Die große Anno-Historie: Anno 2205 und die Sinnkrise für die Anno-Serie

Special Carlo Siebenhüner Viktor Eippert Felix Schütz Matthias Dammes Tobias Meyer
Die große Anno-Historie: Anno 2205 und die Sinnkrise für die Anno-Serie
Quelle: Ubisoft

Anno 2205 wollte die Serie gehörig auf links krempeln. Die Entwickler verstolperten sich und die Fans waren gespalten.

In diesem Artikel

  1. Seite 1 Anno-Historie: Anno 1602
    1. 1.1 Anno 1602: Erschaffung einer neuen Welt | 31. März 1998 | PC
      1. 1.1.1 Anno 1602: Alles für die Einwohner
      2. 1.1.2 Anno 1602: Logistik und Warensimulation
      3. 1.1.3 Anno 1602: Expansion und Krieg
      4. 1.1.4 Anno 1602: Aus dem Stand ein Mega-Hit
  2. Seite 2 Anno-Historie: Anno 1503
    1. 2.1 Anno 1503: Aufbruch in eine neue Welt | 25. Oktober 2002 | PC
      1. 2.1.1 Anno 1503: Mehr Details, dank 2D
      2. 2.1.2 Anno 1503: Neues Steuersystem bringt Ärger
      3. 2.1.3 Anno 1503: Der verschollene Multiplayer
  3. Seite 3 Anno-Historie: Anno 1701, Anno 1701 (NDS)
    1. 3.1 Anno 1701 | 26. Oktober 2006 | PC
      1. 3.1.1 Anno 1701: Einführung des Rechtsklick-Menüs
      2. 3.1.2 Anno 1701: Neuer Glanz in 3D
    2. 3.2 Anno 1701 | 8. Juni 2007 | Nintendo DS
      1. 3.2.1 Anno 1701 DS: 2D statt 3D
      2. 3.2.2 Anno 1701 DS: Sunflowers in Schwierigkeiten
  4. Seite 4 Anno-Historie: Anno 1404, Anno - Erschaffe eine neue Welt
    1. 4.1 Anno 1404 | 25. Juni 2009 | PC
      1. 4.1.1 Anno 1404: Dreidimensionale Blütezeit
      2. 4.1.2 Anno 1404: Indirektes Militär und Katastrophen
      3. 4.1.3 Anno 1404: Das Add-on: Venedig
      4. 4.1.4 Anno 1404: Einfluss und Vermächtnis
    2. 4.2 Anno - Erschaffe eine neue Welt | 25. Juni 2009 | Nintendo Wii, Nintendo DS
  5. Seite 5 Anno-Historie: Anno 2070, Anno Online
    1. 5.1 Anno 2070 | 17. November 2011 | PC
      1. 5.1.1 Anno 2070: Die Welt nach dem Klimawandel
      2. 5.1.2 Anno 2070: 20.000 Meilen unter dem Meer
      3. 5.1.3 Anno 2070: Add-on "Die Tiefsee"
    2. 5.2 Anno Online | 26. September 2013 | PC
      1. 5.2.1 Anno Online: Warten oder zahlen
  6. Seite 6 Anno-Historie: Anno 2205
    1. 6.1 Anno 2205 | 3. November 2015 | PC
      1. 6.1.1 Anno 2205: Stark vereinfacht: Logistik und Transport
      2. 6.1.2 Anno 2205: Die Arktis - Anno war nie cooler
      3. 6.1.3 Anno 2205: Fly me to the moon
      4. 6.1.4 Anno 2205: Kämpfe - Strategie auf hoher See
      5. 6.1.5 Anno 2205: Börsenchaos und Online-Ärger
  7. Seite 7 Anno-Historie: Anno 1800
    1. 7.1 Anno 1800 | 16. April 2019 | PC, PS5, XSX
      1. 7.1.1 Anno 1800: Arbeiter und Bauern
      2. 7.1.2 Anno 1800: Attraktivität und Tourismus
      3. 7.1.3 Anno 1800: Umfangmonster
      4. 7.1.4 Anno 1800: Neue Plattformen
  8. Seite 8 Anno-Historie: Anno 117: Pax Romana
    1. 8.1 Anno 117: Pax Romana | 13. November 2025 | PC, PS5, XSX
      1. 8.1.1 Anno 117: Stadthalter Roms
      2. 8.1.2 Anno 117: Rosige Zukunft
  9. Seite 9 Bildergalerie

Anno 2205 | 3. November 2015 | PC

Nach dem Sci-Fi-Ausflug in Anno 2070 rechneten viele Fans wieder mit einem historischen Setting fürs nächste Spiel. Doch die Entwickler dachten gar nicht dran und gingen mit Anno 2205 sogar noch einen Schritt weiter in die Zukunft. Das präsentierte sich nicht nur futuristischer denn je, es machte auch inhaltlich eine ganze Menge anders.

So gab es hier keine klassische Kampagne mehr, denn die ist nun fest mit dem Endlos-Modus verschmolzen. Außerdem habt ihr nicht nur auf einer riesigen Map mit vielen Inseln gesiedelt. Stattdessen habt ihr diesmal mehrere handgefertigte Karten mit kleineren Inselgruppen gleichzeitig verwaltet.

Eine Stadt in der gemäßigten Zone von Anno 2205. Quelle: PC Games Die gemäßigte Zone in Anno 2205 war noch klassischer Aufbau im bekannten Anno-Stil.

Anno 2205: Stark vereinfacht: Logistik und Transport

Gestartet wurde in der gemäßigten Zone, wo es noch recht klassisch zuging. Erst mal Wohneinheiten hochziehen und Versorgungsgebäude in die Nähe setzen, um eure Einwohner zufriedenzustellen. Dazu brauchte es Baumaterial, Nahrung, Vitamindrinks und vieles, vieles mehr. Entsalzungsanlagen und Algenfarmen wurden an Ufern errichtet und Bergwerke lieferten derweil Bodenschätze zur Weiterverarbeitung. So weit, so vertraut.

Schaute man aber genauer hin, zeigten sich die Unterschiede zu 2070: Fruchtbarkeit spielte beispielsweise keine Rolle mehr, außerdem hatten Marktplätze und Warenlager ausgedient, denn alle Rohstoffe und Güter wurden nun automatisch auf der gesamten Map abgeliefert. Transportwege waren damit weggefallen, genauso wie Warenschiffe, die früher zwischen den Inseln rumfahren mussten. Und bei dieser Vorstellung bekamen Anno-Veteranen erst mal Schnappatmung. Schließlich war es doch auch das Warten auf den Holzfäller und den Marktkarren, das das Anno-Feeling ausgemacht hat.

Sehr spannend war die Einführung der Arbeitskraft. Das gab euren Einwohnern einen zusätzlichen Sinn und machte sie zur Ressource. Jedes Produktionsgebäude benötigte jetzt eine gewisse Anzahl an Arbeitskräften, die sich aus euren Bewohnern speiste. So ergab sich ein ganz neues Gleichgewicht aus genug Produktion und genug verfügbaren Arbeitskräften, das Spieler jetzt zusätzlich balancieren mussten. Dabei zählte Anno 2205 aber alle Einwohner zusammen und machte keine Unterscheidung. Das sollte erst im Nachfolger kommen und dem Arbeitskräftesystem helfen, sich voll zu entfalten.

Die arktische Zone in Anno 2205 Quelle: PC Games In der Arktis mussten Wohngebäude direkt neben Produktionsgebäuden erbaut werden, damit deren Wärme genutzt wird. 

Anno 2205: Die Arktis - Anno war nie cooler

Komplexer wurde es dann, sobald ihr die zweite Klimazone erreicht hattet, denn um bestimmte Waren herzustellen, musstet ihr auch in der Arktis eine Siedlung gründen. Hier galten aber andere Regeln, zum Beispiel musstet ihr die Wohnhäuser eurer Siedler zwingend im Wärmeradius von Betrieben errichten. Bei dem begrenzten Bauplatz war das gar nicht so leicht, sodass man hier ständig nachbessern und seine Bauweise optimieren musste.

Darum durftet ihr erstmals jedes Gebäude kostenlos verschieben, bis ihr die perfekte Anordnung gefunden hattet. Außerdem gab es nun für die meisten Betriebe verschiedene Module, die ihr einfach dranflanschen konntet. Die senkten dann zum Beispiel die Energiekosten oder den Logikstikbedarf. Allerdings waren sie teuer und mussten genau wie Gebäude oft verschoben werden - das machte Anno 2205 manchmal zu einer ganz schönen Puzzelei, was aber auch sehr befriedigend sein konnte.

Anno 2205: Fly me to the moon

Für die nächste Einwohnerstufe musstet ihr dann richtig hoch hinaus, denn diesmal durftet ihr auch die Mondoberfläche besiedeln. Hier musstet ihr alle Gebäude unter einem Energieschild platzieren, damit sie vor Meteoriteneinschlägen geschützt waren. Das war atmosphärisch richtig cool umgesetzt, spielerisch blieb's aber eigentlich ganz vertraut.

Anstatt Fische zu fangen oder Algen zu züchten, musstet ihr hier seltene Erden schürfen, das wertvolle Helium-3 abbauen und schließlich damit beginnen, einen Kernfusionsreaktor zu bauen, der all eure Energiesorgen auf der Erde lösen sollte.

Damit es auf sämtlichen Karten rund lief, musstet ihr zwischen ihnen Transferrouten einrichten. So ließen sich alle benötigten Güter und sogar Energie kreuz und quer verteilen, ganz ohne Wartezeit. Allerdings wurde das Menü nach einer Weile auch arg unübersichtlich - kein Wunder bei den Dutzenden an Gütern, die man da jonglieren musste.

Man sieht die Weltkarte in Anno 2205. Quelle: PC Games Waren wurden in Anno 2205 augenblicklich transferiert. Die Handelsrouten konnten dennoch unübersichtlich werden.

Anno 2205: Kämpfe - Strategie auf hoher See

Auch in Sachen Militär ging Anno 2205 einen komplett anderen Weg. Dieses Mal standen euch nämlich kurze Kampfeinsätze zur Wahl, die sich wie ein Echtzeit-Taktikspiel gespielt haben. Dazu musstet ihr eine kleine Schiffsflotte in irgendein Krisengebiet schicken, wo sie dann feindliche Gebäude, Türme, Minenfelder und Schiffe wegballerte. Zwischendurch habt ihr Energiepunkte und Power Ups gesammelt, mit denen ihr dann beispielsweise Raketenangriffe auslösen oder eure Schiffchen reparieren konntet. Das spielte sich zwar ganz okay, motivierte aber überhaupt nicht und wiederholte sich noch dazu ständig. Gerade bei den eingefleischten Fans kam das Konzept darum gar nicht gut an.

Trotzdem wurde auch Anno 2205 mit mehreren DLCs erweitert. So durftet ihr später weitere Karten besiedeln, die mit der Tundra auch eine völlig neue Klimazone boten. Hier warteten dann wieder frische Gebäude, Waren und Produktionsketten darauf, eure Wirtschaft ordentlich durcheinanderzuwirbeln. Mit einem anderen DLC erhieltet ihr dann sogar Zugriff auf eine orbitale Raumstation, an der ihr verschiedene Module sorgfältig zusammenpuzzeln musstet.

Wenn ihr dann noch regelmäßig Astronauten von der Erde aus hochgeschickt habt, durftet ihr in einem Forschungsmenü neue Technologien freischalten, die euch starke Vorteile verpasst haben.

Der Bau in einem Mondkrater in Anno 2205 Quelle: PC Games Auf dem Mond war der Platz begrenzt, denn es musste unter Energieschilden gebaut werden.

Anno 2205: Börsenchaos und Online-Ärger

Andere Features wirkten dagegen nicht so richtig zu Ende gedacht, etwa die globale Börse. Dort konntet ihr mit anderen Spielern um ihre Firmenanteile wetteifern, musstet aber darauf achten, dass euch niemand eure eigene Firma unter dem Hintern wegkauft. Das war in der Theorie spannend, in der Praxis aber ganz schön nervig, weil da alle paar Minuten ein Verhandlungsfenster aufploppte. Und sauteuer war es obendrauf.

Gezielte Live-Service-Features Features wie etwa eine regelmäßige Ratsabstimmung sollten Anno 2205 außerdem langfristig im Multiplayer fit halten - doch leider wurde der Dienst nach ein paar Jahren eingestellt. Das führt heute zu einem Fehler, durch den euch mehrere NPCs fast pausenlos mit Sprachnachrichten bombardieren. Die Entwickler haben diesen Schnitzer leider nie ausgebessert, sodass sich die Fans dafür einen eigenen Patch basteln mussten.

Hat man den aber installiert, macht Anno 2205 immer noch eine Menge Spaß, auch wenn es in vielen Aspekten schon deutlich aus der Reihe tanzt. Es gilt damit bis heute als der kontroverseste Teil der ganzen Anno-Serie - und es ist laut den Entwicklern auch das einzige Spiel, das sie gerne noch einmal überarbeiten würden, wenn sie die Chance dazu hätten. Zwar sorgte Anno 2205 bei Release mit seinem wunderschönen Design für offene Münder, doch die Abkehr von geliebten Traditionen, die simple Logistik und die neuen Kampfmissionen schadeten seinem Ruf nachhaltig. Die Entwickler zogen ihre Lehren daraus - und versprachen, für den nächsten Serienteil wieder enger mit der Community zusammenzuarbeiten.

  1. Seite 1 Anno-Historie: Anno 1602
  2. Seite 2 Anno-Historie: Anno 1503
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