Während Civ 7 schon in ein paar Monaten nach der Genrekorne greifen will, zeigt ARA: History Untold schon jetzt, wie man 4X-Rundenstrategie anders angehen kann. Im Test erläutern wir, wodurch sich ARA abhebt.
Leute, aktuell ist eine wirklich gute Zeit, um Fan von historischer Rundenstrategie zu sein! Anfang des Jahres legte Millennia mit frischen Ideen vor, auch wenn es leider etwas unfertig ins Getümmel geworfen wurde. Nächsten Februar steht mit Civilization 7 (Gespielt-Vorschau) schon der heiß ersehnte und noch heißer diskutierte nächste Teil des Genrekönigs an. Und genau dazwischen will jetzt ARA: History Untold mit einem spannenden Konzept zeigen, dass man solche Rundenstrategie auch mit Aufbauspielen kombinieren kann. Wie gut dieser Mix aufgeht, klären wir ausführlich im Test.
In diesem Artikel
- Seite 1 ARA: History Untold im Test - wenn Civ und Sim City ein Kind hätten
- Seite 2 ARA: History Untold im Test - wenn Civ und Sim City ein Kind hätten
- Seite 3 ARA: History Untold im Test - wenn Civ und Sim City ein Kind hätten
- Seite 4 ARA: History Untold im Test - wenn Civ und Sim City ein Kind hätten
- Seite 5 Bildergalerie
ARA stammt aus der Feder von Oxide Games, deren Gründer vor allem aus dem ehemaligen Lead-Team von Civ 5 zusammengesetzt sind. Die Ähnlichkeiten zum großen Vorbild sind also kein Zufall. Doch während die Civ-Macher mit dem siebten Teil die Komplexität ein wenig nach unten schrauben, geht ARA den entgegengesetzten Weg. Hier haben wir ein Spiel, das vor allem Genre-Liebhaber interessieren dürfte, die sich gerne knietief in die Spielsysteme wühlen.
Zu Beginn einer Partie ist aber erstmal alles sehr gewohnt. Wir konfigurieren uns also die Weltkarte und wählen einen Anführer samt Volk aus insgesamt 36 Optionen - oder im Fall der teureren Deluxe Edition aus 41 Stück. Jeder davon hat ein einzigartiges Merkmal und eine Hand voll Charaktereigenschaften, die unter allen Anführern immer wieder auftauchen. Damit geben uns die Entwickler für jeden erdenklichen Strategie-Schwerpunkt eine passende Wahl an die Hand. Denn in einem Punkt brilliert ARA: Es lässt uns viele Möglichkeiten, um ans Ziel zu kommen.
Prestigeträchtig
Das liegt vor allem am Prestigesystem, das bis ins kleinste Detail unsere Taten als Spieler mit Punkten belohnt. Wer eine robuste Industrie aufbaut, kann ebenso viel Prestige anhäufen wie Spieler, die ihre gegründete Religion erfolgreich in die Welt hinaustragen. Oder wir fokussieren uns auf Forschung, sind siegreich auf dem Schlachtfeld, expandieren fleißig, überzeugen mit kulturellen Meisterwerken oder bauen imposante Weltwunder. ARA bietet hier enorme Flexibilität. Dadurch gibt es sowohl für kompetitive Spieler Anreize als auch diejenigen, der gerne gemütlich ein großes, florierendes Reich aufbauen.
Quelle: PC Games
Die Prestige-Rangliste
Eine besonders spannende Idee dabei: Die Prestigepunkte dienen nicht nur dazu, am Ende die Siegernation zu bestimmen. Sie entscheiden auf dem Weg dahin mitunter auch über die Auslöschung von Nationen. Analog zum kommenden Civ 7 (Mega-Analyse im Podcast) ist auch ARA in drei spielerische Akte aufgeteilt. Der erste Akt geht von den Anfängen der Menschheit bis zur Antike. In Akt 2 folgen das frühe Mittelalter bis zur Zeit der Aufklärung. Und im dritten Akt erlebt die Menschheit die Ära der Maschinen bis zur nahen Zukunft.
Sobald entweder genügend Nationen technologisch in einem neuen Akt angekommen sind oder ein einzelnes Reich sogar sehr weit fortgeschritten ist, beginnt ein Countdown für die Welt. Spätestens jetzt müssen die Spieler, die unten auf der Prestige-Rangliste sind, nochmal alles geben.
Denn bei jedem Aktwechsel geraten die Schlusslichter in Vergessenheit und werden komplett aus dem Spiel entfernt! Es bleiben nur Ruinen zurück, die von den Überlebenden mit Spähern für ein paar Gegenstände geplündert werden können. Wer das zu radikal findet - speziell im Mehrspielermodus - kann dieses Feature für menschliche Spieler auch deaktivieren. Dann erwischt es nur KI-Widersacher.
Die Krux mit der Schwierigkeit
Grundsätzlich ist das eine sehr coole Idee, doch leider hat das ganze Prestigesystem auch eine Schattenseite. Da man für alles Punkte sammelt, zeichnet sich relativ schnell ab, welche Nationen im Verlauf einer Partie die Nase vorne haben. Denn je erfolgreicher man ist, desto leichter kann man noch mehr Punkte anhäufen. Damit das nicht völlig eskaliert, gibt es zumindest eine Begrenzung, wie viele Städte man im Reich haben kann. Die Zahl hängt von der Regierungsform und anderen Faktoren ab.
Quelle: PC Games
Ein Event mit einem KI-Spieler
Trotz dieser Einschränkung war die Spannung spätestens im Lategame der meisten von uns gespielten Partien eigentlich schon raus, weil klar war, worauf es hinauslaufen wird. Entweder wir haben klar dominiert oder die KI-Gegner haben uns auf den allerhöchsten paar Schwierigkeitsstufen direkt abgehängt. Den Sweet Spot muss man erstmal für sich finden, was einige Partien dauern kann.
Denn wie bei den meisten Spielen des Genres, wird die Herausforderung auf hohen Spielstufen dadurch gegeben, dass unsere Widersacher spürbare Vorteile erhalten und aggressiver spielen. Während wir uns dann grade mal den ersten Siedler leisten können, haben die KI-Gegner schon zwei oder drei weitere Städte gegründet. Und dazu sei gesagt, dass ARA selbst für Genreverhältnisse sehr langatmig ist. Da dauert eine Partie auf Standardgeschwindigkeit gut und gerne mal 20 Stunden.
