Kann Hironobu Sakaguchis Werk den Stein ins Rollen bringen und die RPG Welt endgültig für Xbox Spieler öffnen?
Zwei Ringe, sie zu treffen ...
Lost Odyssey
Die Auseinandersetzungen auf dem Schlachtfeld bieten aber deutlich mehr, als nur eine simple Auswahl an Aktionen. Die Formation hat z. B. deutlichen Einfluss auf den erlittenen Schaden, den flächendeckende Angriffe verursachen. Die Gruppenmitglieder an der Front dienen einem virtuellen Verteidigungswall, der in Form einer Balkenanzeige am oberen Bildrand angezeigt wird. Die Stärke dieser Mauer entspricht den Lebenspunkten der Frontkämpfer. Erleiden diese Schaden, bricht auch das Verteidigungssystem zusammen, welches die Helden im Hintergrund in einen schützenden Mantel hüllt. Bullige oder kampferprobte Charaktere wie Kaim oder Seth eigenen sich daher hervorragend, um ähnlich wie in einem MMORPGs als Tank allen Schaden auf sich zu ziehen, während die Magier aus dem Hintergrund agieren. Dieses System macht sich auch der Feind zunutze. Vor allem Endgegner profitieren stark von einer solchen Schutzmauer. Zuerst müsst ihr die kleinen Schergen vom Bildschirm fegen, bevor die Angriffe auf Gegner in den hinteren Reihen tatsächlich eine Wirkung zeigen. Die Bossgegner stellen mitunter kämpferische Highlights in "Lost Odyssey" dar. Diese lassen sicht nicht unbedingt durch eine stupide Bearbeitung über den Jordan schicken. Oftmals muss man sich für diese eine ausgeklügelte Strategie zurechtlegen!
Lost Odyssey
Zu Beginn des Spieles erlangt ihr zudem einen so genannten Verstärkungsringe. Dieser ergänzt den normalen Schwertangriff mit einer spielerischen Raffinesse, welche uns aktiv in das ansonsten auf Runden basierende Gameplay integriert. Greift ein mit einem Verstärkungsring ausgerüstetes Gruppenmitglied einen Gegner direkt mit seinen Waffen an - es wird also kein Zauber oder kein spezielles Item eingesetzt - so erscheinen auf dem Bildschirm zwei Zielringe. Der kleinere Ring breitet sich um die Silhouette des Schergen aus, dem dieser Angriff gilt. Der größere Ring schrumpft durch das Drücken der RT-Taste kontinuierlich zusammen. Sobald sich dieser mit dem kleinen Zielring deckt, sollte man die RT-Taste wieder loslassen. Es erscheint eine Wertung eures Reaktionsverhaltens von schlecht bis perfekt. Dies wiederum beeinfluss ähnlich wie das Judgment-System von "Shadow Hearts" euren physikalischen Angriff. Bei richtiger Ausführung kann die Wirkung des Ringens auf den Schlag übergehen und dem Feind ordentlich Lebensenergie abziehen!
Diese Helden lassen sich nicht viel sagen ...
Lost Odyssey
Die Ringe stellen mitunter eine der wenigen Möglichkeiten dar, die eigene Truppe im Laufe des Abenteuers individuell auszurüsten. Die Schmuckstücke können in Kisten gefunden, mittels einiger Materialen selber angefertigt oder bei fachkundigen Händlern erworben werden. Das tragen eines solchen Ringes ermöglicht das Zielsystem im Kampf, offenbart darüber hinaus aber auch zusätzliche Möglichkeiten. Vor allem die Unsterblichen profitieren stark von den magischen Eigenschaften der Ringe, die sie nach einem entsprechend langem Einsatz erlernen und für immer - ohne den eigentlichen Ring weiterhin ausgerüstet zu haben - nutzen können. Ihr könnt dadurch zahlreiche unterschiedliche Fertigkeiten erlangen, die ihr anschließend in einigen der wenigen Slots ausrüsten dürft. Besonders praktisch ist zum Beispiel das Erkennen der gegnerischen Trefferpunkte sowie deren Schwächen, was offenkundig den Kampf und die Wahl der richtigen Angriffe erleichtert. Durch das Ringsystem erlernen einige Helden aber auch die Magie zu nutzen oder spezielle Aktionen wie "stehlen" auszuführen. Die sterblichen Charaktere müssen wiederum die Ringe ausgerüstet haben, ansonsten übertragen sich die Eigenschaften nicht. Dafür erlernen diese mit dem Levelaufstieg aufgrund ihrer Begabung automatisch einige Fähigkeiten wie auch Zauber. Diese können sich die Unsterblichen wiederum zunutze machen und von ihren Kollegen abkupfern. Ein ständiger Austausch an Fachwissen fördert somit reichlich Entwicklungspotenzial. Leider haben die Entwickler viel verschenkt! Denn allein aufgrund der Charakterattribute bilden sich recht schnell zwei Lager heraus: Die einen agieren eher mit physikalischen Attacken und lieben das blutbeschmierte Schwert, während sich die schwächeren Charaktere die Hände kaum schmutzig machen und mit Elementmagie oder Geistermagie zu Werke gehen. Man hat quasi kaum die Möglichkeit, seine Helden individuell auszurichten, was den Widerspielwert stark mindert.
Lost Odyssey
Zudem beschränkt sich die Charakterausstattung weitestgehend auf das Anlegen der unterschiedlichen Ringe, deren es zahlreiche in der Welt von "Lost Odyssey" gibt. Daher ist das Menü ähnlich wie bei den Fähigkeiten dann doch recht schnell überladen und unübersichtlich. Andere Bereiche lassen dagegen zu Wünschen übrig. Rüstgegenstände wie Schwerter, Zauberstöcke und ähnliches sucht man fast vergebens. Hier und da finden sich zwar neue Items, von einer üppigen oder gar verschwenderischen Auswahl kann aber nicht die Rede sein. Auf weitere Accessoires wie Rüstungen, Stiefel oder Helme muss sogar komplett verzichtet werden, ähnlich wie auf eine Vertiefung in einzelne Charaktereigenschaften und Fähigkeiten, denn eine Verteilung von Attributspunkten nach einem Levelaufstieg ist ebenfalls nicht vorhanden. Einen Vorteil hat dies aber dennoch: Man ärgert sich nicht mehr so sehr darüber, dass Erfahrungspunkte nur äußerst begrenzt ausgeschüttet werden. Ist ein gewisser Level erreicht, versorgen erledigte Feinde uns kaum noch mit Punkten und der Aufstieg in den nächsten Level wird zur langwierigen Tortur. Erst mit dem Besuch eines neuen Abschnitts offerieren uns neue und vor allem deutlich stärkere Kreaturen wieder Erfahrungspunkte. Dass schwache Feinde nichts mehr abwerfen, ist durchaus normal, in "Lost Odyssey" hat man aber kontinuierlich das Gefühl, dass man vom Spielsystem stark eingeschränkt wird. Man verspielt quasi die Möglichkeit, seine Heldentruppe durch Kampferfahrung auf einen Bosskampf vorzubereiten.
