Nier fiel recht einzigartig aus, ob einem das gefällt oder nicht, hängt stark vom persönlichen Geschmack ab.
Während in Japan mit Nier Replicant und Nier Gestalt jeweils ein Spiel für die PlayStation 3 und die Xbox 360 erschienen ist, müssen wir uns hierzulande lediglich mit Nier zufrieden geben, das jedoch gleichzeitig für beide Konsolen auf den Markt gekommen ist. Das Action-Rollenspiel erinnert dabei an Zelda oder Darksiders und will die Käufer mit allerlei unkonventionellen Ideen überzeugen.
Alltagsstress
Nier
Die Handlung von Nier findet weit über 1000 Jahre nach unserer Zeit statt. Die Welt, die wir kennen, ist allerdings längst zerfallen, weswegen unser Held nun durch eine mittelalterliche Fantasy-Welt schreitet, die von allerlei Dämonen und anderen Monstern befallen ist. Dennoch findet man immer wieder noch Bauwerke, wie zum Beispiel riesige und verfallene Brücken, die an das moderne Zeitalter erinnern. Was genau geschehen ist, erfährt man zunächst nicht. Nier, so der Name des spielbaren Charakters, hält sich zunächst mit allerlei Mini-Jobs über Wasser und erledigt kleinere Besorgungen für die Dorfbewohner, während er es ab und zu mit ersten Monstern aufnehmen muss. Schnell muss er sich jedoch weiter in die Welt begeben, da seine kleine Tochter Yonah von der so genannten Runenpest befallen ist und zu sterben droht. Auf der Suche nach einem Heilmittel treffen wir auf das überaus sarkastische und schlecht gelaunte Buch Grimoire Weiss, das keine Sekunde auslässt, um uns zu ärgern. So muss es ständig abfällige Kommentare ablassen, wenn wir den lapidaren Quests der Bewohner nachgehen, schließlich hat man ja besseres zu tun. Die Konversationen zwischen dem Helden und Weiss sind einmalig in der Videospielwelt und triefen nur so vor trockenem und beißendem Humor. Hier bemerkt man sehr schnell, dass sich das Spiel an einigen Stellen einfach nicht ernst nimmt. Abgesehen davon, dass es ohnehin merkwürdig wirkt, mit einem schwebenden Buch zu quatschen.
Nier
Trotz der Witzeleien kann es auch sehr derb zu Sache gehen, da ein späteres Partymitglied, die Rede ist von der selbstbewussten jungen Frau Kaine, immer wieder beleidigende Streitgespräche mit Weiss führt. Hier wird ordentlich geflucht, was zunächst eigentlich so gar nicht in eine Fantasy-Welt passen will. Die Gruppe, mit der wir reisen, bleibt insgesamt überschaubar, da sich beispielsweise noch ein Junge mit versteinernden Blick an unsere Seite begibt. Dennoch legt Nier eine äußerst melancholische Grundstimmung an den Tag, da dem Held vor Sorge um seine Tochter immer wieder klar wird, dass schnell etwas geschehen muss. Zudem befinden wir uns in einer scheinbar zerfallenden Welt, in der das Böse immer weiter Überhand nimmt. Unterstützt wird das Ganze von den emotionalen Geschichten, die von den Charakteren in der Welt erzählt werden. Hier liegt eine große Stärke von Nier, da man nicht sofort als Weltenretter in den Kampf zieht, sondern langsam in die große Aufgaben eingeführt wird und viele Einzelschicksale erlebt. Nier bietet dem Spieler ein ewiges hin und her zwischen witzigen, actionreichen sowie auch traurigen Momenten und schafft diesen Spagat bravourös, so merkwürdig das vielleicht auch klingen mag.
Das Abenteuer ruft
Nier
Nier ist auf den ersten Blick ein typischen Hack & Slay-Spiel, bei dem man lediglich mit einer Schlagtaste auf die Feinde einprügelt, zur Seite rollt und Angriffe blockt. Dank Weiss können wir zudem Zauber wirken lassen, die nach und nach freigeschaltet werden. So verschießen das Buch magische Pfeile oder benutzt eine riesige Faust, um die Dämonenbrut aus den Socken zu hauen. Die ein wenig an Bayonetta erinnernden Zauber lassen sich dabei auf die Schultertasten legen. Leider ist der Wechsel zu umständlich geraten. Das Kampfsystem ist unkompliziert und sehr schnell erlernt und auch die Rollenspiel-Elemente sind extrem übersichtlich. Mit jedem Stufenaufstieg werden Lebens- und Manaenergie erhöht, weitere Einflüsse seitens des Spielers sind nicht möglich. Dafür sammeln und kaufen wir allerlei neue Waffen, die sich anhand von gefundenen Materialien in den entsprechenden Shops aufbessern lassen. Zudem fallen uns überall so genannte "Wörter" in die Hände. Jede Waffe und jeder Magieangriff lässt sich damit zwei Mal verbessern. So steigert man den Schaden oder erreicht einen XP-Boost. Theoretisch kann man jede Waffe auf die verschiedenen Feindtypen abstimmen, was jedoch zu umständlich wirkt und schnell an Reiz verliert, da der Wechsel der "Wörter" zu unübersichtlich ausfällt. Wer gerne seinen Charakter ausrüstet, wird enttäuscht sein, da man lediglich einige Waffen findet. Rüstungen, Schilde und der andere Kram sind nicht vorhanden. Dafür pflückt man Beeren, jagt Hirsche oder findet Eisenerz. All das lässt sich natürlich prima gegen harte Währung eintauschen.
Nier
Nier hat vor allem eines, sehr viel Action, doch es werden auch andere Spielelemente geboten, die immer wieder mit den Konventionen eines Action-Rollenspiels brechen. So darf man beispielsweise Fischen gehen und neue Rekorde aufstellen oder den Garten beackern und ein wenig den grünen Daumen raus hängen lassen. Zudem sind allerlei verschiedene Rätsel zu absolvieren, die teilweise zwar nervig und langweilig sind, jedoch auch sehr fordernd und einfallsreich ausfallen. Immer wieder gerät man an Retro-Einlagen, die an Klassiker wie Contra oder klassische Jump & Runs erinnern. Deswegen gilt es leuchtenden Energiekugeln auszuweichen oder über Plattformen zu hüpfen. Für letzteres ist die Steuerung jedoch nicht unbedingt gemacht, der Abgrund lässt grüßen. Normalerweise wird Nier aus der Third Person Perspektive gespielt, in der wir die Kamera frei drehen können, betreten wir jedoch einige Gebäude, wie beispielsweise das Haus von Nier oder eine Taverne, wird uns plötzliche eine schicke 2D-Ansicht geboten, die an die Anfänge des Rollenspiel-Genres erinnert. In weiteren Abschnitte finden wir uns plötzlich in einer isometrischen Perspektive wieder, die wir beispielsweise aus Diablo kennen.
