Mass Effect 3 im Gamezone-Test

Test Sandro Odak

Wir finden: Mass Effect 3 ist zwar der schwächste Teil der Serie, bringt die epische Geschichte aber zu einem würdigen Ende.

Die Reaper sind los

Mass Effect 3 Quelle: Electronic Arts. Mass Effect 3 Zur Geschichte: Shepard wird nach den Ereignissen des zweiten Teils kurzfristig vom Dienst suspendiert, jedoch behält uns die Erden-Führung in der Nähe. Als plötzlich die Kommunikation zu menschlichen Kolonien überall im All abreißt, wird selbst den letzten Zweiflern klar: Die Reaper sind da! So schnell wie möglich soll eine Armee aufgebaut werden, die eine Invasion auf der Erde verhindert. Aber zu spät: Just als Shepard vor den Rat tritt, um zu berichten dass Diplomatie im Kampf gegen die Reaper nicht hilft, wird auch schon die Erde angegriffen. Gigantische Schiffe schweben vom Himmel hera, Zerstörung macht sich breit. Von der Mondbasis hört man zuvor nur eine kurze Übertragung und dann Hilfeschreie. Als Expertin im Kampf gegen die Reaper übernimmt Shepard also wieder das Kommando über die Normandy und erhält einen Auftrag von Admiral Anderson: Wir sollen ausfliegen und alle Verbündeten in der Galaxis zusammentrommeln. Denn nur gemeinsam hätte man eine Chance gegen diese Übermacht.

Mass Effect 3 Quelle: Electronic Arts. Mass Effect 3 Turianer, Asari, Quarianer, Salariane, Kroganer; sie alle könnten zu diesem Krieg gegen die Reaper etwas beitragen. Doch viele der Völker haben eigene Probleme und Kämpfe zu bestreiten oder wollen erst etwas von Shepard, bevor sie die Allianz unterstützen. Ein intergalaktisches rumbetteln (zum Teil muss man auch battlen) beginnt und zeigt, wie schwer Vermittlungen in so einem außenpolitischen Fall sein können. Denn wie in der Realität lassen sich alle Beteiligten nur schwer unter einen Hut bringen. Folgenschwere Entscheidungen zu treffen fällt da auch darunter. Und was darf bei so einem Debakel nicht fehlen? Genau, eigene Leute, die einem immer wieder das Bein stellen wollen.

Als wir schon die ersten NPCs einsammeln und auf das Schiff rekrutieren (einige kommen auf jeden Fall mit, andere kann man optional dazu holen oder auch nicht aufnehmen), wendet sich das Blatt. Kann eine uralte Technologie, versteckt in einem Artefakt, vielleicht den Sieg bringen?

Alte Bekannte

Mass Effect 3 Quelle: Bioware Mass Effect 3 Ein Fest für Fans und Kenner der Vorgänger und vor allem auch der DLCs wird das Wiedersehen mit alten Freunden sein. An manchen Stellen hat uns das Treffen von solchen Bekanntschaften wirklich ein Lächeln auf die Lippen gezaubert - eben noch eine harte Entscheidung treffen müssen, dafür aber im nächsten Moment Person XY zu treffen, macht einem das Leben etwas einfacher. Je nachdem wie man sich diesen Personen gegenüber früher verhalten hat, sind sie auch gleich wieder Feuer und Flamme für uns - oder eben auch eher nicht.

Mass Effect 3 Quelle: Bioware Mass Effect 3 Eine Liebe fürs Detail haben die Macher von BioWare bei kleinen Späßchen entwickelt: Wenn Liara T'Soni in ihrem Hightech-Kämmerchen über Yahg witzelt, wissen Kenner des Shadow Broker DLCs gleich Bescheid um was es geht, wenn Garrus sich süffisant mit den Worten "Ich muss mich jetzt - ob sie's glauben oder nicht - um einige Kalibrierungen kümmern" verabschiedet, grenzt das schon an Selbstironie. Und auch die anderen Charaktere haben eine gute Portion Humor abbekommen. Das gefällt uns und hat uns immer wieder zumindest ein Lächeln, in manchen Situationen sogar ein lautes Lachen bereitet.

Zu schnell erzählt?

Mass Effect 3 Quelle: BioWare Mass Effect 3 Bis jetzt klingt Mass Effect 3 eigentlich perfekt. Gute Story-Ausgangslage, viele bekannte Gesichter, auch mal ein wenig Spaß im Spiel. Einige Downsides hat Mass Effect 3 aber trotzdem. Was uns gefallen und eher nicht gefallen hat, erfahrt ihr in den nächsten Absätzen. Der wohl schlimmste Punkt: So sehr mich das Spiel von der Rahmenhandlung her in seinen Bann zieht, so selten schafft BioWare es, mich auch atmosphärisch an Bord zu holen. Als die Reaper auf der Erde einfallen, sehe ich zwar all das Leid, den Kampf und die Opfer, die die Welt bringen muss. Aber bis auf eine Szene packt es mich nicht. Das liegt zum einen an mangelnder Soundunterlegung solcher Szenen und zum anderen auch an einer viel zu raschen Handlungskurve. Das Spiel beginnt sozusagen schon mit dem Ende und tut sich schwer, diese Atmosphäre dann wirklich 35 Stunden lang aufrecht zu halten.

Mass Effect 3 Quelle: BioWare Mass Effect 3 Im Mittelteil verliert man dann die Rahmenhandlung fast aus dem Auge. Was fulminant als dringende Rettungsmission der Welt beginnt, geht fließend in ein Kaffeekränzchen der Unwichtigkeiten über. Natürlich ist das schon immer ein Problem von RPGs, aber "Shepard, retten sie die Welt! Und wenn sie schon auf dem Weg sind, könnten sie vielleicht zwei vollkommen unbedeutende Zivilisten von diesem unbedeutenden, echt ganz schön weit entfernten Planeten retten?" setzt diesem langgezogenen Gameplay irgendwie die Krone auf. Natürlich mache ich es, um mir Beliebtheit und Kriegsbereitschaft fremder Mass-Effect-Rassen zu sichern, aber so recht Sinn ergibt das nicht. Stattdessen hätte sich BioWare ganz einfach zuerst auf Shepards persönliche Geschichte und die Rekrutierung von Freunden und fremder Welten konzentrieren sollen und dann im Mittelteil langsam das Ende einläuten. Auch wenn im Endeffekt die Trilogie ein würdiges Ende findet - ein leicht veränderter Aufbau hätte dem dritten Teil wirklich so gut getan!

Mass Effect 3 Quelle: BioWare Mass Effect 3 Kritik am Dialogsystem von Mass Effect kommt beim dritten Teil zwar vielleicht etwas spät, aber so langsam hat es irgendwie auch ausgedient. Wie schön wäre es, wenn ich tatsächlich ein Gespräch auf Basis mehrerer Optionen führen könnte (was doch technisch mittlerweile möglich sein sollte), und nicht automatisch die obere oder untere Antwort wähle, weil ich immer weiß, dass oben gut und unten böse ist! Das wäre ein wahrer Schritt in Richtung Spielerfreiheit, stattdessen zwängt mich Mass Effect 3 in dieses enge Dialogkorsett, in der eher der Ruf bestimmt wird, als der Ausgang eines Gesprächs. Selbst wenn man dann eine Antwort wählt, die vielleicht nicht zum Spielergusto passt (etwa weil man ein guter Shepard sein will), heißt das nicht, dass diese auch wörtlich wiedergegeben wird. So tappen wir das ein oder andere Mal in die Falle und entscheiden uns wider besseren Wissens für die eigentlich gut klingende, aber untere Antwort, woraufhin Shepard aber in einem Tonfall ausrastet, den wir gar nicht erwartet hatten - die Antwort klang verkürzt einfach total anders!

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 07/2026 play5 07/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk