Activision Blizzard: Das Schwergewicht - Branchenriesen Teil 5
Special
Mehrere Jahre besetzt EA in der Branche den Platz an der Sonne. Doch das ändert sich mit der Fusion von Activison und Vivendi zu Activision Blizzard.
Ruhm und Geld! Danach dürstet es die Spiele-Entwickler David Crane, Larry Kaplan, Alan Miller und Bob Whitehead, als sie eines schönen Tages im Jahr 1979 ihren Boss, Atari-Chef Ray Kassar, für ein Gespräch aufsuchen. Sie haben einiges auf dem Herzen. Weder auf dem Bildschirm noch auf der Spieleverpackung wird der Name des jeweiligen Entwicklers erwähnt. Zudem wollen die vier monetär am Erfolg ihrer Spiele beteiligt werden, mit denen Atari immerhin Millionen US-Dollar verdient. Ray Kassar wischt diese Forderungen brüsk zur Seite und sagt den vier Entwicklern, was er von ihnen hält: nämlich gar nichts. Seiner Meinung nach sind sie "für das Spiel nicht wichtiger als der Kerl am Fließband, der es zusammenbaut".
Wenig verwunderlich, dass die vier Entwickler nach diesem Meinungsaustausch bei Atari aussteigen. Stattdessen gründen sie zusammen mit Jim Levy, einem Manager aus der Musikindustrie, ihr eigenes Entwicklungsstudio: Activision. Der Name geht auf Jim Levy zurück und setzt sich aus "active" und "television" zusammen. Levy übernimmt zudem den Posten des CEOs. In der Anfangszeit entwickelt Activision überwiegend Spiele für Atari-Konsolen und ist damit der erste unabhängige Third-Party-Entwickler. Zuvor war es üblich, dass ausschließlich der Konsolenhersteller für seine eigenen Spielemaschinen Games entwickelt. Dieser Umstand führt zu rechtlichen Auseinandersetzungen mit Atari. Doch es gibt auch Erfreuliches: Die Spiele von Activision verkaufen sich gut. Bedeutende Hits sind das Shoot' em up River Raid (1982) von Carol Shaw und insbesondere das Jump & Run Pitfall! (1982) von David Crane.
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Aus Activision wird Mediagenic
Als der Video Game Crash in den USA über die Branche hineinbricht, setzt Activision vermehrt auf die Entwicklung für Heimcomputer und PC. Wichtige Titel in dieser Zeit sind H.E.R.O. (1984), Pitfall 2: Lost Caverns
Quelle: Moby Games
In Civilization: Call to Power (1999) führen wir eine menschliche Zivilisation von der Steinzeit bis ins Jahr 3000.
(1984) und Rampage (1986). Zu Letzterem kommt sogar 32 Jahre später eine Filmadaption mit Dwayne Johnson in der Hauptrolle in die Kinos. Interessant: 1984 erscheint mit Ghostbusters das erste Lizenzspiel von Activision. Titel mit zugkräftigen Lizenzen sind viele Jahre später ein wichtiger Eckpfeiler der kalifornischen Spielefirma. Gleichzeitig agiert Activision zunehmend als Publisher für andere Studios. Ein Beispiel ist etwa die PC-Umsetzung von The Last Ninja (1988).
Activision geht nun auf Expansionskurs. 1986 kaufen die Kalifornier den finanziell angeschlagenen Text-Adventure-Spezialisten Infocom. Den Ausschlag gibt Jim Levy, der ein großer Fan von Spielen wie Zork (1980-1982) und The Hitchhiker's Guide to the Galaxy (1984) ist. Doch sechs Monate später steigt Levy bei Activision aus. Seinen Posten übernimmt Bruce Davis, der ein Gegner des Infocom-Kaufs gewesen ist. 1984 sind bereits Alan Miller und Bob Whitehead aufgrund interner Differenzen ausgestiegen. Jetzt verlässt auch David Crane wegen persönlicher Auseinandersetzungen mit Bruce Davis das von ihm mitgegründete Unternehmen.
Quelle: Moby Games
Der Kauf von Infocom erweist sich als Fehler. Auch der Wechsel vom Text- zum Grafikadventure funktioniert nicht. Bild: Leather Goddesses of Phobos 2.
Allerdings soll Bruce Davis mit seinen Bedenken Recht behalten. Die Spiele von Infocom werfen keinen Gewinn ab. Die Zeit für Textadventures scheint endgültig vorbei zu sein, spätestes als hochwertige Grafikadventures von Sierra und Lucasfilm Games (später LucasArts) erscheinen. Ab 1988 weitet Activision sein Geschäft auf Anwendersoftware aus und ändert seinen Firmennamen in Mediagenic. Doch der Erfolg bleibt aus. Im Gegenteil, Mediagenic schreibt dauerhaft rote Zahlen. Hinzu kommt eine millionenschwere Strafe für Patentrechtverletzungen aus der Levy-Ära. Diese Gelegenheit nutzt eine Investorengruppe um Bobby Kotick, die im Dezember 1990 bei Mediagenic einsteigt. Davis muss gehen und Kotick übernimmt fortan den Posten als CEO. Aus Mediagenic wird wieder Activision. Zudem liegt der Fokus wieder allein auf PC- und Videospielen.
Lizenzspiele und brachiale Shooter-Action
Erste Erfolge feiert das neugeborene Activision mit Spielesammlungen. Ausgerechnet die Compilation The Lost Treasures of Infocom (1991) erweist sich als finanzieller Erfolg. Weitere bedeutende Titel sind Mechwarrior 2 (1995), Interstate '76 (1997), ein indizierter Shooter von id Software (1997) und das in Eigenregie entwickelte Civilization: Call to Power (1999). Letzteres steht übrigens außerhalb der berühmten Globalstrategiereihe von Sid Meier, teilt sich aber mit ihr den Namen und die Inspirationsquelle, das Brettspiel Civilization von Avalon Hill. Aufgrund von Lizenzstreitigkeiten darf der Nachfolger Call to Power 2 (2000) schließlich kein Civilization mehr im Titel tragen.
Um das Jahr 2000 herum startet Activision richtig durch. Ein Erfolgsgarant sind die Skateboardspiele der Tony Hawk's-Reihe (1999-2015). Außerdem setzt Activision nun verstärkt auf zugkräftige Lizenzen. Darunter sind beispielsweise die X-Men-Reihe (2000-2011), die Spider-Man-Serie (2002-2014) und mehrere Star Trek-Spiele (1999-2003). Vor allem unter Letzteren sind einige spielerische Highlights wie etwa das Echtzeitstrategiespiel Star Trek Armada (2000), der Ego-Shooter Star Trek: Voyager - Elite Force (2000) und die Weltraum-Flugsimulation Star Trek: Bridge Commander (2002).
Quelle: Moby Games
In Rampage (1986) mutieren wir zu überdimensionierten Monstern und zerlegen Städte.
Endgültig auf der Erfolgsspur ist Activision mit der Veröffentlichung von Call of Duty (2003). Der im Zweiten Weltkrieg angesiedelte Shooter ist eindeutig von Electronic Arts' erfolgreicher Medal of Honor-Reihe (seit 1999) inspiriert. Das kommt nicht von ungefähr. Immerhin setzt sich ein Großteil des Teams von Entwickler Infinity Ward aus Spieldesignern und Programmierern zusammen, die im Vorjahr an Medal of Honor: Allied Assault gearbeitet haben. Zahlreiche Nachfolger und Spin-offs entstehen in den kommenden Jahren und begeistern die Spieler mit ihrer brachial inszenierten Action. Ebenfalls ein großer kommerzieller Erfolg ist die Reihe Guitar Hero (seit 2006). Das Musikspiel kommt bei Hobbygitarristen hervorragend an und ist ein Millionenseller.
Vivendi Games = Blizzard + Sierra
Vivendi Games kann nicht auf eine derart lange Geschichte in der Spielebranche zurückblicken wie Activision. Dafür aber auf eine sehr abwechslungsreiche. 1996 kauft CUC International, ein in den USA auf Kundenservices spezialisiertes Unternehmen, die Entwicklungsstudios Sierra On-Line und David & Associates (zu denen auch Blizzard Entertainment gehört). Sierra ist neben LucasArts DIE Adventure-Schmiede in der Hochphase des Adventure-Genres (circa Mitte der Achtziger- bis Mitte der Neunzigerjahre). Zu den bekanntesten Spielen gehören beispielsweise die
Quelle: Activision Blizzard
Von den Starbreeze Studios entwickelt, von Vivendi Games veröffentlicht: The Chronicles of Riddick: Escape from Butcher Bay (2004).
Reihe King's Quest (1984-1998) von Roberta Williams, die Serie Leisure Suit Larry (1987-1995) von Al Lowe oder auch die Reihe Gabriel Knight (1993-1999) von Jane Jensen. Aber der Ruhm verblasst allmählich. Blizzard gehört hingegen zu den angesagtesten Studios, dank Mega-Hits wie dem Echtzeitstrategiespiel Warcraft: Orcs & Humans (1994) und dem Action-Rollenspiel Diablo (1996).
CUC International kann sich allerdings nicht sehr lang an den erworbenen Studios und der neu gegründeten Firma CUC Software erfreuen. Infolge finanzieller Unregelmäßigkeiten wechselt das Unternehmen sowohl den Besitzer als auch den Namen. Das geht so von 1997 bis 2001 weiter. Schließlich geht die Firma an Vivendi, seines Zeichens der größte französische Medienkonzern, und erhält den Namen Vivendi Games. Diese unruhigen Zeiten gehen scheinbar spurlos an Blizzard vorbei. Dort entstehen ständig neue Hits: das Echtzeitstrategiespiel Starcraft (1998), ein wichtiger Wegbereiter des E-Sports, die Action-Rollenspiel-Fortsetzung Diablo 2 (2000) und Warcraft 3: Reign of Chaos (2002). Bei Vivendi Games weiß man den Wert von Blizzard richtig einzuschätzen und lässt die kreativen Köpfe dort weitgehend in Ruhe werkeln. Das sieht bei Sierra anders aus. Es kommt zu Umstrukturierungen, Schließungen und Entlassungen.
Sierra dient nun in erster Linie nur noch als renommierter Name beim Publishing. Unter dem Label Sierra Entertainment werden aber durchaus gute Spiele veröffentlicht. Darunter sind Titel wie die beiden erstklassigen Echtzeitstrategiespiele Empire Earth (2001) und Homeworld 2 (2003) sowie der
Quelle: Activision Blizzard
Der lang ersehnte Nachfolger eines Rollenspielgiganten: Diablo 3 (2012). (1)
Ausnahmeshooter Half-Life 2 (2004). Unter dem Namen Vivendi Games wird zum Beispiel das großartige Stealth-Actionspiel The Chronicles of Riddick: Escape from Butcher Bay (2004) der Starbreeze Studios veröffentlicht. Der ganz große Wurf gelingt dann Ende des Jahres 2004. Verantwortlich dafür ist natürlich Blizzard. Das MMORPG World of Warcraft erblickt das Licht der Welt und hat auf Anhieb einen riesigen Erfolg. WoW erfindet das MMO-Genre nicht neu, kombiniert aber bekannte Features hervorragend miteinander und ist vor allem einsteigerfreundlicher und zugänglicher als andere Vertreter des Genres. Sprich: Mit seiner relativ steilen Motivationskurve ist es erheblich massentauglicher. Bis heute erfreut sich WoW großer Beliebtheit und gilt als eines der erfolgreichsten Computerspiele aller Zeiten.
Die Megafusion
Im Jahr 2007 kommt es schließlich zur Megafusion. Activision, mittlerweile die Nummer zwei in der Computer- und Videospielbranche hinter Electronic Arts, und Vivendi Games schließen sich zusammen. Hauptanteilseigner ist mit 52 Prozent Vivendi Games' Mutterkonzern Vivendi. Als CEO fungiert Activisions Bobby Kotick. Beim Firmennamen der neuen Nummer eins in der Branche fällt die Wahl auf Activision Blizzard. Das spiegelt vor allem die Bedeutung von Blizzard Entertainment für Vivendi wider. Der Name hat Zugkraft, ganz im Gegenteil zu Sierra. Das altehrwürdige Sierra hört
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Einer der frühesten Activision-Titel: River Raid (1982).
2008 endgültig auf zu bestehen. Mehrere in der Entwicklung befindliche Titel werden an andere Publisher verkauft. Beispielsweise Ghostbusters: The Videogame (2009) an Atari, Brütal Legend (2009) an Electronic Arts und WET (2009) an Bethesda Softworks.
Spiele werden nicht unter dem Namen Activision Blizzard veröffentlicht, sondern jeweils unter Activision oder Blizzard Entertainment. In den folgenden Jahren erscheinen unter dem Label Activision weiterhin zahlreiche Lizenzspiele. In diversen James Bond-Spielen (2006-2013) schlüpfen wir in die Rolle des britischen Geheimagenten. Andere bekannte versoftete Lizenzen sind Transformers, Men in Black, Madagascar, Ice Age und Shrek. Großen Erfolg hat Activision mit dem Toy-to-Life-Actionspiel Skylanders. Kinder, Jugendliche und wohl auch so manche Erwachsenen schmeißen Activison haufenweise Kohle für die Plastikfiguren in den Rachen.
Von Blizzard Entertainment erscheinen die langersehnten Fortsetzungen Starcraft 2: Wings of Liberty (2010) und Diablo 3 (2012). Zudem liefert Blizzard ständig Nachschub in Form von neuen Inhalten für World of Warcraft. Natürlich gibt es außerdem regelmäßig Fortsetzungen im gewinnträchtigen Call of Duty-Universum. Das Geschäft läuft für Activision Blizzard hervorragend. Sogar so sehr, dass sich Activision Blizzard von
Quelle: Activision Blizzard
Plastikfiguren treffen auf Videospielwelt: Skylanders Superchargers (2015).
Vivendi freikauft. Deren zwischenzeitlich auf 63 Prozent gestiegener Anteil schrumpft auf 11,8 Prozent. Später verkauft Vivendi sogar sämtlicheAnteile.
Weitere Standbeine
2014 hat Activison Blizzard den nächsten potenziellen Hit in der Pipeline. Der MMO-Shooter Destiny verkauft sich hervorragend und beschert dem Branchenriesen neue Gewinnrekorde. Auch Blizzards MOBA Heroes of the Storm (2015), das auf Free2Play und Mikrotransaktionen setzt, lässt die Kassen klingeln. Im Sommer 2015 schafft es Activision Blizzard sogar in den S&P 500 (Standard & Poor's 500), einen Aktienindex, der die größten börsennotierten US-Unternehmen umfasst und zu den meistbeachteten Aktienindizes der Welt zählt. Neben Activision Blizzard befindet sich aus der Computer- und Videospielbranche lediglich Electronic Arts im S&P 500.
Quelle: Activision Blizzard
Eines der ersten finanziell sehr erfolgreichen Franchises: Die Tony Hawk’s-Reihe (1999-2015). Im Bild seht ihr Tony Hawk’s Underground 2 (2004).
Im selben Jahr kauft Activision Blizzard Anteile von Major League Gaming und steigt damit in die gemessen an den Zuschauerzahlen weltweit bedeutendste E-Sport-Liga ein. Einer der wichtigsten Titel ist Blizzards Starcraft 2. Auch danach engagiert sich Activision Blizzard verstärkt im E-Sport. Für Blizzards erfolgreichen Multiplayer-Shooter Overwatch (2016) gründet Activision Blizzard im Jahr 2017 eine eigene Liga, die Overwatch League. Zurück nach 2015. Ebenfalls in dieses Jahr fällt der Kauf des britischen Entwicklers King Digital Entertainment, die auf Smartphone-, Handy- und Browserspiele spezialisiert sind. Bubble Witch Saga und Candy Crush Saga sind zwar spielerisch keine Highlights, dafür aber massenkompatibel und erwirtschaften richtig viel Kohle. Neben traditionellen Spielen, E-Sport und Casual Games erschaffen die Kalifornier Ende 2015 ein weiteres wirtschaftliches Standbein. Die Activision Blizzard Studios sollen Filme und Serien basierend auf hauseigenen Franchises produzieren. Den Anfang macht 2016 die Animationsserie Skylanders Academy. Zudem ist ein Call of Duty-Film in Arbeit, der wohl irgendwann 2019 oder 2020 auf die Leinwand kommen wird. Ruhm und Geld! Von beidem hat Activision Blizzard mittlerweile reichlich.
Die wichtigsten Activision Blizzard-Spiele
Quelle: Activision Blizzard
PitfallPitfall (1982) wandert über vier Millionen Mal über die Ladentheke und ist eines der meistverkauften Spiele für Atari 2600.
Quelle: Activision Blizzard
StacrcraftStarcraft (1998) ist ein bedeutender Wegbereiter des E-Sports und eines der wichtigsten Franchises von Activision Blizzard. Im Bild seht ihr das HD-Remake.
Quelle: Activision Blizzard
Call of Duty Das durch Call of Duty (2003) begründete Franchise gehört zu den erfolgreichsten der Spielebranche. Im Bild: Call of Duty WW2 (2017).
Quelle: Activision Blizzard
Guitar HeroEine geniale Idee und überaus erfolgreich. In Guitar Hero (2005) werden wir dank Gitarrencontroller zum Rockstar. Im Bild seht ihr das auch für PC erschienene Guitar Hero: World Tour (2008).
Quelle: Activision Blizzard
World of WarcraftAuch nach über 13 Jahren noch die wichtigste Marke im Hause Activision Blizzard: das MMORPG der Superlative World of Warcraft (2004).
