Warum Spieleübersetzung so komplex ist: Kontext, Kultur und Synchro entscheiden, ob ein Spiel auf Deutsch wirklich funktioniert.
Allerdings besteht der Übersetzerjob nicht bloß daraus, Wörter und Sätze von einer Sprache in die andere zu übertragen. Jeder, der schon mal Sachen mit dem Google Translator übersetzt hat, weiß: Wort-für-Wort-Übersetzungen klingen selten so, wie ein normaler Mensch spricht. Vielmehr geht es bei einer guten Übersetzung auch um eine kulturelle Anpassung an den Zielmarkt.
Manche Wortspiele lassen sich etwa nicht eins zu eins übersetzen und brauchen dann das Pendant in der Zielsprache. Manche Begriffe haben unterschiedliche deutsche Varianten und die Übersetzer müssen dann die passende finden.
In diesem Artikel
- Seite 1 Die Geschichte der Lokalisierung in Deutschland
- Seite 2 Die Spiele lernen Deutsch
- Seite 3 Die Vorbereitung ist alles
- Seite 4 Mehr als nur eine Übersetzung
- Seite 5 Die ersten Schritte der Synchro
- Seite 6 Kosten, Sparmaßnahmen und KI im Fokus
- Seite 7 Lokalisierung braucht Anerkennung
- Seite 8 Bildergalerie
Ein Dialog zwischen zwei Personen ist noch relativ leicht zu übersetzen. Doch auch da muss man beachten, wie die Ansprechhaltung ist, ob bestimmte Formulierungen zum Beispiel zu der Zeitepoche eines Spiels passen.
Und natürlich auch, was das für Charaktere sind. Lustig wird's nämlich, wenn ein Charakter in der Originalsprache etwa bereits Deutsch spricht - wie in Kingdom Come 2. Da gibt es ein zufälliges Event, bei dem ihr auf Ulrich von Remold trefft. Das ist ein deutscher Ritter und im Englischen kann Heinrich den Kollegen wenig bis gar nicht verstehen. Da ist Deutsch also die Fremdsprache.
Quelle: Plaion
Ultich von Remold spricht in der englischen Version von Kingdom Come 2 bereits Deutsch. Hier mussten die Übersetzer also kreativ werden.
In der deutschen Übersetzung macht das aber natürlich keinen Sinn, wenn einfach alle Deutsch sprechen. Da mussten die Übersetzer also einen neuen Weg finden, und so ist der gute Ulrich in der deutschen Version ein gebildeter Dichter und Heinrich kommt bei seiner Ausdrucksweise nicht so gut hinterher.
Der Kontext ist entscheidend
Noch spezieller wird es bei der Übersetzung von Beschreibungen und Erläuterungen. Spätestens da muss man eindeutig wissen, wovon man redet.
Für Übersetzer bedeutet das, dass neben der eigentlichen Übersetzung noch ständige Recherche und Einarbeitung in bestimmte Themen dazukommen. Zwar bekommt man im besten Falle einen Kontext von den Entwicklern mitgeliefert, worum sich der Text im Spiel dreht. Das ist aber eben nur ein Indiz, mit dem die Übersetzer dann eine passende Formulierung in ihrer Zielsprache herausfinden müssen.
Aus diesem Grund gelten für Spieleübersetzungen 2.000 bis 2.500 Wörter pro Tag als grober Richtwert. Das ist übrigens nur ein bisschen weniger, als dieser Text hier bis zu dieser Stelle lang ist. Allerdings kann das auch deutlich weniger werden, je mehr Rechercheaufwand nötig ist. Etwa weil die Entwickler nicht genug Kontext mitgeliefert haben.
So bekommt man auch eine ungefähre Vorstellung davon, wie lang es dann dauert, einen Text mit mehreren Millionen Wörtern zu übersetzen. Das kann ein einzelner Mensch in vernünftiger Zeitspanne gar nicht schaffen. Deswegen sitzen meist mehrere Übersetzer an einem Projekt dieser Größenordnung.
Doch auch bei einer passenden Übersetzung ist noch nicht Schluss. Spätestens im LQA merkt man dann nämlich, ob der Text überhaupt ins Spiel passt oder dort Probleme macht. Denn auch im Spiel können Bugs auftreten, wie uns Nadine Ewing, die deutsche Übersetzerin für Guild Wars 2, erklärt. Für das altehrwürdige MMO sind die deutsche Übersetzung und Synchro nämlich enorm wichtig.
Synchro oder keine Synchro?
Hat der Spieltext die drei Hürden der Übersetzung aber überwunden und ist fertig im Spiel, ist ein großer Teil der Lokalisierung abgeschlossen und ein Hersteller könnte das Spiel damit veröffentlichen.
Allerdings fehlt dann ja noch die Sprachausgabe, wenn es eine gibt. Hier gilt vor allem in Deutschland die Kostenfrage noch viel mehr.
Wo eine qualitativ hochwertige Übersetzung durchaus ihre Kosten hat, geht die Sprachausgabe noch mal mehr ins Geld. Wer eine Sprachausgabe möchte, der braucht im Zweifel schon mehrere Synchronsprecher, damit nicht jeder Charakter gleich klingt. Obendrauf kommen dann noch die Kosten fürs Tonstudio dazu, das für eine gewisse Zeit geblockt werden muss, und natürlich die Gehälter von Regie und Tontechnikern.
Quelle: Plaion
Manchmal ist das Spiel noch nicht so weit. Also müssen die Synchronarbeiten mit einfachen Figuren und aufgeklebten Gesichtern auskommen.
Das kann schon mal über mehrere Monate gehen. Die deutschen Sprachaufnahmen für das Gothic Remake haben sich etwa über einen Zeitraum von anderthalb Monaten erstreckt. Allerdings muss die Synchro nicht am Stück passieren und kann auch zerstückelt werden. Das bringt aber wieder neue Hindernisse mit sich. Einerseits müssen die Sprecher natürlich überhaupt jedes Mal Zeit haben. Andererseits kann es auch gut möglich sein, dass die Entwickler noch gar nicht weit genug mit den Dialogen oder Cutscenes sind.
David Riedel-Brederlow, der Regisseur für die Sprachaufnahmen von Kingdom Come: Deliverance 2, erklärt das so:
Bevor aber irgendjemand überhaupt etwas einspricht, muss man natürlich die passenden Stimmen für seine Rollen finden. Wie die Regisseure und Synchrobeauftragten ihre Synchronsprecher finden, worauf es da ankommt und wie die Synchro dann schlussendlich entsteht, finden wir auf der kommenden Seite heraus.
