25 Jahre Worms: Wie die putzigen Würmer Freundschaften auf die Probe stellten

Special Olaf Bleich Benedikt Plass-Fleßenkämper Maria Beyer-Fistrich
25 Jahre Worms: Wie die putzigen Würmer Freundschaften auf die Probe stellten
Quelle: Team17

Wenn digitale Regenwürmer in den Krieg ziehen: 25 Jahre nach dem Release von Worms erinnert sich unser Autor Olaf Bleich an die persönlichen Risiken des Actionspiels zurück.

Vielleicht sind es die ersten Tage des Lockdowns in Folge des Coronavirus, aber derzeit fröne ich den Reizen des Couch-Multiplayers. Eine Partie Cuphead mit der Freundin ist nicht nur Eskapismus, es bereitet auch eine Riesenfreude. Ein Spiel allerdings würde ich aktuell nie aus der Mottenkiste herauskramen: Worms. Denn würden wir das Actionspiel des britischen Studios Team17 gegeneinander zocken, dann hinge ganz schnell der Haussegen schief.

Meine inzwischen 25 Jahre alten Erfahrungen haben mich gelehrt, dass Worms zwar ein bis heute diabolischer Spaß sein kann, aber auch gerne mal für mächtig Streit zwischen den Beteiligten sorgt. Und das wäre doch bei der gemeinsamen #StayAtHomeChallenge keine sonderlich gute Idee...

Die Genialität der Simplizität

Worms wirkte auf den ersten Blick denkbar simpel. Mindestens zwei Teams bestehend aus vier Würmern stehen sich auf einem zufällig generierten 2D-Schlachtfeld gegenüber und bekriegen sich. Wir verpassten unseren Duellen damals eine persönliche Note: Im Editor gaben wir unseren Würmern und den Teams Namen. Mal waren es unsere Lieblingsfußballer oder favorisierte Musiker, dann wiederum Freunde aus der Schule. Wenn Farin Urlaub Michael aus der 8b mit der Schrotflinte traktierte, besaß das doch eine unfreiwillige Komik.

Lässt man die vergleichsweise einfache Aufmachung außer Acht, dann steckt in Worms eine gehörige Portion Spieltiefe. So brachte der Zufallseditor eine ordentliche Portion Unwägbarkeit in die Partien. Zum Start jeder Runde überprüften wir deshalb mögliche Hindernisse, die Position der verteilten Minen oder auch Abgründe, die wir für einfache "Kills" nutzen konnten.
Beim „Airstrike“ (auf Deutsch: Luftschlag) prasselt Feuer auf die Karte nieder und richtet flächendeckend großen Schaden an. Wirklich kalkulierbar ist dieser Angriff nicht – er taugt eher als grobe Kelle im Kampf gegen mehrere Gegner. Quelle: Amiga-Version / Moby Games  Beim „Airstrike“ (auf Deutsch: Luftschlag) prasselt Feuer auf die Karte nieder und richtet flächendeckend großen Schaden an. Wirklich kalkulierbar ist dieser Angriff nicht – er taugt eher als grobe Kelle im Kampf gegen mehrere Gegner. Die angesprochenen Minen wiederum steuerten extrem viel zur Spieldynamik bei: Mal kickte ich die Sprengsätze einfach mit der Schrotflinte zu einem Wurm-Gegner rüber, mal nutzte ich sie als Katapult - Minen waren in Worms ein Garant für Überraschungen und Experimente. Die Umgebungsphysik war der letzte Stein in der Gameplay-Pyramide: Der Wind beeinflusste die Flugrichtung der Raketen; getroffene Würmer purzelten Abhänge herunter, ehe sie ins Wasser platschten. Eis sorgte dabei sogar für längere Rutschpartien. Fanden die Kämpfe gar im Weltraum statt, hopsten die Würmer in der Schwerelosigkeit umso weiter.

Duell auf Augenhöhe
Worms besaß im Jahr 1995 einen ganz entscheidenden Vorteil: den lokalen Mehrspielermodus. Gerade im Duell mit mehr als zwei Teilnehmern war das taktische Actionspiel eine waschechte Prüfung für jede Freundschaft. Plötzlich war ich Scharfrichter über Sieg oder Niederlage und musste entscheiden, welchen meiner Kumpels ich zuerst ins Jenseits beförderte. Das sorgte natürlich für lautstarke Diskussionen und so manch kurzzeitiges Zerwürfnis.
Sobald ein Wurm das Zeitliche segnet, verabschiedet er sich mit einem kurzen „Oh Dear“ und sprengt sich danach selbst in die Luft. Quelle: Amiga-Version / Moby Games  Sobald ein Wurm das Zeitliche segnet, verabschiedet er sich mit einem kurzen „Oh Dear“ und sprengt sich danach selbst in die Luft. Besonders schön waren allerdings diese urkomischen Augenblicke, die nur Worms schrieb. Ich erinnere mich wie gestern an Momente, in denen ich sekundenlang den Winkel für den Wurf einer Granate abschätze und anschließend kurz von der Taste abrutschte, nur um mich so selbst in die Luft zu jagen. Selbstverständlich machte mir auch immer wieder der Wind einen Strich durch die Rechnung. Es war nie leicht, mit Hilfe des Fadenkreuzes und der Anzeige für die Windstärke den korrekten Winkel für den Abschuss einer Rakete abzuschätzen. Mit dem notwendigen Geschick konnte ich so nämlich Würmer hinter mir oder an den entlegensten Ecken der Karte treffen. Doch das gelang längst nicht immer.

Viel häufiger verfehlten die Geschosse einfach ihr Ziel. Als Retourkutsche erhielt ich dann stets ein hochfrequentes "Mi-issed" aus den Mündern der gegnerischen Würmer. Im schlimmsten Fall aber ging der Schuss wortwörtlich nach hinten los. Nicht selten radierte ich mit einer Rakete mein halbes Team aus und musste im Anschluss Hohn und Spott über mich ergehen lassen.

Worms besaß obendrein eine erstaunliche Spannungskurve. Zu Beginn der Runde wurde noch geblödelt und herumgealbert. Je kleiner aber die Teams und je kaputter die Landschaft, desto ernster wurde die Angelegenheit. Meine Höhepunkte feierte ich bei dominanten Siegen. Etwa wenn ich nach langer Vorbereitung den letzten Wurm meines Gegenübers mit der Schrotflinte von der Klippe schoss - wie in einem guten Gangsterfilm. Wenige Spiele waren so unschuldig und zugleich so fies wie Worms.
Die Würmer kämpfen auch im ewigen Eis zwischen Schneemännern. Auf Schnee rutschen die Kameraden deutlich besser und stürzen so schneller Abhänge hinunter. Quelle: Amiga-Version / Moby Games  Die Würmer kämpfen auch im ewigen Eis zwischen Schneemännern. Auf Schnee rutschen die Kameraden deutlich besser und stürzen so schneller Abhänge hinunter. "Nein, nicht die Bananenbombe!"
Im Gegensatz zu den Spielern nahm sich Worms zu keiner Sekunde ernst. Der Humor erinnert in seiner Inszenierung stark an Bugs-Bunny- oder Road-Runner-Cartoons. Das Spiel besaß Anleihen eines Comics, und dabei spielte das Arsenal eine nicht unerhebliche Rolle. Bislang sprachen wir lediglich über Granaten, Schrotflinten oder Raketen. Viel witziger aber waren überdrehte Aktionen wie der Dragon Punch, die Bananenbombe, die Stange Dynamit oder das Schaf.

Mit dem Dragon Punch prügelte ich allzu gerne andere Würmer aus dem Bild. Das Dynamit zog nicht nur mächtig Lebensenergie ab, sondern riss auch einen gewaltigen Krater in den Boden. Richtig eingesetzt, erzielte ich damit also gleich doppelte Wirkung. Besonders starke Spezialaktionen limitierte Worms - und das war auch gut so. Das Schaf gehört bis heute zu meinen All-Time-Favoriten.

Mit einem lauten "Mäh" hüpfte mein wolliger Freund los. Auf seinem Weg prallte er munter von Wänden ab oder stürzte sogar Abhänge herunter. Erst wenn ich den Zünder betätigte, ging das Wollvieh hoch. Viele Waffen aus dem Worms-Arsenal erzeugten Spannung, indem sie erst nach einigen Sekunden oder nach der Zündung Schaden anrichten. Diese Wartezeit fühlte sich wie eine Ewigkeit an und steigerte noch einmal den Nervenkitzel.

Neben dem Schaf besaß sicherlich die Bananenbombe den höchsten Wiedererkennungswert. Vor dem Abwurf bestimmte ich, wann der Sprengsatz explodieren sollte und musste entsprechend abschätzen, wie lang die Bombe bis zum Ziel benötigte. Die Bananenbombe zerschellte dann in eine Reihe von gelben Schrapnellen, die gewaltigen Schaden anrichteten.
Die größte Herausforderung besteht in Worms im Berechnen der Flugbahnen. Die unten angezeigte Stärke und Richtung des Windes beeinflussen etwa Raketen stark. Quelle: Amiga-Version / Moby Games  Die größte Herausforderung besteht in Worms im Berechnen der Flugbahnen. Die unten angezeigte Stärke und Richtung des Windes beeinflussen etwa Raketen stark. Immer noch gut spielbar
Worms war und ist kein plumpes Actionspiel, sondern erforderte Geschick und eine gehörige Portion Taktik. Gelegentlich spielten dann aber auch General Zufall und Feldmarschall Glück gewaltig mit - und das sorgte wiederum für besonders pikante Momente im Mehrspielerbetrieb. Und deshalb funktioniert das Spiel sogar im Jahr 2020 noch überraschend gut!

Wer jetzt übrigens Lust auf eine Partie Worms bekommen hat, für den gibt's gute Nachrichten: Das Original bekommt ihr problemlos beim Retrospiele-Anbieter GOG.com. Entwickler Team 17 kündigte zudem unlängst mit Worms 2020 einen Nachfolger an, der noch in diesem Jahr auf den Markt kommen soll. Der veröffentlichte Teaser-Trailer lässt auf einen 3D-Ableger und auf eine Rückkehr kultiger Waffen wie der heiligen Handgranate aus Worms 2 schließen. Für mich jedenfalls dürfte Worms 2020 genau das Richtige sein - gerade, wenn die Coronakrise irgendwann wieder vorbei ist.

Empfohlener redaktioneller Inhalt [EMBED_URL] An dieser Stelle findest du externe Inhalte von [PLATTFORM]. Zum Schutz deiner persönlichen Daten werden externe Einbindungen erst angezeigt, wenn du dies durch Klick auf "Alle externen Inhalte laden" bestätigst: Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit werden personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.
Externe Inhalte Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.
  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 06/2026 play5 06/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk