Xenoblade Chronicles 2 - Test und Video-Review kurz vor Release: Kolossales Rollenspiel-Epos exklusiv für Nintendo Switch
Test
Xenoblade Chronicles 2 verbindet die Stärken der beiden Vorgänger und lädt zur Erkundung seiner riesigen, lebendigen Spielwelt ein. Im Test mit Video-Review gehen wir im Detail durch, was das Mega-Rollenspiel für Nintendo Switch auszeichnet.
Seit dem ersten Teil auf der Wii stehen die Xenoblade-Chronicles-Spiele von Nintendos Entwicklungsstudio Monolith Soft für komplexe Rollenspiel-Kost, die trotz der limitierten Hardwareleistung Spielwelten von wahrlich kolossalem Ausmaß auf die Mattscheibe zaubern. Xenoblade Chronicles überzeugte seinerzeit zudem nicht nur durch sein einzigartiges Setting (die Spielwelt ist auf zwei gigantischen, lebendigen Titanen angesiedelt, die im Konflikt miteinander stehen), es bot auch eine spannende und mit Überraschungen gespickte Handlung.
In Xenoblade Chronicles X für Wii U spielte die Story hingegen eine untergeordnete Rolle, während die Erkundung der immensen und diesmal in einem Sci-Fi-Setting verankerten Open World noch stärker in den Fokus rückte. Besonders motivierend wurde das durch das Freischalten der Skell-Kampfroboter, mit denen ihr im späteren Spiel über die fünf weitläufigen Kontinente brettern und letztendlich sogar durch die Lüfte fliegen könnt. Die nahtlose, ohne Ladezeiten komplett erforschbare Welt mit den Limitationen der Wii U umzusetzen, trieb die Entwickler allerdings an ihre Grenzen, weshalb der Titel mehrfach verschoben werden musste.
Lesetipp: Xenoblade Chronicles 2 - Einsteiger-Guide mit wertvollen Tipps
Was schlecht für die Wii U war, da jeder wichtige Release bitter gefragt war, kommt nun der Switch zugute. Denn die damals etablierte Technik nutzt Monolith Soft, um mit Xenoblade Chronicles 2 (jetzt kaufen 37,98 € ) schon früh im Lebenszyklus der Switch ein erneut gigantisches Rollenspiel-Epos abzuliefern, das mit einer bezaubernden Spielwelt und ebenso komplexen wie gut ineinandergreifenden Spielmechaniken überzeugt.
In diesem Artikel
Xenoblade Chronicles 2 Test mit Review-Video: Auf dem Rücken des Titanen
Wie die Zahl im Titel bereits klarmacht, kehren die Entwickler zu den Fantasy-Wurzeln des Wii-Erstlings zurück. Zwar erzählt das Spiel eine komplett neue Story (Vorkenntnisse des Wii-Abenteuers sind also nicht nötig, wenngleich Kenner von einigen Anspielungen profitieren), doch dafür wird das im Vorgänger etablierte Konzept von lebendigen Titanen wieder aufgegriffen. Dieses Mal erwarten euch jedoch weit mehr als nur zwei dieser Kolosse. In der Welt von Alrest leben Hunderte von Titanen in den verschiedensten Formen und Größen, angesiedelt in einem scheinbar endlosen Meer aus Wolken, in dessen Mitte der Weltenbaum thront. Manche von ihnen sind so immens, dass sie den verschiedenen Völkern der Welt als Lebensraum dienen, während kleinere Exemplare beispielsweise die Funktion von lebenden Schiffen übernehmen. Seit einiger Zeit segnen jedoch zunehmend mehr der mysteriösen Wesen das Zeitliche, wodurch der Lebensraum und die Rohstoffe stetig knapper werden, was zu Konflikten und Machtkämpfen zwischen den großen Nationen Alrests führt.
Quelle: PC Games
Der Protagonist Rex wird früh im Spiel zum Meister der heiligen Klinge Pyra (links im Bild). Die beiden haben Elysium zum Ziel, das der Sage nach die Wiege der Menschheit ist.
Inmitten dieser langsam sterbenden Welt übernehmt ihr die Rolle des ewigen Optimisten Rex, der sich seinen Lebensunterhalt als Bergungstaucher verdient, indem er versunkene Schätze aus dem Wolkenmeer zieht. Als Rex eines Tages einen sehr lukrativen Großauftrag an Land zieht, stößt er auf die heilige Klinge Pyra, die ihm das Leben rettet und ihn als Gegenleistung bittet, sie nach Elysium zu bringen. Der Sage nach soll dieses heilige Land die Wiege der Menschheit sein und sich auf der Spitze des Weltenbaumes befinden. Dieses Unterfangen ist aber gar nicht so leicht, schließlich wollen diverse Parteien die unbändige Macht der heiligen Klinge für sich nutzen. So auch die brandgefährliche Torna-Gruppe, die aus ganz eigenen Motivationen heraus nach Elysium will. Wie sich die Handlung über diese simple Anfangsprämisse hinaus entfaltet, werden wir euch natürlich nicht verderben. So viel sei jedoch Spoiler-frei verraten: Typisch für Monolith Soft wird die Story im Spielverlauf um weitere Schichten reicher, reißt teilweise auch philosophische Themen an, birgt die ein oder andere Überraschung und konnte unser Interesse bis zum Abspann nach knapp 85 Spielstunden hochhalten.
Xenoblade 2 im Test: Charaktere und Inszenierung
Das liegt vor allem an zwei Dingen: Zum einen setzen die Entwickler diesmal auf wesentlich mehr Story-Szenen, wodurch ein angenehm durchgängiger Handlungsfluss ohne langen Leerlauf entsteht. Dabei halten sich lange, dramatische Szenen die Waage mit ruhigeren, menschlichen Momenten, in denen ihr mehr über die Eigenheiten und Motivationen sowohl der Protagonisten als auch der zentralen Gegenspieler erfahrt. Womit wir beim anderen Punkt wären: Xenoblade Chronicles 2 nimmt sich ausreichend Zeit für die Zeichnung der Figuren.
Bildergalerie
Zwar sind die Charaktere nicht frei von Stereotypen und manche Designs haben eine unnötige Fanservice-Note (insbesondere Pyras), doch praktisch jeder der Hauptakteure hat wesentlich mehr an sich, als es in den ersten Stunden noch den Anschein erweckt. Darüber hinaus nimmt sich das Spiel trotz der grundsätzlich dramatischen und relativ düsteren Hauptgeschichte oftmals nicht zu Ernst. Immer wieder werden überdrehte, bekloppte oder einfach nur leichtherzige Momente eingestreut, die uns wiederholt mehr als nur ein Grinsen entlocken konnten. Der vom Pech verfolgte und wunderbar überzeichnete Schwertkämpfer Zeke ist etwa eine kleine Goldgrube an Lachern. Und auch die serientypischen Nopon-Wesen sorgen für viel Heiterkeit. Wer möchte, kann außerdem wie in den Vorgängern über die optionalen Harmoniegespräche noch mehr über die Persönlichkeit der Figuren erfahren, etwas über die Zivilisationen von Alrest und deren Kulturen lernen oder einfach nur schräge Momente erleben.
Quelle: PC Games
Die großen Handlungsmomente sind super inszeniert - eine deutliche Verbesserung zu den beiden Vorgängern. Mir großen AAA-Produktionen kann Xenoblade Chronicles 2 inszenatorisch aber nicht mithalten.
Inszenatorisch kann Xenoblade Chronicles 2 zwar nicht mit AAA-Produktionen wie Final Fantasy XV mithalten, nichtsdestotrotz ist eine klare Verbesserung zu den Vorgängern zu merken. Der Anime-Stil ermöglicht überraschend expressive Animationen, die Schlüsselszenen sind gut umgesetzt und auch die Kampfanimationen lassen sich absolut sehen. Für viel Atmosphäre sorgen die meist gut geschriebenen und hochwertig in verschiedenen englischen Akzenten vertonten sowie textlich ins Deutsche übersetzten Dialoge. Durch die Wahl der größtenteils britischen Sprecher und der bewussten Verwendung der entsprechenden lokalen Sprachgepflogenheiten hebt sich Xenoblade Chronicles 2 spürbar von anderen Genrevertretern ab. Darüber hinaus verleiht das den Spielfiguren einen unvergleichlich-kernigen Charme. Schade nur, dass die tolle Vertonung von den meist überhaupt nicht passenden und allgemein mauen Lippenanimationen torpediert wird.
Quelle: PC Games
Die grundsätzlich ernste Haupthandlung wird immer wieder mal mit heiteren und völlig abgedrehten Momenten aufgelockert. Schwertkämpfer Zeke sorgt beispielsweise oft für Lacher.
Wer möchte, kann das Spiel wahlweise auch mit japanischem O-Ton spielen, der ab dem Release-Tag als kostenloser Download im Nintendo eShop zur Verfügung steht. Dann passen womöglich auch die Lippenbewegungen zum Rest, selbst ausprobieren konnten wir das vor Veröffentlichung aber nicht. Etwas befremdlich ist derweil die Entscheidung, dass Rex und seine Mitstreiter in vielen textbasierten Nebenquestdialogen eine von diversen vorgefertigten Standardantworten von sich geben. Und das unabhängig davon, ob der Questgeber einfach nur Rohstoffe sucht oder ein Familienmitglied vermisst. Ein klares Highlight ist dagegen erneut der fabelhafte, stets stimmige und sehr abwechslungsreiche Soundtrack, der von monumentaler Orchester-Musik über mächtige Chor-Stücke bis zu treibendem Rock viel zu bieten hat.
