Fallout: London: Bugfest oder Meisterwerk? Die Mega-Mod im großen Check
Special
Unglaublich ambitioniert und total verbuggt? Wir haben die gehypte XXL-Mod für Fallout 4 intensiv gespielt und klären, was euch in Fallout: London erwartet, warum sich der Download wirklich lohnt - und ob ihr vielleicht noch warten solltet.
Besonders fies: Manche Gewässer sind unglaublich verstrahlt, wer da unvorsichtig in die Themse hüpft, stirbt binnen Sekunden. In Fallout 4 gab es stets die Möglichkeit, für kniffligere Passagen und verstrahlte Zonen einfach in eine praktische Power Armor zur schlüpfen. Doch in Fallout: London müsst ihr ohne solche Tricks auskommen!
Außerdem erhaltet ihr gerade in den ersten Stunden nur wenig Munition. Die Mod-Entwickler wollen nämlich, dass ihr auch längerfristig Nahkampfwaffen benutzt. Nun war Nahkampf eigentlich nie eine große Stärke der Reihe, doch zumindest bekommt man diesmal schon früh eine sehr gute Schlagwaffe, mit der man viele Gefechte erledigen kann, ohne Munition zu verschwenden. Wählt man dann noch die passenden Perks dazu und sieht sich nach einer anständigen Rüstung um, verlieren die meisten Standardgegner schnell ihren Schrecken. Spätestens dann pendelt sich auch der normale Schwierigkeitsgrad halbwegs ein - auch wenn das Balancing sicher noch mehr Feinschliff gebrauchen könnte.
Warum es noch Patches braucht
Was uns zu der Frage bringt, wie es mit Fallout: London weitergeht. Mittlerweile haben die Entwickler einen ersten Hotfix veröffentlicht, ein größerer Patch ist bereits in Arbeit - und der ist auch sicher nötig. Selbst wenn man die Abstürze in den Griff bekommt, gibt es noch ne ganze Reihe kleinerer und größerer Bugs. Einmal sollten wir zum Beispiel einen Angriff von Hooligans abwehren. Weil da aber irgendwas nicht richtig ausgelöst wurde, blieben die Gegner unverwundbar - da half nur neu laden und so lange rumprobieren, bis es irgendwann doch klappte.
Quelle: PC Games
An anderer Stelle war dann plötzlich mal unser Begleiter weg, ohne uns zu verraten, wohin er denn bitteschön gegangen ist. Immerhin: Der Bug ist bereits bekannt und wird hoffentlich schon bald gefixt. Anfangs gab es auch einen ärgerlichen Fehler mit sammelbaren Bierdeckeln, die euch eigentlich dicke Boni verleihen sollen (ähnlich wie die sammelbaren Figürchen in Fallout 4). Die Bierdeckel waren allerdings so kaputt, dass sie euch sogar dicke Nachteile verpassen konnten -zum Glück hat der erste Hotfix hier nachgebessert!
Trotzdem: Wäre das Spiel ein stinknormaler Release, müsste man es für solche Schnitzer abstrafen. Doch Fallout: London ist eben alles andere als gewöhnlich. Man muss sich das einfach mal vor Augen führen: Es handelt sich um ein reines, kostenloses Fan-Projekt. Es wurde ohne Bezahlung von gut organisierten Moddern entwickelt, ohne offiziellen Support von Bethesda. Und natürlich gab es auch kein professionelles Q&A-Team, was bei einem Spiel dieser Größenordnung eigentlich blanker Wahnsinn ist. Warum die Entwickler aber nicht zumindest eine offene Beta-Phase durchgeführt haben, wird wohl ein ewiges Rätsel bleiben - dem fertigen Release hätte es sicher gut getan.
Kein zweites New Vegas? Trotzdem gut!
Ein so ambitioniertes Projekt wie Fallout: London überhaupt fertigzustellen, ist eine gewaltige Leistung. Und es löst tatsächlich viele seiner Versprechen ein: Ihr bekommt ein komplettes Fallout mit brandneuem Schauplatz und gewaltigen Umfang geboten, daran ändern auch ein paar Schönheitsfehler nichts. Die technischen Probleme zum Release sind aber ein echtes Ärgernis. Im Zweifelsfall sollte man tatsächlich besser noch abwarten, bis die nächsten größeren Patches eingetrudelt sind.
Falls ihr aber mit Bugs umgehen könnt, vor Mods nicht gleich zurückschreckt und eure Erwartungen im Griff habt, werdet ihr schon jetzt mit einer erstklassigen Fan-Entwicklung belohnt. Fallout: London ist nicht perfekt, macht aber sehr vieles richtig und der Umfang ist gewaltig - schon allein deshalb darf es sich in einem Atemzug mit Werken wie Enderal nennen.
Und auch für Bethesda sollte der Hype um Fallout: London ein wichtiges Signal sein: Vielleicht wäre es langsam an der Zeit, die Marke mal wieder einem anderen Studio anzuvertrauen. Egal ob ein brandneuer Ableger im Stil von New Vegas, eine Enhanced Edition von Fallout 3 oder vielleicht doch lieber ein Remake vom allerersten Teil: Die Fans haben wieder Lust auf mehr! Und an fähigen Entwicklern mangelt es ganz offensichtlich nicht.
