Konami: Von der kleinen Welle zum Kaventsmann - Geschichte der Branchenriesen

Special Stephan Petersen Maria Beyer-Fistrich
Konami: Von der kleinen Welle zum Kaventsmann - Geschichte der Branchenriesen
Quelle: Konami 

Mit dem Namen Konami verbindet man großartige Spielereihen wie Metal Gear Solid und Pro Evolution Soccer. Doch wo liegen die Anfänge des japanischen Unternehmens und wie wurde Konami zu einer der wichtigsten Branchengrößen?

In das Jahr 1969 fallen die Mondlandung, Woodstock ... und die Geburt von Konami. Zusammen mit drei Partnern gründete Kagemasa Kozuki in Osaka eine Firma für die Vermietung und Reparatur von Jukeboxen. Vier Jahre später erhielt das Unternehmen den Namen Konami, zusammengesetzt aus den Anfangsbuchstaben der Namen der Firmengründer: Kozuki, Nakama, Matsuda und Ishihara. Warum zwei Gründer nur einen und die beiden anderen zwei Buchstaben zum Namen beisteuern durften, ist nicht überliefert. Vermutlich hing es aber damit zusammen, dass die Buchstabenkombination auf diese Weise einen dufte Namen ergab. Konami heißt übersetzt "Kleine Welle".

Tatsächlich waren die Anfänge zunächst bescheiden. Doch 1978 nahm die Welle an Intensität und Größe zu, als Konami in die Videospielbranche einstieg. Erste Arcade-Titel wie Space King (1978), Space King 2 (1979) und Astro Invader (1980) basierten auf dem beliebten Spielprinzip von Space Invaders (1978). 1981 bewiesen die Entwickler von Konami, dass sie nicht nur erfolgreich kopieren können, sondern auch selbst innovative Ideen haben. Im Februar 1981 erschien Scramble, einer der ersten Multi-Level-Shoot'em-ups. Das Spiel, in dem man mit einem futuristischen Innovativ, aber nur mäßig erfolgreich: das Schleich-Abenteuer Metal Gear (1986).  Quelle: Moby Games Innovativ, aber nur mäßig erfolgreich: das Schleich-Abenteuer Metal Gear (1986).  Flugzeug UFOs und Treibstofftanks zu Klump schoss, verkaufte sich hervorragend. Kein Wunder also, dass Konami im selben Jahr mit Super Cobra einen Nachfolger entwickelte.

Als noch erfolgreicher erwies sich ein im Juni 1981 veröffentlichtes Spiel. In Frogger mussten die Spieler bei ansteigendem Schwierigkeitsgrad möglichst vielen Fröschen über eine vielbefahrene Straße helfen, um Punkte zu sammeln und im besten Fall den Highscore zu knacken. Das Spielprinzip begeisterte Millionen Spieler und Frogger wurde zu einem DER Hits der goldenen Arcade-Ära. Damit noch mehr Spieler in den Genuss von Konami-Spielen kommen konnten, begannen die Japaner nun vermehrt, ihre Spiele für Heimkonsolen umzusetzen. Besonders auf dem Atari 2600 und dem in Japan sehr beliebten Heimcomputer MSX erschienen zahlreiche Konami-Spiele. Nach den finanziellen Erfolgen wagte Konami den nächsten Schritt und expandierte 1982 mit Konami America in die USA.

Aufstieg in den Achtzigern

Ein weiterer spielerischer Meilenstein folgte 1985. In Bezug auf das Gameplay orientierte sich Gradius an Scramble. Der Spieler steuerte ein Raumschiff, in diesem Fall die Vic Viper, durch seitlich scrollende Levels, pustete Objekte weg und wich feindlichem Beschuss aus. Das Innovative bei Gradius: die Power-ups in Kombination mit der Waffenwahl ermöglichten mehr taktische Möglichkeiten. Gradius war der Auftakt für ein überaus erfolgreiches Franchise, das 2008 in Gradius Rebirth seinen (bisherigen) Abschluss fand. Eindeutig von Blade Runner inspiriert: Hideo Kojimas Grafik-Adventure Snatcher (1988).  Quelle: Moby Games Eindeutig von Blade Runner inspiriert: Hideo Kojimas Grafik-Adventure Snatcher (1988). 

Zudem feierte in Gradius der berühmte Konami-Code sein Debüt. Kazuhisa Hashimoto hatte während der Entwicklung von Gradius einen Cheat Code implementiert, um mit einer bestimmten Tastenkombination alle Power-ups zu erhalten und so höhere Spiellevels sofort erreichen und testen zu können. Als findige Spieler den Code entdeckten, ließen ihn die Entwickler bei später produzierten Modulen im Spiel, da sie bei einer Entfernung Bugs und Glitches befürchteten. Aufgrund des riesigen Erfolgs des Spiels wurde der Konami Code ein fester Bestandteil und ein Kultfaktor. In den folgenden Jahrzehnten enthielten zahlreiche Spiele und Reihen in unterschiedlichen Variationen den Konami-Code. Hilfreich wie in Gradius 2 (1988), wo es nach Eingabe des Codes 30 Leben gab, oder witzig wie in Silent Hill 3 (2003), wo Nebencharakter Douglas Courtland nach der Tastenkombination in jeder Zwischensequenz in Unterwäsche erschien. Gradius (1985) war das erste Spiel mit dem berühmten Konami-Code.  Quelle: Moby Games Gradius (1985) war das erste Spiel mit dem berühmten Konami-Code. 

Ebenfalls in das Jahr 1985 fiel Konamis Entscheidung, zukünftig Spiele für Nintendos Famicom (NES) zu entwickeln. Zunächst konzentrierte sich Konami auf Portierungen altbekannter Hits. Dann folgten Spiele, die als erstes auf der NES erschienen. Eines davon: Castlevania (1986). Als Vampirjäger Simon Belmont sprangen, kletterten und krochen Spieler durch die titelgebende Burg und traten dabei allerlei grausigen Kreaturen in den untoten Hintern. Oder genauer gesagt: Simon lehrte ihnen mit seiner heiligen Peitsche das Fürchten. Castlevania wurde zu einem riesigen finanziellen Erfolg und einem der wichtigsten Konami-Franchises. Besonders auf Nintendos Platzhirsch NES fuhr Konami dicke Gewinne ein. 1988 folgte mit dem Börsengang der nächste große Schritt beim Aufstieg zur Branchengröße.

Nervenzerfetzender Psycho-Horror

1986 hatte Konami einen 23-Jährigen namens Hideo Kojima eingestellt. Bereits ein Jahr später erschien das erste Spiel des jungen Entwicklers: Metal Gear. Der Schleich-Shooter zeichnete sich durch seine innovative Spielmechanik aus. Offene Konfrontationen mit Gegnern galt es zu vermeiden, Gewalt war nur die letzte Option. Dennoch hatte Metal Gear nur mäßigen Erfolg. Das Gleiche galt für Hideo Kojimas vom Science-Fiction-Kultfilm Blade Runner inspiriertes Grafik-Adventure Snatcher (1988).

In der folgenden 16-Bit-Ära legte Konami den Fokus auf Fortsetzungen etablierter Marken, beispielsweise Gradius 3 (1990) für das SNES und Castlevania: Rondo of Blood (1993) für PC Engine. Aber Konami hatte auch einige neue Pfeile im Köcher, so etwa das Jump & Run Rocket Knight Adventures (1993) und die Dating Sim Tokimeki Memorial (1994). Als wesentlich lukrativer erwies sich für Konami jedoch der Einstieg ins Pachinko-­Geschäft, eine in Japan sehr populäre Mischung aus Glücksspiel und Arcade. Wer braucht schon italienische Klempner oder blaue Igel, wenn er ein Opossum in Ritterrüstung hat? Im Jump & Run Rocket Knight Adventures (1993) ist Held Sparkster auf Rettungsmission.  Quelle: Moby Games Wer braucht schon italienische Klempner oder blaue Igel, wenn er ein Opossum in Ritterrüstung hat? Im Jump & Run Rocket Knight Adventures (1993) ist Held Sparkster auf Rettungsmission. 

1993 verlegte Konami den Firmensitz nach Tokyo. Ein Jahr später gründeten die Japaner neue Studios, die sich auf eigene Marken und Schwerpunkte konzentrierten. Von KCE Tokyo erschienen vornehmlich Rollenspiele wie beispielsweise das deutlich RPG-lastigere Castlevania: Symphony of the Night (1997). Aber auch eine neue Marke in einem frischen Genre. Im Survival-Horror-Game Silent Hill (1999) lenkten Spieler mit zittrigen Händen den Protagonisten Harry Manson durch das gruselige Silent Hill und begaben sich auf die Suche nach Harrys verschwundener Tochter. Der Psycho-Horror- Trip mit seinem motivierenden Gameplay und der dichten Atmosphäre kam bei den Spielern hervorragend an. Etliche Fortsetzungen, Spin-offs und sogar zwei Verfilmungen folgten auf den Hit.

Metal Gear Solid

Bei KCE Japan (später Kojima Productions) stand die Metal Gear-Reihe im Mittelpunkt, die international bisher nicht viel Beachtung gefunden Wer findet Snake? Metal Gear Solid 3: Snake Eater (2004) ist für viele Fans der beste Serienteil.  Quelle: Konami  Wer findet Snake? Metal Gear Solid 3: Snake Eater (2004) ist für viele Fans der beste Serienteil.  hatte. Das änderte sich 1998. Metal Gear Solid war der erste Teil der Reihe mit Sprachausgabe und 3D-Grafik. Vor allem Letztere ermöglichte eine äußerst abwechslungsreiche, motivierende Spielerfahrung. Hinzu kam, dass Kojima mit den neuen technischen Möglichkeiten der Playstation endlich seiner cineastischen Passion nachgehen konnte. Metal Gear Solid glänzte mit einer üppigen Story und einer Vielzahl an Zwischensequenzen. Beides sollte zum Markenzeichen der Serie werden. Von der Presse und den Spielern gefeiert, markierte Metal Gear Solid den internationalen Durchbruch der Serie.

In diesem Zeitraum konnte Konami weitere Erfolge verbuchen. 1997 lösten die Japaner mit dem Rhythmus-Spiel Beatmania einen Boom im Bereich der Rhythmusspiele aus. Aufgrund des Erfolgs änderte Konamis verantwortliche Entwicklungsabteilung Games & Music Division ihren Namen in Bemani - fortan die Bezeichnung für alle kommenden Rhythmusspiele. Ein anderes sehr erfolgreiches Musikspiel und Auftakt einer erfolgreichen Reihe war das Tanzmatten-Gehopse Dance Dance Revolution (1998), das zunächst in japanischen Spielhallen und schließlich ebenfalls auf heimischen Konsolen erschien. Doch all das war nichts im Vergleich zu einem Sammelkartenspiel, das auf der erfolgreichen japanischen Mangaserie Yu-Gi-Oh! basierte. Die Kartenverkäufe durchbrachen rasch die Milliardengrenze, die Gewinne schossen durch die Decke und Yu-Gi-Oh! konnte sich sogar einen Eintrag im Guinnessbuch der Rekorde als meistverkauftes Kartenspiel sichern. Kurzum: Yu-Gi-Oh! wurde für Konami zur eierlegenden Wollmilchsau. Metal Gear Survive (2018) ist ein ziemlich freudloses Survival-Spin-off der beliebten Metal Gear-Serie. Quelle: Konami  Metal Gear Survive (2018) ist ein ziemlich freudloses Survival-Spin-off der beliebten Metal Gear-Serie.

Konami hatte in der Vergangenheit bereits mehrere Fußballsimulationen entwickelt. Eine davon war die Winning Eleven-Reihe (seit 1996), deren Titel international unter den Namen Goal Storm und International Superstar Soccer Pro vermarktet wurden. Ihren Siegeszug begann das Franchise schließlich mit einem Namenswechsel. Außerhalb von Japan erschien Konamis Fußballsimulation ab 2001 als Pro Evolution Soccer. Im Gegensatz zur FIFA-Reihe von Electronic Arts verfügte die Reihe Pro Evolution Soccer über keine bis wenige Lizenzen. Dafür begeisterte die Serie mit starkem Gameplay, das sich insbesondere aufgrund der großartigen Ballphysik mehr nach richtigem Fußball anfühlte als die EA-Konkurrenz. Mancher behauptet, dass das Fazit "Weniger Lizenzen, besserer Fußball" auch heute noch auf Pro Evolution Soccer zutrifft.

Auf die Mega-Hits folgt der Abstieg

Konami hatte nun mehrere starke Marken. In den Folgejahren konzentrierten sich die Japaner überwiegend auf Fortsetzungen ihrer Franchises. Spiele wie Silent Hill 2 (2001), Metal Gear Solid 2: Sons of Liberty (2001), Castlevania: Aria of Sorrow (2003), Silent Hill 3 (2003) und Metal Gear Solid 3: Snake Eater (2004) sackten regelmäßig Höchstwertungen ein und setzten qualitativ neue Standards in ihren Genres. Auch die Eines der ersten Multi-Level-Shoot’em-ups: Scramble (1981). Quelle: Quelle: Moby Games Eines der ersten Multi-Level-Shoot’em-ups: Scramble (1981). Verkaufszahlen stimmten. 2005 kam eine weitere Marke hinzu, als Konami die Mehrheit (seit 2011 komplett) beim Bomberman-Entwickler Hudson Soft übernahm. Konami war breit aufgestellt. Neben der Videospielbranche gehörten dazu Pachinko-Automaten und Sammelkartenspiele. Aber auch Fitnessstudios und Immobiliengeschäfte waren Bestandteil des Konami-Imperiums. 2006 erfolgte eine Reorganisierung der Unternehmensstruktur und die Video­spielsparte firmierte ab sofort unter dem Namen Konami Digital Entertainment.

Getreu dem Motto "Allein schleichen ist schön, zu zweit aber noch schöner" veröffentlichte Konami 2008 zeitgleich zu Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots das Multiplayer Spin-off Metal Gear Online, in dem bis zu 16 Spieler in diversen Spielmodi ihre Fähigkeiten in taktischer Kriegsführung unter Beweis stellten. Bei den Spielern kam das Online-Erlebnis gut an und wurde als bereichernde Ergänzung zum Solo-Abenteuer angesehen. Weniger erfolgreich waren Spiele abseits der bekannten Konami-Franchises. Hellboy: The Science of Evil (2008), das auf dem Superheldenfilm Hellboy des Regisseurs Guillermo del Toro aus dem Jahr 2004 basierte, konnte weder bei der Kritik noch an der Kasse überzeugen. Das galt ebenfalls für das äußerst durchschnittliche Action-Adventure Blades of Time (2012). Selbst bekannte Marken begannen nun zu schwächeln. Silent Hill: Downpour (2012) erhielt nur mäßige Kritiken. Zugleich markierte der achte Serienteil das (vorläufige) Ende der erfolgreichen Reihe. Dabei sah 2014 noch alles sehr vielversprechend aus. Konami kündigte den Survival-Horror Silent Hills als Gemeinschaftsprojekt von Hideo Kojima und Guillermo del Toro an. Als Hauptprotagonist war The Walking Dead-Star Norman Reedus eingeplant.

Doch aus dem potenziellen Mega-Hit wurde nichts. Anfang 2015 startete Konami plötzlich eine Damnatio-memoriae-Kampagne. Die Japaner tilgten Hideo Kojimas Namen aus Grafiken, Trailern und Webseiten. Im Hinblick auf den bevorstehenden Release von Metal Gear Solid 5: The Phantom Düster, emotional aufwühlend, großartig: Silent Hill 2 (2001). Quelle: Konami  Düster, emotional aufwühlend, großartig: Silent Hill 2 (2001). Pain (2015) versuchten sowohl Kojima als auch Konami die Wogen zu glätten. Doch schließlich war die Katze aus dem Sack. Aufgrund von Streitigkeiten, die Rede war später von Machtkämpfen und Geldfragen, gingen die beiden Erfolgspartner Konami und Kojima fortan getrennte Wege. Zudem veranlasste die Auseinandersetzung Konami dazu, das eigene Videospielgeschäft komplett zu überdenken. In der Folgezeit gaben die Japaner bekannt, ihre Spielsparte komplett umzustrukturieren, sich aus der High Budget Produktion zurückzuziehen und fortan den Fokus auf Mobile Games zu legen. Immerhin beschloss Konami nach dem Erfolg von Super Bomberman R (2017), andere Reihen wiederzubeleben. Zumindest bei Metal Gear ging der Schuss nach hinten los. Der Serienableger Metal Gear Survive (2018) erwies sich nicht zuletzt aufgrund von nervig umgesetztem Survivalkampf und rotzfrechen Mikrotransaktionen als Rohrkrepierer. Vielversprechender sind da schon die anlässlich von Konamis fünfzigstem Geburtstag angekündigten Jubiläumseditionen großer Spieleklassiker.

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