Die Militär-Simulation gibt nicht alles, was in ihr steckt, und überzeugt daher nur teilweise.
Operation Flashpoint: Dragon Rising
Realismus und Authentizität beherrscht auch sonst das Gameplay von Dragon Rising. So legen die Entwickler beispielsweise viel Wert darauf, dass Kugeln und Geschosse physikalisch exakt berechnet werden und auch korrekt von Dingen abprallen können, so etwa Querschläger, die von Steinen im Boden abgelenkt werden. Eingesetzt wird daher in allen Versionen die PhysX-Engine von Nvidia, die für korrekte Rahmenbedingungen sorgt. Schade ist aber, dass diese Physik nur für Gewehrkugeln zu gelten scheint, nicht aber für die Natur und Fahrzeuge. Diese fahren sich nämlich extrem schwammig und trüben den ansonsten relativ hohen Simulationsgrad. Generell wirkt auf Skira aber alles recht stimmig, ob es nun die hübschen Effekte, imposante Explosionen oder die dichte Bodenbepflanzung ist. Diese sorgt beispielsweise dafür, dass wie früher auch schon, Gegner nur schwer erkennbar sind und einem gut und gerne mal aus dem Hinterhalt in den Kopf schießen. Wetter- und Zeitwechsel, teilweise zerstörbare Umgebungen sowie authentische Nachladezeiten (der Waffen, nicht des Spieles!) und ratternde Sounds runden das extreme Ambiente noch weiter ab.
Operation Flashpoint: Dragon Rising
Mehr als authentisch ist Flashpoint 2 aber nicht, denn grafisch erfüllt es eine gute Arbeit, ist aber keinesfalls ein Referenztitel. Das liegt zum einen an der riesigen Weitläufigkeit des Spielgebietes und zum anderen an dem "tristen Setting": Im Krieg hat es nun mal nicht bunt zu sein, da gibt's es halt nur Farbverläufe von dunklem Grün bis hellem Braun. Abwechslung schaffen da einige Nachtmissionen, die auch taktisch ein wenig mehr fordern. Auch muss man sich vom Gedanken verabschieden, dass in OF2 dauernd etwas explodiert, so schön das auch teilweise aussieht. Der Fokus liegt nun mal beim taktischen Vorgehen, ein klassischer Shooter wollte Flashpoint nie sein und bietet daher auch wenig schnellen Spaß für zwischendurch. Wer einen anständigen PC sein Eigen nennt, sollte übrigens zu dieser Version greifen, grafisch hat der PC nämlich noch am Meisten zu bieten. Einerseits kann der PC mit tonnenweise haarfeinen Details aufwarten, die auf Xbox und Playstation aus Performance-Gründen entfallen, andererseits entlastet den Core-Gamer mit entsprechender Hardware die PhysX-Engine. Trotz alledem läuft, bis auf einige Clipping-Fehler und leichtem Tearing auf den Konsolen, das Spiel auf allen Plattformen durchweg flüssig, große Framedrops gab es kaum zu beklagen.
Künstliche Intelligenz oder doch ein wenig künstliche Dummheit?
Operation Flashpoint: Dragon Rising
Richtig ärgerlich ist teilweise die KI. Während Gegner, so sollte es in einer knallharten Militär-Simulation natürlich auch sein, nämlich klug wie Oskar sind und sich sammeln, bündeln und verstecken können, reagieren unsere Teammitglieder häufig einfach nur dümmlich. Egal ob Wegfindung, Handling oder Befehlskette, irgendwie scheinen die Feinde immer einen Tick besser zu sein, als die Idioten um den Spieler herum. So mussten wir während unserem Test gleich mehrfach auf die KI-Kollegen warten, die sich in Bäumen und Gestrüpp verfangen haben oder mit gefühlter Schrittgeschwindigkeit im Helikopter ankommen - ärgerlich, wenn der Heli noch 5 km entfernt ist und knapp 20 Minuten braucht, um ins Zielgebiet zu fliegen. Vor allem solche Fahrer-Bugs sind es, die einen häufig den Rest geben, aber auch Situationen, in denen die Kollegen einem ohne Grund oder Sinn vor die Flinte laufen. So kann man sich schon fragen, wieso die Kameraden bitte gerade dann um einen rumtänzeln müssen, wenn man das Snipergewehr angelegt und einen Offizier im Visier hat. Eigenbeschuss ist in solchen Situationen dann nicht selten, entsprechend groß auch der Frust, wenn man wegen solchen Vorfällen eine Mission wiederholen muss.
