Fallout: London: Bugfest oder Meisterwerk? Die Mega-Mod im großen Check

Special Felix Schütz
Fallout: London: Bugfest oder Meisterwerk? Die Mega-Mod im großen Check
Quelle: Mobygames, Team Folon, PC Games

Unglaublich ambitioniert und total verbuggt? Wir haben die gehypte XXL-Mod für Fallout 4 intensiv gespielt und klären, was euch in Fallout: London erwartet, warum sich der Download wirklich lohnt - und ob ihr vielleicht noch warten solltet.

Am Charakter- und Levelsystem hat sich allerdings nur wenig getan. Ihr könnt zu Beginn nun aus zwei optionalen Traits wählen, die euch positive und negative Eigenschaften verpassen - wieder ein Wink aus New Vegas. Doch abgesehen davon geht es wieder ganz ähnlich zu wie in Fallout 4. Sobald ihr eine Stufe aufsteigt, hebt ihr also wieder ein Special-Attribut an oder wählt einen von vielen mächtigen Perks. Die werden diesmal wieder als Liste dargestellt und nicht wie in Fallout 4 als hübsches Poster. Das ist weder praktisch noch hübsch, doch die Funktionen dahinter bleiben weitestgehend gleich.

God save the mod! Wird Fallout: London dem Hype gerecht? Quelle: PC Games Auch Handwerk und Handel laufen genauso ab wie früher, da versuchen die Entwickler also gar nicht erst, das Rad neu zu erfinden. Es gibt natürlich neue Rezepte und ihr dürft diesmal auch Tee kochen, doch an den Grundlagen ändert sich nichts.

Das Gleiche gilt auch für die Stützpunkte: Es gibt wieder mehrere Orte, an denen ihr euch ein eigenes Zuhause basteln und NPCs anheuern könnt. Das läuft alles wie gehabt, nur mit dem Unterschied, dass ihr eure erste Siedlungsmöglichkeit erst mal eine Weile suchen müsst. Zum Vergleich: In Fallout 4 gab's den ersten Bauplatz gleich zu Beginn der Hauptquest, den konnte man also unmöglich verpassen. In Fallout: London läuft das anders, hier müsst ihr schon selbst die Augen offenhalten.

God save the mod! Wird Fallout: London dem Hype gerecht? Quelle: PC Games Überhaupt nimmt euch Fallout: London deutlich weniger an die Hand, was aber auch nur logisch ist - bei einer Mod darf man schließlich davon ausgehen, dass die Funktionen aus dem Hauptspiel bekannt sind. Das führt allerdings auch dazu, dass man längst nicht so intuitiv in die Welt eintaucht wie beispielweise in Bethesdas Originalen, da diese einfach eine bessere Spielerführung hatten.

Satter Umfang

Wer sich aber ein bisschen auf den Schauplatz einlässt, findet reichlich gute Gründe, um ihn sorgfältig abzusuchen. London entpuppt sich als ein postnuklearer Hexenkessel, in dem verschiedenste Fraktionen, Gangs, Kultisten und andere zwielichtige Organisationen um die Kontrolle ringen. Im noblen Westminster regieren zum Beispiel die reichen Gentry, in anderen Bezirken haben sich dafür Gaunerbanden wie die Vagabonds breitgemacht, außerdem laufen euch immer wieder die militärisch organisierten Tommies über den Weg, die ihre eigenen Vorstellungen von Ordnung haben. Im Spielverlauf könnt ihr euch mehreren Seiten anschließen und überraschend abwechslungsreiche Aufträge erfüllen.

Dabei gilt es, auch jede Menge knifflige Entscheidungen zu fällen, von denen einige in mehreren Endsequenzen münden. Das ist zwar prima, allerdings schwankt die Qualität der Aufträge und Dialoge spürbar. Bei knapp 200 Quests (!) war das aber wohl zu erwarten. Die Mod-Entwickler liefern hier trotzdem eine gewaltige Leistung ab: Laut offizieller Website soll Fallout: London rund 90 Stunden an Inhalten bieten! Wir würden aber darauf tippen, dass die reale Spielzeit noch deutlich darüber liegt.

God save the mod! Wird Fallout: London dem Hype gerecht? Quelle: PC Games Zumal alle NPCs vollständig vertont sind, was einmal mehr zeigt, was für ein enormer Aufwand in das Projekt geflossen ist. Unterm Strich ist die englische Sprachausgabe gut gelungen und sorgt für Atmosphäre. In einer Gastrolle ist mit John Bercow sogar der ehemalige Speaker of the House zu hören - cooler geht es eigentlich nicht.

Es gibt aber natürlich auch ein paar Ausreißer, die eher bemüht klingen als professionell. Und auch von der Inszenierung sollte man keine Wunder erwarten, besondere Skriptsequenzen sind zum Beispiel sehr selten. Doch für ein kostenloses Fanprojekt geht die Qualität völlig in Ordnung.

Kniffliger als Fallout 4

Während ihr die Ruinen von London erkundet, stoßt ihr meistens auf Hooligans und andere Gangster, auch die typischen Ghule sind wieder mit an Bord. Die Entwickler haben aber auch neue Gegnertypen eingebaut, die ein wenig frischen Wind ins Gameplay bringen. Anstelle von Deathclaws gibt es diesmal zum Beispiel die Famished, die kleiner ausfallen und schnell auf euch zu flitzen.

God save the mod! Wird Fallout: London dem Hype gerecht? Quelle: PC Games Zu den typischen Mister-Handy-Robotern gesellt sich außerdem eine weitere Blechbüchse, die sich geschickt als Briefkasten tarnt und so für die eine oder andere Schrecksekunde sorgt. Es gibt auch mit Pflanzen überwucherte Dryaden, bissige Füchse, Riesenratten und so einiges mehr. Nur klassische Supermutanten trefft ihr diesmal nicht, da das FEV-Virus in London nie zum Einsatz kam. Doch keine Sorge, dafür gibt es andere dickere Brocken, die euch das Leben schwer machen ...

God save the mod! Wird Fallout: London dem Hype gerecht? Quelle: PC Games Der Schwierigkeitsgrad fällt etwas höher aus als in Fallout 4. Das mag daran liegen, dass Stimpaks und Radaway äußerst sparsam verteilt sind. Oder vielleicht liegt es auch daran, wie ihr in die Welt entlassen werdet. In Fallout 4 habt ihr noch gemütlich links oben auf der Map angefangen, von dort aus bewegte man sich langsam ins Stadtzentrum von Boston. In Fallout: London läuft es genau andersrum ab: Hier startet ihr ziemlich genau in der Stadtmitte und könnt von nun in fast jede Richtung marschieren. Dadurch trifft man gerade anfangs schnell auf hochstufige Gegner, die euch blitzschnell plattmachen, auch die Menge an erkundbaren Orten, Geschäften, Bunkern und Häusern könnte einen anfangs erschlagen.

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