Mass Effect 3 im Gamezone-Test

Test Sandro Odak

Wir finden: Mass Effect 3 ist zwar der schwächste Teil der Serie, bringt die epische Geschichte aber zu einem würdigen Ende.

"Ich habe gehört, du suchst...?"

Mass Effect 3 Quelle: Bioware Mass Effect 3 Während sich viele Spieler total das Maul über Nebenmissionen zerreißen, finden wir die neue Möglichkeit, Quests anzunehmen, ganz cool. Im Vorbeigehen hört Shepard da auf Citadel beispielsweise zwei Diplomaten darüber sprechen, wie toll es wäre, wenn sie ein bestimmtes Artefakt zur Verfügung hätten. Automatisch gehen diese Gespräche in das Questlog ein, eine Benachrichtigung bekommt man bestenfalls optisch durch eine kurze Einblendung. Das ergibt auch mehr Sinn, als von irgendeiner Person angesprochen zu werden, die will dass man einen Planeten nach einer Kleinigkeit absucht. Die Kritik vieler Spieler: Dialoge bleiben so fast immer aus (nur mit wenigen Nebenquest-Gebern kann man wirklich sprechen) und die sofortige Einpflegung ins Log macht es schwer, all den Quests zu folgen. Das stimmt zum Teil. Wenn man durch die Citadel wandert und plötzlich 20 Aufgaben mehr zu erledigen hat, als davor, dann verwirrt das. Und oft sind die Questgiver auch nicht wirklich von anderen NPCs zu unterscheiden, Unterhaltungen hört man immer wieder mal mit. Die Konsequenz: Wir grasen immer wieder alle Personen in einem Raum ab, in der Hoffnung, dass eine neue Mission ansteht, sobald sie mit Labern fertig sind. Das hätte man ruhig verkürzen können, indem man die Personen auch anspricht, aber gut...

Gameplay

Mass Effect 3 Quelle: Electronic Arts. Mass Effect 3 Das Gameplay ist am Ende wieder ein Mix auf Dialogen, Missionen (also Kämpfen), Erkundung der Citadel und Reisen auf der Galaxiskarte. Fliegt man durch ein Massenportal, kann man in den verschiedenen Galaxien unterschiedliche Systeme anfliegen. Anstatt nun willkürlich Planeten zu scannen, was im Vorgänger nur auf wenig Gegenliebe stieß (außer bei mir!), scannt man nun ein System nach interessantem Krempel ab. So findet man Treibstoff, den man benötigt um zwischen den Systemen zu reisen, und immer wieder Credits, Kriegsaktivposten (dazu später mehr...) und Artefakte, die meist Bestandteil einer Nebenmission sind. Der Clou: Da die Reaper nur selten weit weg sind, macht man sie mit jedem Scanvorgang in einem System auf sich aufmerksam! Scannt man zu viel, orten sie einen und dringen mit ihren Schiffen ein. Dann muss man schnell fliehen, sonst ist das Spiel vorbei und man startet beim letzten Checkpoint erneut. Das sorgt für Action, sonderlich fordernd ist die Flucht aber nie.

Mass Effect 3 Quelle: Electronic Arts. Mass Effect 3 Dialoge spielen sich nach dem gleichen Muster ab, wie auch in den Vorgängern. Grundsätzlich hat man zwei Optionen zur Wahl, eine "gute" und eine "böse". Wählt man die obige, rechnet das Spiel einem Punkte aufs gute Konto, nimmt man die untere Antwort, wird man zusehends "böser". Das hat bis zum Schluss aber nur selten Auswirkung auf den Verlauf von Gesprächen. Zwar gibt es manchmal ausgegraute Dialogfetzen, aber nur ganz selten. Noch mehr Einfluss auf seinen Ruf nimmt man durch ein seltenes Quicktime-Event in Dialogen. In manchen Situationen bietet das Spiel einem an, nun etwas besonders fieses oder liebes zu tun. Dafür muss einer der Trigger betätigt werden. Dadurch steigt der entsprechende Rufbalken gleich deutlich an.

Mass Effect 3 Quelle: Bioware Mass Effect 3 Zwischen Missionen kann (und sollte) man immer wieder durch die Normandy wandeln. Die Kameraden an Bord haben immer etwas zu erzählen, geben manchmal sogar kleine Quests oder Aufgaben, die man auch am Specter-Terminal erledigen kann. Viel wichtiger für viele: Nur durch dauerndes Gequatsche, lassen sich die Kollegen auch in eine Beziehung verwickeln. Das heißt: Immer zuhören, nachdenken welche Antwort die Person wohl hören will und dann ab in die Kiste! Neu: Jeder tut es nun mit so ziemlich jedem. Ob Frau und Mann, Mann und Mann, Frau und Frau oder Mensch und Alien - was soll's, das Ende ist ja im Zweifel vielleicht eh nah!

Mass Effect 3 Quelle: Electronic Arts. Mass Effect 3 Auf Mission spielt sich Mass Effect 3 nun noch mehr wie ein Gears of War. In der Third-Person-Perspektive hechtet man über relativ lineare Levels, geht in Deckung und setzt seine Spezialfertigkeiten ein. Die zwei Begleiter, die man mitnimmt, tun es einem gleich und lassen sich mit dem D-Pad befehligen. Das letzte Überbleibsel eines Action-RPGs ist das Waffen- und Kräfteauswahlrad. Wenn man es durch Gedrückthalten der Schultertasten öffnet, pausiert das Spiel und man hat Zeit, den Charakteren Befehle zu geben. Dadurch kommt ein wenig Taktik ins Spiel, auf den normalen Schwierigkeitsgraden ist das aber nur selten von Bedeutung. Stattdessen: Kugelhagel bis zum geht nicht mehr! Das macht zwar Spaß, die Aufgaben wiederholen sich aber leider viel zu oft. Baller dich bis Punkt A, halte Punkt A gegen ein paar Wellen von Feinde, gehe zu Punkt B, verteidige Charakter C, bis der ein Terminal gehackt hat. Und dann baller wieder alles über den Haufen. Ein wenig mehr Abwechslung wäre hier sicher nicht verkehrt, auf der anderen Seite gibt es aber wirklich grandiose Missionen und zwischen all den Kämpfen ja Zeit, um all die Gespräche zu führen.

Rätsel gibt es übrigens keine mehr. Nur noch an einer Stelle wartet auf uns ein kleines Schalterspielchen, das jedoch so simpel ist, dass es vermutlich selbst ein Dreijähriger lösen könnte.

Offline-Spieler ein wenig im Nachteil

Mass Effect 3 Quelle: Bioware Mass Effect 3 Da man losgeschickt wird, um Verbündete im Kampf gegen Reaper zu suchen, lässt sich der Erfolg leicht quantifizieren. In Mass Effect 3 geschieht das durch "Kriegsaktivposten", das sind Truppen, die einen unterstützen. Nach vielen Quests (Neben- und Hauptquests, deshalb unbedingt alles machen) bekommt man Einheiten hinzu. Rettet man etwa eine Reihe Ex-Cerberus Wissenschaftler, bieten die sich an bei der Entwicklung einer Waffe mitzuhelfen. Ein weiterer Wert, der sich auf die Truppenstärke zum Schluss auswirkt, ist die galaktische Kriegsbereitschaft. Sie steigt erst, wenn man online den Vierer-Koop spielt oder unterwegs mit iPad oder iPhone daddelt. Die Folge: Offline-Zocker werden nie die höchste effektive Militärstärke erreichen, somit bleiben ihnen bestimmte Enden verwehrt.

Mass Effect 3 Quelle: Electronic Arts. Mass Effect 3 Online spielt man mit bis zu vier Spielern einen Hordemodus. Insgesamt zehn Wellen und zum Schluss eine bestimmte Zeit is zur Exfiltration muss man überleben, dann hagelt es XP, Credits und Galaxy at War-Punkte aufs Konto. Nur letztere nimmt auch Einfluss auf den Singleplayer. Schade: Nach 10 Wellen ist immer Schluss. Auch wenn Mass Effect 3 eher ein Singleplayer-Spiel bleibt, es wäre cool gewesen, vielleicht auch mal auf 20 oder gar 50 Wellen verlängern zu können, wie in Gears of War.

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