Take 2 Interactive: Die Skandalnudel - Branchenriesen Teil 6

Special Stephan Petersen Maria Beyer-Fistrich
Take 2 Interactive: Die Skandalnudel - Branchenriesen Teil 6
Quelle: Moby Games

Der Gründung von Take 2 folgt ein rasanter Aufstieg: Adventures mit Hollywood-Schauspielern, Börsengang, Kauf der GTA-Marke. Mit der Gangster-Reihe kommen Ruhm und Geld, aber auch jede Menge öffentliche Diskussionen und "Skandale".

Was mache ich nur mit der Kohle? Diese Frage stellt sich 1993 der einundzwanzigjährige Ryan Brant, als ihm sein Vater, der Milliardär Peter M. Brant, Startkapital zur Verfügung stellt. Ryan Brant ist jung, will Kohle scheffeln und irgendetwas mit Technologie machen. Seine Wahl fällt daher auf die Gründung einer Videospielefirma. Take 2 Inter­­­ac­tive ist geboren! Hauptsitz des ­Unternehmens wird New York. Take 2 Interactive agiert von ­Beginn an als Entwickler und ­Publisher.

Das erste Spiel der New Yorker ist das Weltraumaction­spiel Star Crusader (1994). Das hat bezüglich des Gameplays Ähnlichkeiten mit Wing ­Commander 3 (1994), kommt aber komplett ohne cineastische Zwischensequenzen daher. Das sieht bei Hell: A Cyberpunk Thriller (1994) schon anders aus. Das ­atmosphärisch düstere Adventure erzählt seine Geschichte teilweise mit FMV-­Sequenzen und zählt zu seiner Besetzung unter anderem ­Hollywoodlegende Dennis Hopper. Das Adventure Ripper (1996) legt in puncto Prominenz sogar noch einen drauf. Zum Cast gehören Christopher ­Walken, John Rhys-Davies, ­Burgess Meredith und Karen Allen.

Insbesondere Ripper verkauft sich richtig gut. Fortan geht Take 2 auf Expansionskurs. 1996 kaufen die New Yorker für knapp 2 ­Millionen US-Dollar die Entwickler Mission Studios, von denen im selben Jahr die ­Flugsimulation Jet Fighter 3 erscheint. Ryan Brant will Take 2 so schnell wie möglich wachsen sehen, um nicht von anderen aus der Branche "gefressen" zu werden. Dabei hat er anscheinend selbst so viel ­Appetit, dass ihm so manches - auch unlauteres - Mittel recht ist. Doch dazu später mehr.

Grand Theft Auto

1997 geht Take 2 an die Börse. Mit dem frischen Kapital schlucken die New Yorker andere Firmen. Gametek UK und Gametek ­Canada gehen in den Besitz von Take 2 über. Zudem weiten die New Yorker ihr Geschäftsfeld auf den Distributions­bereich aus und erwerben zu diesem Zweck mehrere Unternehmen. In das Jahr 1998 fällt der wohl größte Clou. Take 2 kauft der Bertelsmann AG für 16 Prozent Aktienanteile BMG Interactive ab und erwirbt damit die GTA-Marke. Trotz gemischter Reviews ist das vom britischen ­Studio DMA Design entwickelte Grand Theft Auto (1997) mit seiner Open World und dem anarchistischen Spielspaß ein Millionenseller. In puncto Atmosphäre vielleicht bis heute der beste Serienteil: Grand Theft Auto: Vice City (2002). Quelle: Rockstar  In puncto Atmosphäre vielleicht bis heute der beste Serienteil: Grand Theft Auto: Vice City (2002).

Im Jahr darauf macht Take 2 erneut einen richtig guten Deal, als das Unternehmen DMA Design (seit 2002 Rockstar North) kauft. Als weniger erfolgreich erweisen sich Akquisitionen in anderen ­Geschäftsfeldern. Vor allem im ­Onlinebereich bleiben die Ergebnisse hinter den Erwartungen zurück. 2001 kommt es schließlich zum Wechsel an der Spitze.

Kelly Sumner wird neuer CEO. Ryan Brant bleibt jedoch im Vorstand. Trotz millionenschwerer Investitionen in über zwanzig Firmen in den vergangenen vier Jahren steht Take 2 weiterhin auf der Gewinnerseite. Einen riesigen Anteil daran hat GTA 3 (2001), welches das Genre der offenen 3D-Spielwelten revolutioniert. Im selben Jahr hat Take 2 noch ein anderes heißes Eisen im Feuer. Der atmosphärische Neo-Noir-Shooter Max Payne (2001) des finnischen Studios Remedy Entertainment verkauft sich nach anfänglichen Startschwierigkeiten richtig gut und begründet ein erfolgreiches Franchise. Mit Mafia (2002) und GTA: Vice City (2002) folgen weitere Hits. Allerdings kann Take 2 den Erfolg nicht in aller Ruhe genießen. Zahlreiche Interessengruppen, Vertreter ethnischer Minderheiten, Feministinnen, ­Psychologen, Politiker, laufen Sturm gegen GTA 3 und GTA: Vice City. Gewalt, Pornografie, Verbreitung von Stereotypen, die Liste der Vorwürfe ist lang. Take 2 sieht sich mit Klagen und negativer Öffentlichkeit konfrontiert. Der Beliebtheit bei der überwiegend jungen spielenden Kundschaft schadet die Entrüstungswelle indes nicht.

Achterbahnfahrt

Stattdessen legt Take 2 noch eine Schippe drauf. 2003 erscheint ein Spiel, das aufgrund seiner Gewaltdarstellung sogar in den USA eine Kontroverse auslöst. Ja, selbst innerhalb von Take 2 gibt es Widerstände gegen das Spiel. Auch in Europa schlägt das Spiel hohe Wellen und verschwindet vielerorts aus dem Handel. In Deutschland erfolgt sogar eine Beschlagnahmung aufgrund von § 131 des Strafgesetzbuches (Gewaltverherrlichung). Jugendsünde: die Erotik-Wirtschaftssimulation Wet: The Sexy Empire (1998).  Quelle: GOG Jugendsünde: die Erotik-Wirtschaftssimulation Wet: The Sexy Empire (1998).  Vielleicht wollen Rockstar ­Games und Take 2 die Latte in puncto Gewaltdarstellung einfach nur höher legen. Tatsächlich ist es beim Release von GTA: San Andreas (2004) verhältnismäßig ruhig. Bemerkenswert ist auch der Release des Actionspiels Red Dead Revolver (2004). Das erhält zwar nur ordentliche Kritiken und verkauft sich auch nicht übermäßig gut, legt aber den Grundstein für eine wichtige Spielemarke. Im Jahr da­rauf kauft Take 2 Sid ­Meier's Firaxis Games und bekommt somit den Zugriff auf mehrere starke Spielemarken. Im selben Jahr erscheint Civilization 4. Zudem kauft Take 2 dem Konkurrenten Sega die Sportspiel­experten ­Visual Concepts ab und begründet das 2K-Games-­Label, unter dem auch Sportreihen in Konkurrenz zu ­Electronic Arts entstehen. 2005 erscheinen NHL 2K6 und NBA 2K6.

Dem Aufstieg folgt eine rasante Talfahrt. 2005 stehen Take 2, Ryan Brant sowie einige Mitglieder aus der Führungsspitze wegen frisierter Geschäftszahlen vor Gericht. Es folgen millionenschwere Strafzahlungen und weitere Ermittlungen. Schließlich wird Ryan Brant auch noch wegen Aktienbetrugs angeklagt, der bis in die Zeit des Börsengangs zurückreicht. Dem Gefängnis entgeht er nur dank eines Deals. 2006 verlässt Ryan Brant schließlich Take 2 und sieht sich im kommenden Jahr mit einer weiteren Klage konfrontiert. Take 2 will die aufgrund der Strafzahlungen geblechte Kohle von ihm zurück.

Übernahmeschlachten

Zudem gerät Take 2 mal wieder durch eines seiner Spiele in die Schlagzeilen. Mehrere Monate nach Release schaltet die sogenannte Hot Coffee Mod ein von den Entwicklern in GTA: San Andreas verstecktes Minispiel frei. Darin darf sich Protagonist CJ zusammen mit seinen weiblichen Eroberungen ausgiebig dem ­Ma­tratzensport widmen. Ein Skandal! Während man in Europa mit einem ­Achselzucken reagiert, brennt in den USA die Luft. Take 2 sieht sich mit öffentlichen Anschuldigen und zahlreichen Klagen konfrontiert. Das Ende vom Lied: Take 2 zahlt an tausende "getäuschte" Käufer insgesamt 20 Millionen US-Dollar (wovon Take 2 "nur" rund 5 Millionen und den Rest die Versicherungen des Unternehmens zahlen). Take 2 feiert erste Erfolge mit Spielen, die auf Schauspieler und FMV-Sequenzen setzen – wie beispielsweise in Ripper (1996). Quelle: Moby Games Take 2 feiert erste Erfolge mit Spielen, die auf Schauspieler und FMV-Sequenzen setzen – wie beispielsweise in Ripper (1996).

Dennoch bleibt Take 2 weiter auf Expansionskurs. 2006 kaufen die New Yorker Irrational Games und PAM Development. Aufgrund der Käufe sowie der Schadenszahlungen schreibt Take 2 nun rote Zahlen. Diesen Moment der Schwäche nutzt 2007 die Investmentfirma Zelnick Media, um die Mehrheit bei Take 2 zu übernehmen. Daraufhin kommt es zu Schließungen, Entlassungen und Umstrukturierungen. Neuer CEO wird Bob Feder, ein Vertrauter von Zelnick-Media-Chef Strauss ­Zelnick. Im Zuge der schwächelnden ­Geschäftszahlen und der öffentlichen Debatten erkennt Electronic Arts einen günstigen Moment. Eine Übernahme würde EA wichtige Marken sichern und den Hauptkonkurrenten im Sportspielbereich ausschalten. Zudem fühlt sich EA nach der Fusion von Activision und Vivendi Games sowie dem Verlust des Branchenthrons zum Handeln gezwungen. Doch die Übernahme scheitert 2008 letztendlich auch am Veto von Strauss ­Zelnick.

Spieleperlen

Abseits aller Turbulenzen veröffentlicht Take 2 weiterhin großartige Spiele. 2007 erscheint der Ego-Shooter Bioshock, der nicht nur spielerisch glänzt, sondern vor allem mit seiner Art-déco-Spielwelt und seiner philosophisch angehauchten Story zu begeistern weiß. 2008 erblickt GTA 4 das Licht der GTA im Wilden Westen: Red Dead Redemption (2010) und der gerade auf Konsole erschienene zweite Teil sind eine großartige Abwechslung zu den Verfolgungsjagden in Liberty City und Co. Quelle: Take 2 Interactive  GTA im Wilden Westen: Red Dead Redemption (2010) und der gerade auf Konsole erschienene zweite Teil sind eine großartige Abwechslung zu den Verfolgungsjagden in Liberty City und Co. Spielewelt. Selbstredend ist der neueste Serienteil ein ­Megaseller und natürlich gibt es wieder diverse gesellschaftliche Diskussionen. Ein besonderer Stein des Anstoßes: Spieler können als Protagonist Niko Bellic betrunken am virtuellen Straßenverkehr teilnehmen. 2009 landet Take 2 den nächsten kommerziellen Erfolg. Borderlands verkauft sich hervorragend und punktet vor allem mit seinem Loot-Gameplay, dem Koop-­Modus sowie dem schwarzen Humor. 2010 folgt ein Reihe an Fortsetzungen: Bioshock 2, Mafia 2 und Civilization 5. Zudem erscheint mit Red Dead Redemption ein weiteres Schwergewicht. Leider bleibt das "Western-GTA" konsolenexklusiv. PC-Besitzer hoffen jahrelang sehnsüchtig, aber vergeblich auf eine Umsetzung, damit auch sie mit John Marston ballernd durch den Wilden Westen ziehen dürfen. Ebenfalls ins Jahr 2010 fällt ein Wechsel an der Führungsspitze. Strauss Zelnick ist jetzt nicht mehr nur der Mann im Hintergrund, sondern agiert fortan als CEO von Take 2.

2011 veröffentlicht Rockstar Games ein äußerst ambitioniertes Spiel von Team Bondi: L.A. Noire. Dank der mittels Motionscan ins Spiel integrierten Schauspieler ist es in Gesprächen möglich, die Absichten des Gegenübers anhand der Mimik zu erkennen. Das klappt nicht immer, ist aber ein cooles Feature. Auch die Film-noir-Story weiß zu gefallen. Bei den Spielern kommt L.A. Noire sehr gut an und verkauft sich hervorragend. Strauss Zelnick betont im selben Jahr, dass der Titel eine wichtige neue Marke für Take 2 sei. Doch dann sickern Interna von Entwickler Team Bondi durch. In der folgenden Schlammschlacht klagen zahlreiche Mitarbeiter über die schlechten Arbeitsbedingungen bei Team Bondi. Selbst Take 2 distanziert sich und beendet die Zusammenarbeit. Noch Ende des Jahres geht Team Bondi pleite. Seitdem spricht Take 2 zwar immer mal wieder über einen potenziellen Nachfolger. Doch außer Konvertierungen für aktuellere Konsolen gibt es bisher nichts Neues.

GTA goes Online

2012 erscheint mit XCOM: Enemy Unknown ein Remake des Klassikers UFO: Enemy Unknown (1994) und beweist, das auch Rundenstrategie dynamisch und motivierend sein kann. Take 2 möchte das Franchise auf eine breitere Basis stellen. So entsteht der Taktik-Shooter The Bureau: XCOM Declassified (2013). Bei Spielern und Presse kommt die Neuorientierung allerdings nicht sonderlich gut an. Erheblich mehr Erfolg hat Take 2 Borderlands (2009) punktet bei den Spielern mit seinem Loot-Gameplay, dem Koop-Modus und dem schwarzen Humor. Quelle: Take 2 Interactive  Borderlands (2009) punktet bei den Spielern mit seinem Loot-Gameplay, dem Koop-Modus und dem schwarzen Humor. mit GTA 5. Spätestens mit dem Online-Modus wird der neueste Serienableger zum bedeutendsten Take-2-Titel. Natürlich gibt es wieder diverse Kontroversen. Dieses Mal kommen die kritischen Stimmen jedoch auch aus der Spielepresse. Insbesondere die Darstellung von Frauen im Spiel wird gerügt.

Finanziell sieht es für Take 2 hervorragend aus. Daher gehen die New Yorker 2013 auf Einkaufstour. Von THQ erwerben sie deren Rechte an den WWE-Videospielen vom japanischen Entwickler Yuke's. Zudem kauft Take 2 rund zehn Prozent Aktienanteile zurück. 2014 soll ein weiterer Meilenstein folgen. Doch Civilization: Beyond Earth, eine Neuinterpretation von Sid Meier's Klassiker Alpha Centauri (1999), kann die Spieler nicht überzeugen. Anders sieht es 2015 bei Bioshock Infinite aus, das einen würdigen Abschluss der großartigen Shooter-Serie darstellt. Weitere gelungene Fortsetzungen und kommerzielle Erfolge sind XCOM 2 (2016) und Civilization 6 (2017). Anders sieht es bei Mafia 3 (2016) aus, dessen repetitives Gameplay durchaus untypisch für Take 2 ist und das man in dieser Form eher von anderen Publishern erwarten würde.
2017 geht Take 2 wieder auf Einkaufstour. Die New Yorker krallen sich den Indie-Hit Kerbal ­Space Program des mexikanischen Entwicklers Squad. 2018 folgt eine erweiterte Version für PS4 und Xbox One. Außerdem gründet Take 2 mit Private Division ein neues Label, spezialisiert auf ­Indie-Titel. Unter anderem soll sich ein Rollenspiel von Obsidian in der Entwicklung befinden. Weiteres Highlight: Take 2 startet mit der NBA-2K-League eine E-Sport-Liga. Der eigentliche Kracher des Jahres 2018 kommt jedoch zum Schluss: Im heiß erwarteten Red Dead Redemption 2 geht es endlich wieder in den ­Wilden Westen. Eine PC-Umsetzung ist jedoch noch nicht angekündigt.

Die wichtigsten Take-2-Spiele

Mehr als nur Ballern: Bioshock (2007) begeistert mit seiner atmosphärischen Spielwelt und seiner intelligenten, philosophische Fragen aufwerfenden Geschichte.  (1) Quelle: Take 2 Interactive  Mehr als nur Ballern: Bioshock (2007) begeistert mit seiner atmosphärischen Spielwelt und seiner intelligenten, philosophische Fragen aufwerfenden Geschichte.  (1) Grand Theft Auto 3 (2002) revolutioniert offene 3D-Spielwelten und macht GTA dauerhaft zur wichtigsten Marke von Take 2.  Quelle: Take 2 Interactive  Grand Theft Auto 3 (2002) revolutioniert offene 3D-Spielwelten und macht GTA dauerhaft zur wichtigsten Marke von Take 2.  GTA 5 (2013) kann seine großartigen Vorgänger nochmals toppen – in Bezug auf das Gameplay, aber auch an der Kasse. Ein besonderer Clou: Der Online-Modus, mit dem Take 2 richtig viel Kohle scheffelt. Quelle: Take 2 Interactive  GTA 5 (2013) kann seine großartigen Vorgänger nochmals toppen – in Bezug auf das Gameplay, aber auch an der Kasse. Ein besonderer Clou: Der Online-Modus, mit dem Take 2 richtig viel Kohle scheffelt. 1998 kauft Take 2 BMG Interactive und erwirbt damit GTA (1997). Ein Jahr später kaufen sie auch Entwickler DMA Design (später Rockstar North). Quelle: Take 2 Interactive  1998 kauft Take 2 BMG Interactive und erwirbt damit GTA (1997). Ein Jahr später kaufen sie auch Entwickler DMA Design (später Rockstar North). Mit dem Kauf der Sportspiel­experten Visual Concepts sowie Kush Games tritt Take 2 in Konkurrenz zu Electronic Arts. 2005 erscheint NBA 2K6. Quelle: Take 2 Interactive  Mit dem Kauf der Sportspiel­experten Visual Concepts sowie Kush Games tritt Take 2 in Konkurrenz zu Electronic Arts. 2005 erscheint NBA 2K6.

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