ihr erstmals in einer Gruppe durch Tamriel reisen, andererseits bleibt die Atmosphäre ein wenig auf der Strecke. Das merkt ihr spätestens dann, wenn ihr zum Beispiel als Dieb heimlich durch ein Gebäude schleichen möchtet und gleichzeitig andere Spieler munter durch die Flure springen seht.

Die TESO-Entwickler legen großen Wert darauf, dass man auch alleine gut vorankommt. Zudem gibt sich ZeniMax von Anfang an mit den Quests Mühe und vermeidet dröge "Töte zehn Trolle"- oder "Sammle 20 Pilze"-Aufgaben, so wie wir sie zuhauf aus World of Warcraft oder Final Fantasy 14 kennen. Ihr werdet gar in vielen Quests vor Entscheidungen gestellt, die den Verlauf der Geschichte leicht beeinflussen. Allerdings gerät das Konzept mit seinen vielen ineinander verzahnten Instanzen ins Straucheln, sobald ihr mit Freunden eine für Solo-Spieler gedachte Mission bestreitet. Dann kann es durchaus passieren, dass der eine Tamriel-Held Gegner bekämpfen muss, die der andere nicht sieht.

ZeniMax reagiert auf die Kritik der Spieler und verzichtet 2015 als erste Maßnahme mit dem Tamriel-Unlimited-Update auf Abo-Zwang. Wer für das Premium-Angebot "ESO Plus" weiterhin knapp 13 Euro pro Monat hinblättern möchte, der erhält dafür fortan einen ganzen Haufen Boni: Darunter Wie in jedem guten MMORPG können wir uns auch in The Elder Scrolls Online die Zeit mit trivialen Tätigkeiten wie Angeln vertreiben. Quelle: PC Games Wie in jedem guten MMORPG können wir uns auch in The Elder Scrolls Online die Zeit mit trivialen Tätigkeiten wie Angeln vertreiben. zählen beispielsweise der Zugriff auf zahlreiche DLCs, ein Handwerksbeutel zum Lagern von beliebig vielen Baumaterialien oder ein Sack voller Kronen, für die ihr normalerweise reales Geld hinblättern müsstet und dank denen ihr Reitpferde, Kostüme oder Schriftrollen für mehr Erfahrungspunkte eintauscht.

Es zieht ein weiteres Jahr ins Land, bis das Update One Tamriel erscheint und den vermutlich größten Schwachpunkt des Spiels ausmerzt: Ursprünglich war man auf die Quests der zu Beginn gewählten Fraktion beschränkt und konnte die Aufträge der anderen erst im Endgame sowie nur unter eingeschränkten Bedingungen erleben. Doch mit One Tamriel sind sämtliche Inhalte für alle Charaktere frei zugänglich. Des Weiteren implementiert ZeniMax das Skalierungssystem und passt die Levels sämtlicher Spieler sowie Gegner auf ein Niveau an. In TESO klappt der Trick wunderbar, weshalb nun Neulinge gemeinsam mit Veteranen ohne große Schwierigkeiten kooperieren können.

Morrwind und Summerset: Jetzt mit noch mehr Provinzen

Löblich: Die Entwickler bleiben am Ball und addieren nach und nach kleine wie große DLCs, allen voran Morrowind und Summerset. Ersteres ist folgerichtig die MMORPG-Variante des legendären dritten Teils und treibt den alten Fans von 2002 Tränen in die Augen. Schließlich hat ZeniMax viele Kernorte beibehalten und optisch auf Vordermann gebracht, weshalb der Wiedererkennungseffekt groß ist. Gleichzeitig beobachtet man zahlreiche Unterschiede bei Landschaft und Gebäuden, weil die Geschichte 800 Jahre vor dem alten Morrowind spielt. Summerset wiederum lebt von seiner sommerlichen Frische und den auffallend bunten Bäumen. Und vor zwei Monaten kündigte der Hersteller ein drittes großes TESO-Kapitel namens Elsweyr an, das am 04. Juni 2019 erscheint. Wichtigste Neuerungen hier: Feuerspeiende Drachen, der Nekromant als spielbare Klasse und die Heimat der katzenartigen Khajiit als neuer Schauplatz.

Legends: Über Blizzards Schultern geschaut

Der Vollständigkeit halber sei noch der Free2Play-Ableger The Elder Scrolls: Legends (2017) erwähnt, der in vielerlei Hinsicht an Blizzards The Elder Scrolls: Legends tritt in die Fußstapfen von Hearthstone und möchte sich mit seinem zweigeteilten „Schlachtfeld“ vom Blizzard-Konkurrenten abheben. (1) Quelle: PC Games The Elder Scrolls: Legends tritt in die Fußstapfen von Hearthstone und möchte sich mit seinem zweigeteilten „Schlachtfeld“ vom Blizzard-Konkurrenten abheben. (1) Hearthstone erinnert. Hier wie dort handelt es sich um ein Sammelkartenspiel im Geiste von Magic the Gathering, bei dem ihr wahlweise im Rahmen einer kleinen Kampagne gegen eine KI kämpft oder via Internet andere Spieler herausfordert. Wirklich innovativ ist Legends nicht - aber zumindest kompetent designt und mit ein paar Eigenheiten ausgestattet. Allen voran ist der virtuelle Tisch, auf dem die Spieler ihre Einheitenkarten ablegen, in zwei größtenteils unabhängige Reihen eingeteilt. Somit könnt ihr euer Gegenüber von mehreren Seiten attackieren, während ihr andersherum doppelt so viele Fronten für die eigene Verteidigung sichern müsst. Wer hingegen auf ein weiteres klassisches The Elder Scrolls hofft, der muss sich in Geduld üben. Klar ist: Ein offizieller sechster Teil wird kommen! Die Frage ist nur: Wann?

The Elder Scrolls 6: Das ewige Warten

Während zwischen den meisten Vorgängern jeweils vier bis fünf Jahre lagen, sind seit unserem Streifzug durch die nordische Welt von Skyrim bereits mehr als sieben vergangen. Auf der E3 -Messe 2018 in Los Angeles hat Bethesda einen mickrigen Teaser-Trailer mit einem schlichten Kameraflug über eine zerklüftete Ebene und einem schnöden Schriftzug präsentiert. Bethesdas Vizepräsident Pete Hines stellte schnell klar, dass es sich um eine Ankündigung à la "Keine Angst, wir haben unser Rollenspiel-Baby nicht vergessen!" handele und der Titel weit von der Fertigstellung entfernt sei.

Vermutlich wird The Elder Scrolls 6 erst mit der nächsten Konsolengeneration erscheinen - und die muss schließlich auch erst einmal in unseren Zimmern stehen. Bis dahin bleiben uns die Welten von Daggerfall über Morrowind bis Skyrim. Was für ein Glück, dass die alle so riesig sind!

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