Trotz aller Kritik verzaubert dieser Titel, zieht uns in seinen Bann und lässt uns wochenlang nicht mehr los!
Dovahkiin - Das Drachenblut
The Elder Scrolls 5: Skyrim
Weder von hohem Rang noch adeligem Geblüt abstammend ist der im Editor geschaffene Held ein unbekannter Niemand, der sich nun seinem Schicksal fügt. Dieses hatte seinen Tod sicherlich nicht vorgesehen und evtl. deshalb das mächtige Wesen zur Hinrichtung geschickt. Denn nicht lange nach der Flucht wird eines klar: Wir spielen den Dovahkiin, einem so genannten Drachengeborenen und einziger Mensch in ganz Tamriel, welcher mit den mächtigen Biestern zurecht kommen kann. Es kursieren die Gerüchte, dass nur derjenige einen Drachen endgültig töten, aber auch die alte Sprache versteht und deren Macht einsetzen kann. Es stellt sich aber natürlich auch die Frage, warum diese Wesen nach hunderten von Jahren der Abwesenheit plötzlich über Himmelsrand schweben und ganz offensichtlich spontan die Bewohner terrorisieren. Denn nicht selten taucht ein solcher Koloss ganz plötzlich auf und ihr müsst euch mit Pfeil und Bogen oder Magie gegen dessen feurigen oder eisigen Atem zur Wehr setzen. Ohr Vorahnung werden wir also schnell in den Plot hineingezogen, dessen Hintergründe erforscht, von uns an dieser Stelle aber nicht verraten werden.
The Elder Scrolls 5: Skyrim
Darüber hinaus befinden wir uns inmitten eines Konflikts zwischen den eigentlichen Herrschern von Himmelsrand und dem Kaiserreich. Seiner machtgierigen Art folgend soll nun auch das nördlichste Reich von Tamriel ganz dem Kaiser unterliegen. Hin und her gerissen zwischen zwei Parteien und aufständischen Gruppierungen ist es nicht leicht, den Überblick über die derzeitige politische Situation zu wahren. Wir können uns sogar auf die Seite der Befreier oder der kaiserlichen Armee schlagen und deren Ziele verfolgen. Die Aufgaben sorgen für langatmige Auseinandersetzungen und wir dürfen gar richtige Belagerungen miterleben. Wirklich viel Einfluss hat der Ausgang dieser eigentlich nebensächlichen Geschichte aber nicht. Wer sich einer Partei anschließt, ist natürlich bei den Feinden nicht gern gesehen und wird schon mal wüst in einer Taverne beschimpft oder aus einem rettenden Lager inmitten der Berge wieder vertrieben. Doch das Volk nimmt euch als Magier und Schüler der Universität oder eben Drachenblut wahr und solange es den Bewohnern gut geht und man sich um deren Belange kümmert, ist eh alles in Ordnung.
The Elder Scrolls 5: Skyrim
Während man zu Beginn natürlich Feuer und Flamme ist, mehr über den Drachengeborenen erfahren möchte und die Hintergründe ergründen will, die zu den schicksalhaften Ereignissen führen, verflüchtigt sich dieser Drang nach etlichen Spielstunden. Aufgrund der Masse an Informationen aus Büchern oder Unterhaltungen, den zahlreichen nebensächlichen Konflikten und den unendlich vielen Dingen, die wir für die Bürger von Himmelsrand erledigen, stumpft man schlicht ab und verliert darüber hinaus alsbald den roten Faden. Ja, man fühlt irgendwann nicht einmal einen Hauch an Ambition, das Ende der Geschichte je zu erleben. Dies liegt nicht nur am Questlog, welches völlig überladen, daher unübersichtlich und dazu doch mit zu wenig Infos gespickt ist, sondern dem mangelhaften erzählerischem Geschick. So viel Mühe man sich bei Bethesda bezüglich kleiner Geschichten gegeben hat, alles wirkt mit der Zeit behäbig, geradezu idyllisch aber schleppend und überhaupt, erledigen wir die Mission nicht heute, dann eben morgen oder übermorgen. Dabei blühen weder der Held, noch die wichtigen Personen und Herrscher von Himmelsrand wirklich auf, vielmehr kränkeln sie an einer geradezu blassen Darstellung ihrer Persönlichkeit. Es fehlt schlicht an Spannung und Dramaturgie, doch genau hier erinnert Skyrim unmittelbar wieder an Oblivion und all diejenigen, die schon damals monatelang in die Idylle abtauchten, werden mit dem fünften Elder Scrolls noch wesentlich mehr Spielfreude haben!
Mit Herz und Seele dabei
The Elder Scrolls 5: Skyrim
Das Erstaunliche daran: Trotz des erzählerischem Mangels zieht Skyrim den Spieler geradezu magisch und unglaublich intensiv in seinen Bann. Kaum ist man eingetaucht, verliert man sich in Himmelsrand und wenige Spielminuten werden zu etlichen Spielstunden sowie ganze Nächte schnell zum Tage gemacht! Dies mag vor allem an der unglaublichen spielerischen Freiheit liegen, denn wir können schließlich selber entscheiden, wo wir als nächstes Abenteuer erleben möchten. Die Welt ist gleichermaßen rau und unerbittlich wie auch facettenreich. Das nördliche Klima schlägt natürlich vor allem auf die Witterungsbedingungen nieder und große Teile der Berglandschaft sowie viele Täler sind natürlich mit einer dicken Schneeschicht überzogen. In anderen Teilen breiten sich aber auch düstere Sümpfe aus, oder der verstörende Anblick heißer und angenehmer Wasserquellen durchzogen mit zerstörter Natur überrascht. Dazu immergrüne Tannenwälder und Felder, herbstlich abgestimmte Farben in den Hochlagen, wo das Laub zu Boden fällt sowie die raue und schmetternde Nordsee. Tamriel hat viel zu bieten und Bethesda hat es mit Skyrim geschafft, eine atmosphärisch dichte Welt zu schaffen, die nicht wie beim Vorgänger wie aus einem Baukasten zu stammen scheint. Oblivion war idyllisch, gar keine Frage, doch weite Landstriche des Vorgängers recht karg an markanten Details. In Skyrim wirkt jede Szene dagegen einzigartig!
