Jahresrückblick 2017: Mixed Reality, hohe Preise für Grafikkarten und RAM

Special Antonio Funes
Jahresrückblick 2017: Mixed Reality, hohe Preise für Grafikkarten und RAM
Quelle: PC Games Hardware

Das Jahr 2017 neigt sich dem Ende. Wir schauen uns daher an, welche Hardwarethemen vor allem im Gamingbereich für Schlagzeilen sorgten: neue CPUs, neue Grafikkarten, aber auch die neue Xbox One X sowie das Trendthema Mixed Reality. Auch zwei negative Trends greifen wir auf, nämlich den Preisanstieg bei Arbeitsspeicher sowie bei Grafikkarten.

Trend 2017: Mixed Reality

Mit dem letzten größeren Creators-Update hat Microsoft endgültig den Weg für MR beziehungsweise AR auf PCs mit Windows 10 geebnet. MR und AR stehen für Mixed beziehungsweise Augmented Reality, nahen Verwandten von Virtual Reality.

Bei VR ist die komplett durch ein VR-Headset erlebte Umgebung vom PC berechnet und hat nichts mit der Realität zu tun, in der sich der Nutzer gerade aufhält.

Acer MR-Headset Quelle: Microsoft.com Acer MR-Headset Bei MR (und AR) wird der Fokus aber in der Regel mehr darauf gelegt, dass die durch entsprechende Geräte betrachtete Umgebung nicht komplett virtuell ist, sondern auch Elemente aus der echten Umgebung, die um den Nutzer herum vorhanden ist, enthält. Auch möglich ist beispielsweise, dass der Nutzer die echte Umgebung sieht und der Computer nur einzelne Elemente in das Bild einblendet - beispielsweise virtuelle Möbel, um deren Wirkung im echt vorhandenen Raum einschätzen zu können und darauf basierend einen Kauf zu tätigen. Mehrere Hardwarehersteller wie Acer und Dell haben zusammen mit Microsoft im Rahmen der MR-Offensive auch an Headsets für diesen Zweck gearbeitet. Auch Apple forciert das Thema MR beziehungsweise AR und hat für die aktuellen iOS-Versionen eine AR-Schnittstelle (ARKit) eingebaut, um es App-Entwicklern zu erleichtern, entsprechende Anwendungen zu erschaffen. Im Falle des iPhones betrachtet man beispielsweise die echte, von der Smartphone-Kamera aufgenommene, Umgebung auf dem Display des Smartphones, und die App fügt virtuelle Inhalte hinzu. Diese Methode kennt ihr auch vom Erfolgsspiel Pokemon Go.

Im Rahmen der Präsentation der neuen iPhones hatte Apple unter anderem das Strategiespiel "The Machines" dazu genutzt, die AR-Möglichkeiten vorzustellen.

Ge-Mine Preise für Grafikkarten

Viele Nutzer freuten sich auf die neuen Grafikkarten von AMD, die im Mai erschienen. Denn mit einem Preis von nur etwa 180 bis 190 Euro war die AMD RX 570 ein Knaller beim Preis-Leistungs-Verhältnis: nur 20 bis 30 Euro teurer als eine Nvidia GTX 1050 Ti, aber deutlich stärker und sogar relativ nahe an einer Nvidia GTX 1060, die es erst ab 250 Euro im Handel gab. Die AMD RX 580 wiederum ist zwar nicht stärker als eine Nvidia GTX 1060, lockte aber mit einem günstigeren Preis sowie der Tatsache, dass Monitore mit AMDs Freesync-Funktion deutlich günstiger als Monitore mit Nvidias G-Sync-Funktion sind.

AMDs RX 570 - hier von Sapphire - kostet derzeit 60 Euro mehr als im Mai 2017 Quelle: PC Games Hardware AMDs RX 570 - hier von Sapphire - kostet derzeit 60 Euro mehr als im Mai 2017 Doch so genannte Miner machten AMD-Gaming-Fans einen Strich durch die Rechnung: Kurz nach Release der beiden Grafikkarten AMD RX 570 und RX 580 schnellten deren Preise in die Höhe. Denn vor allem viele AMD-Grafikkarten sind durch ihre Architektur besonders gut dafür geeignet, spezielle Rechenoperationen durchzuführen, um die Kryptowährung Ethereum (im übertragenen Sinne) abzubauen. Man spricht bei dem Abbau daher auch von Mining (Englisch für Bergbau, Abbau, Förderung). Die Nachfrage durch die so genannten Miner stieg ab etwa Juni 2017 dermaßen an, dass die Preise für die AMD-Modelle RX 470, RX 480, RX 570 und RX 580 stark in die Höhe schnellten, auch einige Nvidia-Modelle folgten. Statt 240 Euro für eine AMD RX 580 waren plötzlich über 300 Euro fällig.

Offenbar erhöhten aber nicht AMD oder Nvidia die Preise mit purem Kalkül, sondern da vor allem AMD die hohe Nachfrage nicht abdecken konnte, kletterten die Preise allein durch die Nachfrage in die Höhe. Inzwischen gibt es eine leichte Beruhigung der Lage vor allem bei Nvidia-Grafikkarten, obgleich wir noch im September über eine Analyse berichteten, laut der die Grafikkartenpreise weiter steigen sollten. Die AMD RX 570 und RX 580 sind aktuell immer noch teurer als bei ihrem Release. Die Erweiterung des Sortiments um eine AMD RX 580 mit vier statt acht Gigabyte Grafik-Speicher sorgte dabei für eine kleine Entspannung.

Seit Monaten praktisch nicht verfügbar: AMDs RX Vega-Grafikkarten Quelle: PC Games Hardware Seit Monaten praktisch nicht verfügbar: AMDs RX Vega-Grafikkarten Allerdings sind die beiden Oberklasse-Modelle von AMD, die RX Vega 56 und RX Vega 64, noch immer Mangelware. Schon bei Release der beiden Karten im August waren die Regale schnell leergekauft, obwohl die Preise über der UVP von AMD lagen. Hierfür waren offenbar vor allem Miner verantwortlich, da sich der Kauf der Grafikkarten trotz der Preise auf Dauer rentiert. Was jedoch auch noch beim Preisverlauf von Grafikkarten hinzukam: die Speicherpreise, was natürlich auch Grafikkarten betrifft, sind im Laufe des Jahres stark gestiegen. Dies ist unser nächster Themenblock.

Speicher im Preisrausch

Im Sommer 2016 freuten sich viele Nutzer über die RAM-Preise und kauften für schlappe 50 Euro gleich 16 Gigabyte DDR3- oder DDR4-Speicher ein, wenn ein neuer PC oder eine Aufrüstung anstand, obwohl acht Gigabyte auf absehbare Zeit noch als völlig ausreichend erscheinen. Doch nach dem Preistief stiegen die Preise an. Dass es nicht endlose Preisnachlässe geben würde, war zwar klar.

Die Preise für DDR4-RAM, hier Corsair Dominator Platinum, haben sich seit Sommer 2016 verdreifacht. Quelle: Corsair Die Preise für DDR4-RAM, hier Corsair Dominator Platinum, haben sich seit Sommer 2016 verdreifacht. Aber spätestens Ende 2016 kristallisierte sich langsam heraus, dass der Tiefstpreis von etwa 50 Euro in weite Ferne rücken sollte.Inzwischen kosten 16 Gigabyte DDR3-RAM ab etwa 120 Euro - das ist mehr als doppelt so viel wie noch im Sommer 2016. Noch schlimmer trifft es aber DDR4-RAM, das ja aktuell für einen neuen PC oder ein Upgrade mit neuer, aktueller CPU und neuem Mainboard benötigt wird. Denn hier haben sich die Preise verdreifacht: unter 150 Euro findet sich im Handel derzeit kein 16GB-Kit DDR4-RAM mit einem Takt von mindestens 2.400 Megahertz. Betroffen sind aber nicht nur RAM für PCs, sondern so gut wie alle Speicherchips für Arbeitsspeicher oder Flashspeicher. Wir berichteten vor wenigen Tagen diesbezüglich auch, dass in China mittlerweile sogar die Behörden ermitteln, ob die Preissteigerungen nur durch die hohe Nachfrage zustande gekommen sind oder ob möglicherweise die drei marktbeherrschenden Firmen Samsung, SK Hynix und Micron die Preise absprechen. Dass es eine hohe Nachfrage gibt, kann man aber nicht von der Hand weisen, denn der Markt an mobilen Geräten, die immer mehr Speicherchips benötigen, boomt ebenso wie der Markt für Serveranbieter, die ebenfalls auf viel Speicher angewiesen sind.

Frohes neues Jahr!

Dies war unser Jahresrückblick der aus unserer Sicht wichtigsten Hardwarethemen rund um PC-Gaming für das Jahr 2017. Wir wünschen euch ein fröhliches, erfolgreiches und friedliches Jahr 2018, in dem ihr hoffentlich auch einige schöne Stunden mit PC-Spielen erleben werdet!

  1. Seite 1 Jahresrückblick 2017: Einleitung und CPUs Teil 1
  2. Seite 2 Jahresrückblick 2017: CPUs Teil 2
  3. Seite 3 Jahresrückblick 2017: Grafikkarten und Xbox One X
  4. Seite 4 Jahresrückblick 2017: Mixed Reality, hohe Preise für Grafikkarten und RAM
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