Xenoblade Chronicles 2 im Test: Spielwelt und Kampfsystem

Test Viktor Eippert
Xenoblade Chronicles 2 im Test: Spielwelt und Kampfsystem
Quelle: Nintendo

Auf der zweiten Seite unserer Xenoblade Chronicles 2 Review gehen wir auf die beeindruckende, atmosphärische Spielwelt und die komplexen Spielmechaniken ein, die sehr gut ineinandergreifen aber überfordern können.

Xenoblade Chronicles 2 Review mit Video: Atemberaubende, ausufernde Spielwelt

Selbst wenn euch die Handlung nicht packen sollte, bietet die schöne und abwechslungsreiche Spielwelt von Xenoblade Chronicles 2 genug Anreize, um für viele Dutzend Stunden darin zu versinken. Es ist wirklich beeindruckend, was für eine atmosphärische, glaubwürdige und lebendige Spielwelt Monolith Soft auf der Switch auf die Beine gestellt hat. Sicher, einige Innenareale sind etwas trist und gelegentlich müsst ihr mit sichtbar nachladenden Texturen leben. Eine native 1080p-Auflösung schafft Xenoblade Chronicles 2 außerdem wie schon zuvor Zelda: Breath of the Wild und Super Mario Odyssey im TV-Modus nicht. Doch wenn man über die von vielen Monstern bewohnten Ebenen läuft, die schicke Lichtstimmung in sich aufsaugt und am Horizont erkennt, wie sich der riesige Kopf des Titanen bewegt, rücken technische Unsauberkeiten in den Hintergrund. Jeder neue Titan auf euren Reisen bietet frische Eindrücke sowie neue Kulturen zu entdecken, in den Städten gehen viele NPCs ihrem Tagewerk nach, abhängig von Uhrzeit und Wetter trefft ihr auf andere Lebewesen und selbst der Stand des Wolkenmeeres hat Auswirkungen darauf, welche Gebiete ihr aktuell erreichen könnt oder nicht. Wie für die Reihe üblich, ist die Spielwelt absolut monumental und voll mit Schätzen, Secrets und interessanten Orten. Quelle: PC Games Wie für die Reihe üblich, ist die Spielwelt absolut monumental und voll mit Schätzen, Secrets und interessanten Orten.
Alrest ist aber nicht nur schick anzusehen, es lädt euch aktiv dazu ein, seine schönen Panoramen und versteckten Winkel zu erkunden. Mini-Map, Kompass und das sehr nützliche Missionsbuch helfen euch bei der Orientierung, doch wer will, kann die Karte auch komplett ausblenden und einfach drauflos pilgern. Ähnlich wie in Zelda: Breath of the Wild endet praktisch jeder Ausflug ins Ungewisse mit dem Fund eines Schatzes, eines Questsgebers, eines Rohstoff-Sammelpunktes, eines einzigartigen Widersachers, einer Landmarke oder eines geheimen Ortes. Die letzten Beiden dienen übrigens als Schnellreiseunkte und Checkpoints, an denen ihr nach einem Bildschirmtod aufgestellt werdet. Die zahlreichen NPCs geben euch Hintergrundinfos zur Spielwelt, verraten euch nützliche Hinweise oder plaudern einfach ein wenig über aktuellen Tratsch. Quelle: PC Games Die zahlreichen NPCs geben euch Hintergrundinfos zur Spielwelt, verraten euch nützliche Hinweise oder plaudern einfach ein wenig über aktuellen Tratsch. Das passiert auch gar nicht so selten, denn schnell verschätzt man sich mit der Höhe bei einem Sprung auf eine tiefere Ebene oder wird doch mal im Kampf überwältigt. Serientypisch wächst die Stärke der Gegner nicht mit euch mit, sondern ihr trefft von Beginn an sowohl auf schwache Monster als auch richtig heftige Brocken im hohen Level-Bereich. Das trägt ebenfalls zur Glaubwürdigkeit der Welt bei und vermittelt euch ein schönes Fortschrittsgefühl, wenn ihr später deutlich stärker zurückkehr. Das hat aber eine Kehrseite: Manchmal mischen sich übermächtige Monster in bereits laufende Kämpfe ein und löschen eure Party in Windeseile aus, sofern ihr nicht schnell genug die Beine in die Hand nehmt.

Xenoblade 2 Test: Komplexe aber belohnende Spielsysteme

Doch stellt ihr euch eurem Feind, kommt im Kampf das neue Zusammenspiel aus Meistern und Klingen zum Einsatz. Meister, wie Rex zum Beispiel einer ist, sind die tatsächlichen Kämpfer der Heldenparty, von denen ihr bis zu drei Stück gleichzeitig in den Kampf mitnehmen könnt. Klingen wie Pyra dagegen sind im Grunde lebende Waffen, die ihrem Meister durch eine ständig sichtbare Verbindung Macht gewähren und in der Lage sind, einzigartige Superattacken auszuführen. Die Kampfbasics haben sich seit den Vorgängern nicht geändert, eure Spielfigur führt also wieder selbstständig Auto-Attacken auf den anvisierten Feind aus, die Spezialangriffe namens Meister-Techniken aufladen, welche ihr per Druck auf einen der drei korrespondierenden Aktionsknöpfe ausführt. Eine wichtige Rolle dabei spielen Positionierung und Timing. Denn manche Meistertechniken erzielen mehr Schaden, wenn ihr den Gegner von der Seite erwischt und aktiviert ihr eine Technik genau nach einem Auto-Angriff, laden sich eure Techniken schneller auf. Anders als im ersten Teil werden Auto-Angriffe (die zudem nun dreistufig sind und entsprechend stärker werden) aber unterbrochen, sobald ihr euch bewegt. Das zwingt euch dazu, stets abzuwägen, was gerade wichtiger ist. Die Spielsysteme - insbesondere in den Kämpfen - sind sehr vielschichtig und bauen aufeinander auf. Quelle: PC Games Die Spielsysteme - insbesondere in den Kämpfen - sind sehr vielschichtig und bauen aufeinander auf.

In den ersten Stunden wirken die Kämpfe - vor allem für Serienkenner - noch ziemlich eintönig, da ihr mit diesem bisher beschriebenen Aktionsrepertoire wenig Möglichkeiten zur Verfügung habt. Doch mit der Zeit schaltet ihr neue Klingen frei und das Spiel gewährt euch Zugang zu den tiefergehenden Systemen. Dann erst wird klar, wie viel taktisches Potenzial in diesem Hybrid aus Echtzeit- und Rundenkampfsystem steckt und wie gut die einzelnen Systeme aufeinander aufbauen. Um euch ein Gefühl für die Komplexität zu vermitteln, fassen wir die zentralen Aspekte im Folgenden zusammen. Doch eine kleine Vorwarnung, das wird jetzt ziemlich technisch. Jede Klinge gewährt euch eines von acht Elementen und verfügt über Spezialattacken in vier Stufen. Diese Klingenangriffe ladet ihr mit Meistertechniken auf und könnt sie mit den Klingen anderer Partymitglieder oder durch das Auswechseln der eigenen Klingen (jeder Meister hat Zugriff auf bis zu drei Stück) zu Klingen-Combos kombinieren. Das bringt euch zunächst mächtigen Bonusschaden pro Combo-Schritt, bekommt ihr aber zudem eine Stufe-3-Combo hin, kreist anschließend ein Element-Orb um den Gegner.

Die entsprechende Vorbereitung vorausgesetzt könnt ihr mit Angriffsketten auf einen Schlag enormen Schaden bei Gegnern anrichten. Quelle: PC Games Die entsprechende Vorbereitung vorausgesetzt könnt ihr mit Angriffsketten auf einen Schlag enormen Schaden bei Gegnern anrichten. Wenn ihr nun bei voller Gruppenleiste (die dient ansonsten dazu, um gefallene Gruppenmitglieder zu beleben) eine Angriffskette startet, darf jeder Meister reihum eine Klingen-Spezialattacke starten. Und jetzt der Clou: Für jedes zuvor angesammelte Orb, welches ihr erfolgreich mit den Attacken vor Ende der Kette zerbrechen könnt, erhaltet ihr jeweils drei neue Freischläge! Mit entsprechender Vorbereitung und einer geschickten Ausführung könnt ihr so absurd hohen Schaden anrichten und Bossen mitunter mehr als den halben Lebensbalken in einem Rutsch pulverisieren. Damit nicht genug, könnt ihr wie in anderen Xenoblade Chronicles-Spielen mit bestimmten Techniken Gegner ins Schwanken versetzen, sie dann umwerfen, anschließend in die Luft schleudern und letztlich zu Boden werfen. Mit jedem Schritt einer solchen Meister-Combo richtet ihr ebenfalls beachtlichen Schanden an, der noch weiter steigt, wenn ihr eine Meister-Combo mir einer Klingen-Combo kombiniert.

Sich in all diese Systeme einzuarbeiten, erfordert durchaus Zeit und Eingewöhnung, was Einsteiger überfordern kann. Das wird zudem dadurch verschlimmert, dass man die Tutorials nicht nachträglich nochmal einsehen kann. Hat man das Kampfsystem aber erst gemeistert, kann man selbst mit starken Widersachern kurzen Prozess machen, wodurch sich ein befriedigendes Erfolgsgefühl einstellt. Und das ist auch nötig, denn mit jedem neu gewährten Aspekt des Kampfsystems zieht auch die Herausforderung in den Kämpfen ein Stück weiter auf ein knackiges aber nie unfaires Niveau an. Nur wer das Zusammenspiel der Mechaniken optimal nutzt, geht in späteren Bosskämpfen und im Endgame siegreich hervor.

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