Wie das wieder aussieht! Ja, Earth Defense Force 6 ist echt keine Schönheit. Aber trotzdem klasse - erfahrt hier, was es mit dem Koop-Kult auf sich hat!
Bombenteppich auf meine Position!
Das ist in der Praxis aber tatsächlich nicht ganz so stumpf, wie es klingt. Jeder Gegnertyp verhält sich anders und ist auf seine Weise gefährlich, und in EDF 6 gibt es etliche Gegnertypen. Einfach draufhalten funktioniert vielleicht noch bei Ameisen und Spinnen, die zweibeinigen Viecher verlangen aber schon das Anvisieren von Schwachstellen, sie gehen in Deckung und flankieren uns.
Gegner-Spawner sind oft nur aus bestimmten Winkeln verwundbar, UFOs lassen sich erst beschädigen, wenn sie gerade Feinde herabregnen lassen.
Wie die über tausend Waffen im Spiel funktionieren, trägt maßgeblich dazu bei, dass das Geballer nur selten hirnlos ist: Hitscan sucht man hier nämlich vergeblich.
Fast alle Knarren verschießen Projektile mit Flugbahnen und Geschwindigkeiten, die wir einkalkulieren müssen. Das macht es umso befriedigender, wenn wir eine schnelle Drohne mit dem perfekten Sniper-Schuss vom Himmel holen. Dass es ein fantastisches Gefühl ist, mit einem perfekt getimten Flächenbombardement des Air Raiders eine ganze Armee von Feinden wegzusprengen, muss ich wohl nicht extra dazu erwähnen.
Alles für die Kisten
Die Fortschrittssysteme sind genauso einfach wie motivierend: Gegner lassen beim Tod grüne und rote Kisten fallen. Je härter der Feind, desto mehr Boxen regnen heraus. Jede grüne Kiste verschafft uns eine neue Waffe oder verstärkt eine, die wir bereits haben, jede rote Kiste gibt uns dauerhaft einen zusätzlichen Lebenspunkt.
Dass wir die Dinger alle selbst einsammeln müssen, kann allein ganz schön mühsam werden, es gibt dem Spiel aber auch noch etwas mehr taktische Tiefe: Lassen wir die Feinde erst alle zu uns kommen, grasen wir die Kisten schneller ab, dafür ist die Schlacht aber logischerweise schwieriger zu überstehen.
Abhilfe schafft der Multiplayer-Modus, der online zu viert oder im Splitscreen zu zweit nutzbar ist. Spielt einer unserer Kollegen einen flinken Wing Diver, kann er problemlos den ganzen Loot einsammeln, den am Ende der Mission alle Mitspieler gutgeschrieben bekommen.
Die Kehrseite der Multiplayer-Medaille: Friendly Fire ist immer aktiv, und je größer die Explosion, desto höher die Chance, dass sie auch mal einen EDF-Kameraden erwischt. Rein zufällig, natürlich.
Antiquitäten sind teuer
Wenn ihr jetzt schnurstracks in den Digitalstore eures Vertrauens marschiert, um euch selbst ein Bild von EDF zu machen, seid ihr aber vielleicht trotzdem erstmal abgeschreckt. Ja, Earth Defense Force 6 (jetzt kaufen 78,96 € ) kostet wirklich satte 60 Euro, es hat jetzt schon einige DLC-Items, und nein, auch wenn diese Reihe einen festen Platz in meinem Herzen hat, finde ich das nicht gerechtfertigt.
Über zu wenig Spiel fürs Geld kann man sich nicht beschweren, immerhin dauert es vermutlich über 50 Stunden, EDF 6 durchzuspielen - auf einem Schwierigkeitsgrad und mit einer Klasse, wohlgemerkt. Aber diese Spielzeit wird mit einer Menge Recycling und teils sehr gestreckten Missionen erkauft.
Quelle: Sandlot
Von kleinen Quality-of-Life-Verbesserungen mal abgesehen ist Earth Defense Force 6 nicht viel mehr als ein riesiges Missionspack für Teil 5, der wiederum auch als Erweiterung für Teil 4 durchgehen könnte, und so weiter. Das Motto "Never change a running system" nehmen sich die Entwickler so zu Herzen wie nur wenige andere, und ihre Zuverlässigkeit lassen sie sich fürstlich entlohnen.
Auch an der Technikfront stagniert EDF seit - nun ja, fast schon seit es die Serie gibt. Earth Defense Force 6 sieht, genau wie seine beiden Vorgänger, wie ein frühes PS3-Spiel aus, braucht wegen seiner tausenden Feinde und Physikeffekte aber trotzdem ein aktuelles System, um nicht ins Stottern zu geraten. Auf dem PC ist die Framerate auf 60 FPS begrenzt, das Optionsmenü ist mehr als spartanisch.
Wenn ihr die Steam-Seite von EDF 6 ansteuert, dann werdet ihr über die vernichtenden Bewertungen stolpern, die es zum Launch kassiert hat. Der Grund: Für den Online-Multiplayer, das Herzstück des Spiels, wird die Verknüpfung mit einem Epic-Games-Account vorausgesetzt.
Die Einrichtung dauert zwar nur ein paar Sekunden, allerdings wurde dieser Account-Zwang anfangs nirgendwo auf der Store-Seite gekennzeichnet. Wir im Business bezeichnen so etwas als "dämlichen Move".
EDF! EDF! EDF!
Eigentlich ist Earth Defense Force 6 nämlich ein extrem charmantes, motivierendes und vor allem wunderbar altmodisches Spiel, das ich Koop- und Shooter-Fans wärmstens empfehlen kann.
Ihr solltet ein Faible für Trash mitbringen und müsst (im positivsten Sinne) leicht zu unterhalten sein. Technik und Preispolitik gehen wohl auch nur mit zwei zugedrückten Augen in Ordnung. Wenn ihr euch aber zu dieser speziellen Zielgruppe zählt, dann liefert Earth Defense Force ein Erlebnis, das einfach großen, debilen Spaß macht, für viele, viele Stunden. Und wenn wir mal ehrlich sind: Manchmal reicht das schon völlig aus.
