Nier fiel recht einzigartig aus, ob einem das gefällt oder nicht, hängt stark vom persönlichen Geschmack ab.
Je größer sie sind...
Nier
Nier ist geprägt von eigentlich recht öden Beschaffungsaufträgen, in denen man allerlei Zutaten besorgt, nach einem verschollenen Hund sucht oder Briefe ausliefert, das muss man mögen. Obwohl wir ein Questlog mit allen aufgeführten Aufträgen mit uns führen, bekommt man nach einiger Zeit kleinere Probleme, da nur die Hauptquests auf der Übersichtskarte markiert werden. Irgendwann weiß man nicht mehr so genau, an wen man jetzt Bericht erstatten muss. Immerhin sind NPCs, die etwas von Nier wollen, mit einer Sprechblase gekennzeichnet. Für die kleinen Nebenjobs bekommen wir bis auf Geld und mögliche Ausrüstung übrigens keine Erfahrung, was dazu führt, dass man die Quest wirklich nur macht, wenn man tatsächlich Lust darauf hat, optionaler geht es kaum noch. Auch die Vielfalt der Gegner lässt stark zu Wünschen übrigen, weswegen wir uns immer wieder mit dem gleichen Gesocks herum plagen müssen. Die frei begehbare Welt, die jedoch erst nach und nach vergrößert wird, ist in mehrere Abschnitte unterteilt. Die wenigen Städte werden dabei oft von recht weitläufigen Arealen verbunden, in denen man leider nur wenig entdecken kann. Bis auf die Städte herrscht gähnende Leere, die nur von den immer wieder spawnenden Monstern unterbrochen wird. Insgesamt zeigt sich das Spielareal recht überschaubar, weswegen man bereits besuchte Orte häufiger besucht. Das ist jedoch nicht der nervige Teil, viel mehr ärgert es, dass man durch die unnützen Laufwegen aus dem Spielfluss gerissen wird und irgendwann etwas zu viel Langeweile aufkommt. Hier hätte man sich ein etwas kompakteres Gameplay gewünscht, da der Spieler immer wieder dazu verleitet wird, die Konsole auszumachen, weil irgendwie nichts passiert.
Nier
Dann bleibt man jedoch immer wieder am Ball, da es Stellen im Spiel gibt, die einfach fantastisch sind. Die sehr gut inszenierten Geschehnisse profitieren ebenfalls von den größtenteils bombastischen Bosskämpfen, bei denen man zuerst herausfinden muss, wo die Gegner ihre Schwächen haben. Die riesigen Ungetüme werden dann auf mehreren Ebenen und in verschiedenen Kampfphasen langsam aber sicher zu Boden gezwungen. Auf Quicktime-Events wird dieses Mal zum Glück verzichten. Dafür hat man an den Finishern seinen Spaß. Gerade das Design der Bosse weiß zu überzeugen, wirkt allerdings auch gewollt skurril. So kämpfen wir gegen eine überdimensionierte Echsen-Drachen-Mischung, an deren Kinn ein Art von baumelnden Hoden im Zwölfer-Pack hängt, die man natürlich gezielt angreifen muss, autsch. Nützlich sind dabei die Partymitglieder, die durchaus effektiv in den Kampf eingreifen. Und Sorgen müssen wir uns um die Truppe auch nicht machen, ebenso wie um uns, da wir genügend Heilmittel finden. Segnet der Held das Zeitliche, wird er schnell an meist fair verteilten Checkpoints wiederbelebt. Dauerhaft gespeichert wird an in der Welt verteilten Poststellen, die leider etwas spärlich vorhanden sind. Hier muss man teils eine Stunde Spielzeit überbrücken, um den eigenen Spielstand zu sicher.
Redselige Bücher
Nier
Da die Story in Nier sehr gut eingefangen wird und durchaus als eine der emotionalsten der letzten Jahre zu bezeichnen ist, wird auch sehr viel geredet. Die deutsch untertitelte und englische Sprachausgabe ist auf jeden der Hauptcharaktere perfekt ausgelegt: Ob Nier, Kaine oder Grimoire Weiss, es hätte in dieser Hinsicht nicht besser laufen können. Leider ist nur ein Teil der Gespräche vertont. Die meisten Konversationen müssen in schnöden Textfeldern verfolgt werden. Das macht zwar immer noch Spaß, doch das sind vielleicht zu viel gewollte (oder auch nicht) Retroanleihen integriert worden. Noch unverständliche ist die Tatsache, dass einige Sätze innerhalb eines zusammenhängenden Gesprächs vertont sind, andere wiederum nicht. Der Soundtrack von Nier ist so eine Sache, entweder ihr werdet die zumeist nachdenklichen Töne mögen und sie für äußerst passend befinden, oder ihr werdet über die immer wieder kehrenden Chöre fluchen, da sie einfach zu kitschig japanisch wirken. Aber irgendwie passt die musikalische Untermalung ins Spiel, ob es einem gefällt oder nicht. Wenn man sich Nier kauft, muss ohnehin klar sein, dass hier ein recht japanisch angehauchtes Werk auf den Spieler wartet.
Nier
Einer der größten Schwachpunkte von Nier ist die, so hart es klingt, hoffnungslos veraltete Grafik. Die Landschaften sind karg, die Texturen undetailliert und irgendwie fühlt man sich an PS2-Zeiten, oder halt an die Wii erinnert. Der Xbox 360 und der PlayStation 3 stehen Großteile der Landschaften nicht besonders gut. Aber eigentlich will man nicht lange darauf herumreiten, da die Entwickler es geschafft haben, die Schwächen durchaus angenehm zu kaschieren, und zwar anhand von nette Lichteffekten, hohen Sichtweiten und einer fehlerfreien und flüssigen Framerate. So entvölkert weite Landstricke auch sind, die Siedlungen sind im Prinzip ziemlich liebevoll gestaltet worden. Nichtsdestotrotz, wäre die Technik hinter Nier etwas moderner ausgefallen, hätte man noch tiefer in die faszinierende Welt des Action-Rollenspiels eintauchen können. Am Ende sehen aber auch die Zaubersprüche durchaus ansehnlich aus, ebenso wie Charaktere und Animationen. Weiterhin holt das Artdesign den Karren aus dem Dreck, wenn man es so ausdrücken will.
